Fairer Advent

Was in Deutschland in der Weihnachtszeit Freude bereitet, bedeutet andernorts Ausbeutung und Kinderarbeit. Doch es gibt Alternativen.

Ob Baum, Schoko-Nikolaus, Nüsse oder Schmuck - viele Produkte, die wir für die Festtage kaufen oder verschenken, sind ein Produkt von Kinderarbeit oder wurden unter schlimmen Bedingungen von Arbeitern hergestellt und geerntet. Es gibt jedoch faire Alternativen.

Weihnachtsstern: Rund 40 Millionen Christsterne werden bundesweit verkauft, viele davon zu einem Dumpingpreis im Super- und Baumarkt. Geerntet werden die Setzlinge für den Export überwiegend in Guatemala, El Salvador, Uganda oder Äthiopien. Die Arbeiter dort bekommen nur Saisonverträge, sie müssen häufig Chemikalien ohne Schutzkleidung versprühen und dürfen keine Gewerkschaften bilden, kritisiert die Christliche Initiative Romero e.V. "Die niedrigen Löhne sind ein großes Problem", sagt Mike Pflaum, Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation. "Wenn man genau hinschaut, kann man den Schmerz der Jungen und Mädchen sehen, die auf den Fincas arbeiten", mahnt auch Carlos Maroquín, Priester in San Miguel Dueñas, einem Dorf in Guatemala.

Faire Alternativen: Weihnachtssterne mit Fairtrade-Siegel unter anderem bei Kaufland, Rewe, Penny, Edeka, Toom oder Bio-Weihnachtssterne aus Deutschland bei Dehner.

Weihnachtsbaum: Jedes Jahr werden im Advent bundesweit 45 Millionen Tannenbäume verkauft. Über 90 Prozent der Tannensamen für die westeuropäische Weihnachtsbaumproduktion stammen aus Georgien. Doch die Pflücker der Sa- men - allesamt Saisonarbeiter, darunter viele Minderjährige, die zur Erntezeit im Herbst keine Schule besuchen - bekommen umgerechnet 15 bis 60 Cent pro Kilo geerntete Zapfen. Dabei ist der Job sehr gefährlich: Die Zapfenpflücker müssen bis zu 60 Meter hohe Bäume erklimmen - mangels Geld oftmals ohne Gurte, gute Seile oder Helme. Es kommt immer wieder zu tödlichen Unfällen.

Faire Alternative: Nordmanntannen der dänischen Baumschule Bols Forstplanteskole gibt es u.a. beim Baumarkt Hellweg (Händlerliste unter www.fairtrees.de). Fair Trees ist Mitglied der World Fair Trade Organization, autorisiert auch von Fairtrade Danmark. Die Pflücker erhalten 1,60 Euro pro Kilo Zapfen, Sicherheitskurse und Equipment sowie eine Arbeits- und Gesundheitsversicherung für die Familie.

Kaffee: Kaffee und Kaffeemaschinen landen oft auf dem Gabentisch. Die Branche verpackt das Lifestyle-Getränk gerne in Geschichten von glücklichen Pflückern, handwerklicher Röstung und fachsimpelnden Baristas. Die Realität: Aufgrund von Rohstoffspekulation und gnadenlosem Preiskrieg der Supermärkte geht es für viele Kaffeebauern ums Überleben. Die Wertschöpfung findet in Europa statt. Prekär ist auch die Lage der Wanderarbeiter, die etwa in Guatemala den Kaffee auf den großen Kaffee-Fincas ernten: Sie leben mit ihren Familien für mehrere Monate auf dem Gelände der Plantage. Dass Kinder bei der Ernte helfen, ist eher Regel denn Ausnahme. Bereits Zwölfjährige schleppen für einen Hungerlohn schwere Lasten.

Faire Alternativen: Fair gehandelter Kaffee mit Fairtrade-Siegel, von Gepa (www.gepa.de), dwp (https://shop.dwpeg.de), Ethiquable (www.ethiquable.de) oder el Puente (www.el-puente.de) gibt es u.a. im Supermarkt (auch Discounter), Bioladen, Weltladen. Die Menge fair gehandelten Kaffees hat sich zwar in den zurückliegenden fünf Jahren verdoppelt, doch der Marktanteil liegt unter fünf Prozent.

Schmuck und Kunsthandwerk: Unter welchen Bedingungen der Rohstoff für die Goldkette oder den Silberreif beschafft oder verarbeitet wurde, ist für viele Schenkende kein Thema. Doch für Edelmetalle werden Menschen ausgebeutet, in Kriege verwickelt und ihre Natur zerstört. In Peru hat die Goldwäsche zahlreiche Flüsse mit Quecksilber und Zyanid verseucht, und laut Human Rights Watch schuften mehr als 20.000 Kinder in Kleinminen in Mali, dem drittgrößten afrikanischen Goldproduzenten. Weiterverarbeitet wird das Gold überwiegend in China und Indien - unter teils katastrophalen Bedingungen, ähnlich denen der Textilbranche. Und im bolivianischen Potosi wühlen Kinderarbeiter in Gestein, um Silber zu gewinnen; ihre Lebenserwartung liegt bei unter 40 Jahren.

Faire Alternativen: Weltladen, Contigo, www.faire-edelsteine.de, www.janspille.de, www.südsinn.de, www.tbschmuck.de. Nüsse: "Apfel, Nuss und Mandelkern, essen fromme Kinder gern", sagt Theodor Storms Knecht Ruprecht. Leider steckt in ihnen viel Ausbeutung und sogar Kinderarbeit. Etwa in der Türkei, dem größten Lieferanten von Haselnüssen: Hier ernten Minderjährige, oft Kinder kurdischer Wanderarbeiter und syrische Flüchtlinge, an steilen Hängen die Nüsse, wie die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft kritisiert. Weltweit leiden Nusssammler an niedrigen Löhnen, schlechten Arbeitsbedingungen und fehlenden Verarbeitungsanlagen.

Faire Alternative: Nüsse aus Fairem Handel mit dem Fairtrade-Siegel im Supermarkt sowie im Weltladen, bei dwp, El Puente, Gepa und Rapunzel.

Urlaub: Viele verreisen übers Fest oder verschenken einen Reisegutschein. Doch besonders bei Fernreisen bleibt vom Geld der Reisenden nur wenig im Land. Die meisten Jobs im Tourismus sind zudem mies bezahlt. Auch Minderjährige sind betroffen: Millionen von Kindern putzen Touristen die Schuhe, bedienen sie, führen sie zu Sehenswürdigkeiten, stellen Souvenirs her, waschen Teller - und werden sexuell ausgebeutet. Allein auf den Philippinen arbeiten laut UNICEF rund 60.000 Minderjährige als Prostituierte.

Faire Alternative: Wer bei einem Anbieter des forum anders reisen (www.forumandersreisen.de) bucht, kann Kinderarbeit ausschließen. Dafür steht auch das TourCert-Siegel (www.tourcert.org). Konkrete Reise-Tipps: Frank Herrmann: "FAIRreisen", oekom Verlag, 2017 (ITB-Award).

Elektronik: Hersteller von Akkus für Smartphones und Laptops profitieren von Kinderarbeit, kritisiert nicht nur Amnesty International. Minderjährige, manche gerade einmal sieben Jahre alt, schuften in Kobaltminen im Süden des Kongos ungesichert und für einen Hungerlohn von ein bis zwei Dollar pro Tag. Auch in der Produktion der Geräte können die Hersteller Kinderarbeit nicht ausschließen. Der Apple-Konzern etwa hat in seinem Fortschrittsbericht 2017 einen Fall von Kinderarbeit in China und Schuldknechtschaft eingeräumt.

Faire Alternative: Das Fairphone (www.fairphone.org), die Maus von NagerIT (www.nager-it.de), das Siegel TCO certified (www.tcodevelopment.de).

Schokolade: In Westafrika sollen immer weniger Kinder im Kakaoanbau arbeiten. Das zumindest versprechen Konzerne und Regierungen seit vielen Jahren. Doch eine Studie der Tulane University von Ende 2015 belegte: Die Zahl der arbeitenden Kinder ist sogar gestiegen. Laut der Kampagne Aktiv gegen Kinderarbeit sind die meisten gerade mal fünf bis 14 Jahre alt. Zur Schule geht kaum eines dieser Kinder. Der aktuelle Preisverfall bei Rohkakao verschärft die Situation noch weiter.

Faire Alternativen: Fair gehandelte Schokolade mit dem Fairtrade-Siegel, von Gepa, dwp, el Puente, Ethiquable gibt es u.a. im Supermarkt, Bioladen, Weltladen. Infos: https://de.makechocolatefair.org

Feuerwerkskörper: 133 Millionen Euro verpulverten die Deutschen Silvester 2016; auch 2017 wird wieder kräftig geballert werden. Die Ware stammt meist aus Indien, China und Osteuropa. In Indien sind nach Schätzungen rund 6000 Kinder an der lebensgefährlichen Produktion beteiligt, viele von ihnen unter 14 Jahren, es kommt immer wieder zu Unfällen.

Faire Alternative: Die Aktion "Brot statt Böller" (www.brot-statt-boeller.de) gibt es seit 1982. Der Erlös kommt Straßenkindern in Simbabwe und Kenia zugute.

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