Vergnügen oben ohne

Mazda spendiert seiner Roadster-Ikone MX-5 stärkere Motoren. Der Roadster dankt es mit noch größerer Fahrfreude.

Kurze Begegnung beim Ampelstopp: Der SUV-Besitzer schaut schmunzelnd auf den Nachbarn hinab und reckt den Daumen nach oben. Keine Frage: Der MX-5 ist ein Sympathieträger. Lange Schnauze, scharfe Kanten, extrem knappes Fahrerabteil, anmutige Heckpartie. Dankbar registriert der Roadster-Fahrer die Anerkennung, hatte er doch gerade versucht, sich ohne Gesichtsverlust hinter das Steuer zu zwängen. Dafür bestaunt er nun fast auf Fahrbahnhöhe sitzend die hohe, übersichtliche Position des SUV-Fahrers nebenan.

Natürlich empfiehlt sich der MX-5 nicht als ideales Stadtgefährt. Der nur 3,92 Meter kurze Mazda ist zwar handlich, wieselflink und verlangt dank kräftigen Drehmoments nur sparsame Schaltübungen. Doch das umständliche Ein- und Aussteigen lässt sich bestenfalls als Ersatz für Gymnastik schönreden. Dazu eignet sich der Kofferraum mit einem Ladevolumen von 130 Litern nicht für Einkäufe bei Ikea, erst recht nicht für Urlaubsreisen.

Käufer von Cabrios dieses Kalibers kompensieren den Verzicht auf Komfort mit emotionalem Zugewinn. Der MX-5 ist in seiner dritten Generation ein Augenschmaus - und mit 1065 Kilogramm das Federgewicht in seiner Klasse. In Kombination mit drehfreudigen Motoren bietet das ideale Voraussetzungen für Fahrspaß. Mit jetzt 184 (statt vorher 160) PS reagiert der Zweiliter-Benziner noch zupackender auf Gasbefehle. Wer es etwas gemächlicher angehen lassen möchte, ist mit dem auf 132 PS verbesserten Anderthalbliter-Motor völlig ausreichend bedient.

So kurz wie der Hebel sind auch die Schaltwege beim MX-5. Die Gänge lassen sich beinahe aus dem Handgelenk einlegen. Dazu passen die direkte Lenkung und ein beinahe narrensicheres Fahrwerk, das über Hinterachsantrieb seine Stärken vor allem auf kurvenreichen Straßen ausspielt. Der Vergleich mit einem Scooter drängt sich auf.

Offenes Fahren bestraft der kleine Japaner nicht mit unangenehm hohen Windgeräuschen. Die Verarbeitungsqualität ist bemerkenswert. Die etwas teurere Hardtop-Variante erlaubt per einfachem Schalterdruck das Öffnen und schließen des Daches innerhalb von nur 13 Sekunden. Das funktioniert bis zu einem Tempo von zehn Stundenkilometern. Wer die Geborgenheit eines Coupés mit festem Dach zu schätzen weiß, ist auch auf der Autobahn mit dem "RF"-Modell bequemer unterwegs. Die Motoren erlauben Spitzengeschwindigkeiten jenseits der 200er-Marke.

Ein MX-5 als Reisewagen? Da fällt der Blick sofort aufs knappe Gepäckabteil, aber auch auf die Enge im Autoinneren. Eine Jacke mal eben hinter die Rücksitze legen, eine Zeitschrift in die Seitenablage stecken? Dafür hat der Roadster keinen Platz. Wenigstens sind mit einigen Verrenkungen zwei Cupholder zu erreichen. Unbequem ist der eingeschränkte Fußraum des Beifahrers, und der flunderflachen Form ist sicher auch die Höhenverstellbarkeit der Sitze geopfert worden.

Rund eine Million Mal ist der MX-5 seit seiner Premiere 1989 gebaut worden. Er hat sich den Ruf einer Ikone erworben - als ein knuffiger, robuster Roadster, der auch preislich nicht abgehoben ist. Fürs aktuelle Modell beginnt der Spaß ab 22.990 Euro.

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