Mehr Licht am Rad - was hat's gebracht?

Strengere Gesetze, bessere Leuchtmittel, mehr Kontrollen: Nicht nur Sachsens Polizei sieht trotzdem Probleme bei der Sicherheit der Radfahrer.

Der Gegenverkehr blendet, Fußgänger und Radler sind in dunkler Kleidung unterwegs, letztere manchmal ohne Licht: All das stresst Autofahrer jetzt im Winter. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Forsa-Umfrage vom Dezember letzten Jahres. Schlechte Sicht sorgt für Anspannung hinterm Lenkrad, die Sorge vor Unfällen mit Radfahrern steigt. Melanie Schröder gibt einen Überblick, was zu beachten ist.

Fahren durch die neuen Regeln mehr Radfahrer in Sachsen mit Licht?

Bereits 2013 gab es eine gesetzliche Änderung für Radler: Die Dynamopflicht wurde abgeschafft und Akku-Beleuchtung erlaubt. Seit 2017 ist sogar Batteriebeleuchtung zugelassen. Befürchtungen, dass Hersteller aus Kostengründen auf fest integriertes Licht an neuen Rädern verzichten und damit noch mehr Radler ohne Licht unterwegs sein könnten, haben sich nicht bestätigt. "Inzwischen fahren mehr Radler mit Licht", beobachtet Friedmar Richter vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub Sachsen (ADFC). "Das liegt an der hohen Zuverlässigkeit der Lichtanlage durch LED-Leuchtmittel, leichtlaufende Nabendynamos oder bessere Akkus. Zudem nutzen Menschen häufiger für Alltagswege zu jeder Tages- und Jahreszeit das Rad. Daher gehen sie bewusster mit dem Licht um." In Sachsen werden zu Verstößen keine detaillierten Statistiken geführt. Bei Kontrollen würden Lichtmängel am Rad oft direkt mittels Bußgeld geahndet und seien damit abgeschlossen, erklärt der Dresdner Polizeisprecher René Täschner. Inwieweit die Gesetzesänderung zu einer Verhaltensänderung der Radfahrer geführt hat, könne er nicht einschätzen. Die Polizeidirektion Görlitz wird konkreter: Bei Schwerpunktkontrollen wurden 2018 34 Verstöße wegen Lichtmängeln festgestellt, 2019 waren es 14. Ob dieser Trend mit den neuen Regeln zusammenhänge, sei unklar. "Eigene Eindrücke geben nur Momentaufnahmen wieder", so Sprecherin Leuschner. Als entscheidenden Schritt nach vorn, um die Akzeptanz der Radfahrer im Verkehr zu verbessern, bezeichnet Sebastian Göttling vom Lichthersteller Busch & Müller die Anpassung. Mit der Neuregelung wurde unter anderem die maximale Beleuchtungsstärke der einiger Fahrzeugklassen gleichgestellt. Ein Beispiel ist das Tagfahrlicht. Bei solchen Scheinwerfern sind zusätzliche LEDs eingebaut, die für mehr Sichtbarkeit oberhalb der gesetzlichen Hell-Dunkel-Grenze sorgen. Bis zur Neuregelung lag die maximale Beleuchtungsstärke bei zwei Lux. Jetzt seien zwölf Lux erlaubt. Damit dürfe ein Rad am Tag so hell leuchten wie ein Traktor. "Die Folge ist besseres Sehen und Gesehenwerden", so Göttling. Bei S-Pedelecs (bis zu 45km/h) lohne sich Tagfahrlicht, weil ihr Tempo von Auto- und Lkw-Fahrern oft unterschätzt werde. Auch Fernlicht sei sinnvoll für motorisierte Räder. Radfahrer können es nutzen, um bei höheren Geschwindigkeiten per Lichthupe aktiv Akzente zu setzen, erklärt Göttling.

Welche Probleme haben die Änderungen mit sich gebracht?

Jede Leuchte muss vom Kraftfahrtbundesamt zugelassen werden. So wird sichergestellt, dass ein Scheinwerfer nicht blendet. "Häufig ist aber genau das problematisch. Der Schweinwerfer ist vorn zu hoch eingestellt, was andere Verkehrsteilnehmer irritiert", so Richter vom ADFC. Als Faustregel gelte: In fünf Meter Abstand sollte die Mitte des Lichtkegels nur halb so hoch wie der Scheinwerfer sein. Richter rät auch, Leuchten ab und an zu prüfen. "Viele sind überrascht, wenn man sie auf ein defektes Rücklicht anspricht. Es liegt außerhalb des eigenen Blicks." Zudem müssen alle per Straßenverkehrsordnung (StVO) vorgeschriebenen Reflektoren angebracht sein. Das sei bei Sporträdern häufig nicht der Fall. Dass die neuen Regeln Polizeikontrollen erschweren, davon berichtet zudem Görlitz-Sprecherin Leuschner. Vorder- und Rücklichter müssen seit 2017 nicht mehr ständig mitgeführt werden. In anderen EU-Ländern sei das schon länger üblich. Das gilt auch für ansteckbare Leuchten, wie sie vor allem für Sporträder genutzt werden. Das habe Konsequenzen: "Wer am Tag kontrolliert wird, braucht keine Leuchten vorzuweisen", so Leuschner. Bei Dunkelheit würden vor allem Radler ohne Licht kontrolliert. Ob also die Scheinwerfer beleuchteter Radler zulässig oder korrekt eingestellt sind, werde daher kaum geprüft.

Wann entspricht das Rad den gesetzlichen Anforderungen?

Per Gesetz brauchen Räder vorn ein weißes, hinten ein rotes Licht. Dazu kommen laut Tüv Süd Reflektoren - vorn weiß, hinten rot. Bei Pedalen und Laufrädern sind zwei gelbe Rückstrahler vorgeschrieben. Alternativ kann am Rad weißes Reflexmaterial eingesetzt werden. Auch ansteckbare Leuchten sind erlaubt. Sie funktionieren meist mit Akku und lassen sich über USB-Stecker laden. Wichtig: Immer für einen ausreichend geladenen Akku sorgen. Sehr helles Licht liefert LED-Technik mit einer Lebensdauer von bis zu 50.000 Stunden. "Meist billigere Halogenleuchter sind für bis zu 4000 Stunden ausgelegt, werden warm und sind nicht stoßfest", so der Tüv Süd. Für die Energieversorgung empfehle sich ein Nabendynamo. Er sei leise, leichtgängig und auch bei Nässe zuverlässig. Wichtig wird auch mehr Licht am Körper - ob als ergänzende Rück- oder Helmleuchte oder reflektierende Kleidung. Da Kinderfahrräder mit Reifengrößen von bis zu 18 Zoll von der StVO befreit sind, sollten gerade Kleine zusätzliches Licht tragen, rät der Pressedienst Fahrrad. Für Kinderanhänger gilt: Seit 2018 müssen zwei weiße, zwei rote Reflektoren sowie eine rote Schlussleuchte angebracht sein. Wer im Dunkeln ohne Licht fährt, muss 20 Euro Strafe zahlen. Bei einem Unfall wegen fehlenden Lichts werden 35 Euro fällig. Laut deutscher Unfallstatistik 2018 wurde mangelnde Beleuchtung nur zu 0,24 Prozent als eine Unfallursache mit Personenschaden zwischen Rad- und Autofahrern erfasst. Unfälle durch Lichtmängel ohne Personenschaden werden nicht registriert. Eine hohe Dunkelziffer von Radlern ohne Licht sei daher wahrscheinlich. (mit dpa)

Rücklicht am Körper 


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.