Chinesische Plattformen wie Shein locken mit Mini-Preisen, die Kunden kaufen am laufenden Band. Doch die Waren sind mitunter sogar krebserregend. Im Sommer ist es aus mit dem Billig-Shopping - das steckt dahinter.
Qualität? Egal. Hauptsache billig. Das denken sich in der EU offenbar zahlreiche Verbraucher und kaufen fleißig bei chinesischen Billiganbietern wie Temu, Shein oder AliExpress. Milliarden an Päckchen und Paketen kommen inzwischen aus Fernost nach Europa. Doch künftig wird das China-Shopping teurer.
Grund dafür ist der Wegfall der sogenannten Zollfreigrenze. Die liegt bei 150 Euro Warenwert. Alles, was weniger kostet, blieb bislang zollfrei. Ideal natürlich für Billigartikel aus Fernost. Der EU-Rat beschloss vor wenigen Tagen, dass die Zollfreigrenze zum 1. Juli 2026 abgeschafft wird.
Krebserregende Partyartikel aus China
Für die Abschaffung gibt es mehrere Gründe, wie die Verbraucherzentrale Sachsen der „Freien Presse“ mitteilt. So sollen etwa die „Paketfluten aus Drittstaaten“ reguliert und eingedämmt werden mit dem Ziel, „die Wettbewerbsbedingungen für europäische Anbieter und Händler gerechter zu gestalten“.
Auch sollen dadurch die Zollbehörden entlastet und die Umwelt durch eine Reduzierung des hohen Paketaufkommens geschont werden. Ein weiterer Punkt: die „Regulierung der Einfuhr von qualitativ minderwertigen, ungetesteten, ungeprüften und teilweise gefährlichen Waren“.
Denn der niedrige Preis hat seinen Preis, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) bereits im Dezember 2024 meldete. Der BUND hatte Partyartikel wie etwa Luftballons, Tischdecken und Pappbecher von Shein und Co. getestet. Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Produkte überschritt die gesetzlichen Grenzwerte für krebserregende und hormonell wirksame Chemikalien.
Die Stiftung Warentest konnte Ende letzten Jahres keine Entwarnung geben. Sie untersuchte mehr als 160 Waren der Billigplattformen. Das Fazit: „Bei vielen beliebten Produkten haben wir zum Teil schwerwiegende Mängel festgestellt. Diese vermeintlichen Schnäppchen sind bisweilen giftig, brandgefährlich und erfüllen geltende EU-Sicherheitsstandards nicht.“ Käufer sollten die Produkte entsorgen.
Shein und Co. boomen in Deutschland
Und dann gibt es da noch eine Sache: Eine Vielzahl der Pakete aus Fernost sei unter Wert deklariert worden, um eine Verzollung zu umgehen, teilt der Verbraucherzentrale-Bundesverband der „Freien Presse“ mit.
Nichtsdestotrotz: Die China-Plattformen sind bei hiesigen Verbrauchern beliebt, wie Zahlen des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel Deutschland zeigen. Was E-Commerce – also den Kauf von Waren oder Dienstleistungen im Netz – anbelangt, so hätten Shein, Temu und AliExpress wegen extremer Niedrigpreise zwar einen geringen Umsatzanteil, wuchsen aber mit 27,2 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro deutlich schneller als das gesamte Anbietersegment der übrigen Online-Marktplätze.
„Jede 15. Bestellung im Internet wird bei einer der großen Plattformen aus Asien gemacht“, so der Bundesverband. „Von den 2,6 Milliarden Euro Wachstum des gesamten E-Commerce mit Waren machte das Wachstum der Plattformen chinesischer Herkunft 30 Prozent aus.“
Soviel müssen Sie künftig mehr zahlen
Und was ändert sich nun für hiesige Kunden ab dem 1. Juli? Laut den sächsischen Verbraucherschützern wird das Einkaufen teurer. So fallen ab Sommer auf Waren unter einem Wert von 150 Euro Pauschalzölle in Höhe von drei Euro pro Warenkategorie an.
Wohlgemerkt: Nicht pro Paket, sondern pro Produktgruppe im Paket. Es können also mehrere Zollpauschalen anfallen, die sich addieren. Kauft man zum Beispiel ein T-Shirt und eine Wollbluse macht das 6 Euro Pauschale. Kommt noch eine Trinkflasche dazu, sind bereits 9 Euro fällig. Bestellt man dann auch noch eine Handyhülle, sind es schon 12 Euro und so weiter.
Der bislang günstige Einkaufsspaß könnte also ab Sommer schnell teuer werden. Das so eingenommene Geld fließt übrigens in den EU-Haushalt sowie in die Kassen der Mitgliedsstaaten. Allerdings ist die kommende Änderung nicht für alle Zeiten in Stein gemeißelt.
„Diese Regelung soll voraussichtlich bis 2028 gelten“, teilt die Verbraucherzentrale unserer Redaktion mit. „Danach soll eine neue zentrale digitale Datenplattform unter Aufsicht einer EU-Zollbehörde starten, durch die dann statt Pauschalen aller Voraussicht nach eine Einfuhrumsatzsteuer und reguläre Zollsätze erhoben werden.“
Über eine womöglich zusätzlich anfallende Bearbeitungsgebühr wird noch auf EU-Ebene beraten. (phy)





