Das Whats-App-Dilemma

Widerspruch gegen die neuen Regeln für die App bewirkt weniger als gedacht - Zulauf für alternative Dienste

Auf "Zustimmen" tippen oder nicht? Die neuen Nutzungsbedingungen und Datenschutzregeln bei Whats-App verunsichern viele Anwender. Unter anderem sollen sie der US-Firma erlauben, Daten wie die eigene Mobilfunknummer an die Konzernmutter Facebook weiterzugeben. Andreas Rentsch erklärt, warum sich der Datentransfer nicht verhindern, sondern nur einschränken lässt - und welche alternativen Messenger-Apps es gibt.

Was passiert, wenn ich die neuen Whats-App-Regeln ablehne?

"Stimmen Sie den neuen Datenschutzregeln und Nutzungsbestimmungen nicht zu, sind Sie raus bei Whats-App", sagt Jo Bager, Redakteur bei der Fachzeitschrift "c't".

Ich kann doch aber der Datenweitergabe an Facebook widersprechen?

Ja. Doch damit verweigert man seine Einwilligung nur auf einer Ebene: Whats-App darf die Daten nicht an Facebook weitergeben, damit die Konzernmutter diese Informationen für personalisierte Werbung verwenden kann. Übermittelt würden die Daten aber trotzdem, betont Julian Graf von der Verbraucherzentrale NRW. Der Jurist verweist auf eine Whats-App-Erklärung, in der es heißt, Firmen der Facebook-Gruppe erhielten die geteilten Informationen noch zu anderen Zwecken. Etwa, um Spam bekämpfen oder die technische Infrastruktur der Dienste verbessern zu können.

Wie stelle ich in der App ein, dass ich der Datenübertragung zum Zwecke personalisierter Werbung widerspreche?

Dafür muss man in den Einstellungen der App am Menüpunkt "Meine Account-Info teilen" einen Schieberegler schließen (Apple iOS) oder einen Haken entfernen (Google An droid). Wer den neuen Bedingungen voreilig seine Zustimmung erteilt hat, kann diese "Opt-Out"-Prozedur noch bis 25. September nachholen.

Was gehört neben der Mobilnummer noch zu den Account-Informationen? Werden diese Daten künftig möglicherweise auch mit Facebook geteilt?

Zu den Account-Informationen zählen neben Rufnummer und Aktivitätsdaten auch Profilfotos, -namen sowie Statusmeldungen. Diese Angaben würden "im Moment" nicht an Facebook weitergegeben, teilt Whats-App mit. "Die Formulierung impliziert natürlich, dass sich dies eines Tages auch ändern kann", erklärt Jo Bager.

Landet auch das auf meinem Smartphone gespeicherte Telefonbuch über Whats-App bei Facebook?

Davon ist nicht die Rede. Allerdings räume sich Whats -App das Recht dazu bereits ein, sagt Julian Graf.

Wenn Telefonnummern weitergegeben werden, ohne dass Betroffene das wollen - ist das denn kein Datenschutzverstoß?

Doch. Whats-App scheint allerdings bemüht zu sein, die Verantwortung für die Weitergabe auf die Nutzer der App abzuwälzen. So heißt es jetzt in den aktualisierten Datenschutzbedingungen: "Du stellst uns regelmäßig die Telefonnummern in deinem (...) Adressbuch zur Verfügung, darunter sowohl die Nummern von Nutzern unserer Dienste als auch die von deinen sonstigen Kontakten. Du bestätigst, dass du autorisiert bist, uns solche Nummern zur Verfügung zu stellen." Theoretisch müsste nun jeder Nutzer alle Kontakte seines Telefonbuchs vor der weiteren Nutzung um Erlaubnis bitten, schreibt der IT-Fachanwalt Chris tian Solmecke in einem Blogbeitrag. In der Praxis ein Ding der Unmöglichkeit.

Kann Facebook die Inhalte der Whats-App-Chats mitlesen?

Nein. Verwenden Nutzer eine Ver sion der App, die nach dem 2. April veröffentlicht wurde, greift die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Damit können weder Whats-Aapp noch Dritte Inhalte mitlesen. Allerdings hat Whats-App nach wie vor Zugriff auf die sogenannten Metadaten. Aus denen geht unter anderem hervor, wer sich mit wem austauscht und wie lange das dauert.

Wird Whats-App jetzt mit Werbung zugepflastert?

Nein, behauptet das Unternehmen. "Wir möchten nicht, dass du das Gefühl hast, Spam zu erhalten." Also werde es auch künftig keine Werbebanner von Dritten in der App geben. Stattdessen sei angedacht, Informationen wie den Flugstatus für eine bevorstehende Reise oder Zahlungsbelege für kürzlich gekaufte Artikel zu übermitteln. Etwaige Marketingbotschaften sollen laut Whatsapp "Angebote zu etwas enthalten, das Dich interessiert".

Welche Alternativen zu Whats App gibt es?

Einige. Threema als wohl bekannteste ist allerdings kostenpflichtig. Sowohl bei Google als auch bei Apple werden pro Download knapp drei Euro fällig. Alternativ seien Gratisdienste wie Telegram und Signal zu empfehlen, sagt Jo Bager. Der Umstieg auf einen anderen Messenger als Whats-App sei durchaus machbar, wenn ihn ein Freundeskreis oder eine Gruppe gemeinsam beschließe, sagt Julian Graf. "Es geht hier ja nicht nur um die eigenen, sondern auch die Daten Dritter." Fakt ist: Threema profitiert von der Kritik am Marktführer. Anfang der Woche vermeldete die Entwicklerfirma eine Verdreifachung der täglichen Downloads. Bei den absoluten Nutzerzahlen ist allerdings noch Luft nach oben. Zuletzt war von vier Millionen die Rede. Whats-App hat Anfang 2016 die Milliarden-Marke geknackt.

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