Matratzentest: Liegen? Liebend gern!

Die Stiftung Warentest hat Federkernmatratzen für 100 bis 400 Euro geprüft. Das Ergebnis ist so positiv wie selten.

Statistisch gesehen kauft der Deutsche alle dreizehneinhalb Jahre eine neue Matratze. Hat jedoch die Stiftung Warentest neue Modelle geprüft und stellt ihre Ergebnisse online, steige die Zahl der kostenpflichtigen Abrufe regelmäßig auf Rekordniveau, bestätigen die Verantwortlichen des Magazins "test". Jetzt dürfte es wieder so weit sein: Für die Februar-Ausgabe hat ein Prüflabor 15 verschiedene Federkern-Matratzen im Format 90 mal 200 Zentimeter untersucht. Resultat: acht erhielten das Gesamturteil "Gut", sieben "Befriedigend". Am besten schnitt die rund 220 Euro teure Malie Polar ab. Als fast genauso gute, aber günstigere Alternative erwies sich eine Sieben-Zonen-Taschenfederkernmatratze von Lidl/Meradiso: Sie ist im Schnitt schon für hundert Euro erhältlich.

Ob die Unterlage einen erholsamen Schlaf ermöglicht, hängt von vielen Faktoren ab. Relevant sind unter anderem das Gewicht, die Größe und der Körperbau der Person, die darauf liegt. Man prüfe deshalb seit dem Jahr 2012 die Liegeeigenschaften für vier verschiedene Körpertypen, sagt Thomas Müller von der Stiftung Warentest. Relevant für die Ergebnisse ist auch, ob die Person bevorzugt auf der Seite oder dem Rücken schläft. Rückenschläfer finden tendenziell leichter eine für sie komfortable Schlafstatt als Seitenschläfer.

Beste Liegeeigenschaften für alle Körpertypen bot die knapp 150 Euro teure Unicor-Matratze von Union. Allerdings schwächelte das besagte Taschenfederkern-Modell in einer anderen Disziplin: Große Wärme und Schweiß machen die Matratze binnen kurzer Zeit weich.

Auf die Härteangaben der Hersteller sei ohnehin wenig Verlass, sagen die Tester. So seien die geprüften Matratzen oft weniger hart als angegeben gewesen. Beispielsweise gab es einige Modelle, die trotz Härtegrad-Deklaration H3 als "mittel" eingestuft wurden. Andere stellten sich trotz H2-Angabe als "weich" heraus. Vertreter der Industrie sehen diese Neudefinition kritisch. Man arbeite aber an einer "einheitlichen Lösung", die dem Verbraucher mehr Orientierung beim Kauf biete, sagt Claudia Wieland vom Fachverband der Matratzenindustrie auf Nachfrage der "Freien Presse".

Auf der Suche nach der idealen Unterlage für die Ruhestunden gibt es ohnehin nur einen Weg: ausgiebiges Probeliegen. Wenn es die Rückgabebedingungen ermöglichten, bewahre ein mehrtägiger Test daheim vor bösen Überraschungen, sagt Thomas Müller.

Federkernmatratzen gelten als Bett-Klassiker. Die miteinander verbundenen Stahlfedern im Inneren sorgen für gute Belüftung. Bei Zylinder- oder Tonnentaschenfederkern-Modellen werden die elastischen Federn von dünnen Gewebetaschen umschlossen. Entstandene Wärme kann in solchen Matratzen besser zirkulieren als bei Modellen aus Latex oder Schaumstoff. Diese wiederum eignen sich eher für kälteempfindliche Menschen.

Gute Exemplare finden sich in jedem Segment. Speziell bei Schaumstoffmatratzen, die laut Industrieverband den größten Anteil ausmachen, gibt es Testsieger zu Schnäppchenpreisen. Bekanntestes Beispiel ist das Modell Bodyguard von bett1.de: Die beste jemals von Stiftung Warentest getestete Matratze (Note "Gut", 1,8) kostet im Standardformat 90 x 200 cm knapp 200 Euro.

Den Versuch, Vorteile verschiedener Matratzentypen zu vereinen, unternehmen Anbieter von Boxspringbetten. Dafür verwenden sie eine Federkernmatratze als Unterbau und einen sogenannter Topper aus Schaumstoff darüber. Einen Lattenrost braucht es nicht mehr. Trotz teilweise guter Liegeeigenschaften haben Boxspringbetten nicht auf breiter Front überzeugt. "Zu teuer, sperrig und schwer", lautete das Fazit der Warentester im August 2016. Dass kein einziges der geprüften Modelle die Note "Gut" erreichte, lag auch an schlechter Haltbarkeit.

Solche Probleme offenbaren die jetzt geprüften Federkernmatratzen nicht. Den Dauerwalzversuch, bei dem eine acht Jahre lange Nutzung simuliert wird, überstanden fast alle Testkandidaten sehr achtbar, einige sogar mit Bestnote.

Grundsätzlich sollten Besitzer ihre Matratze bei jedem Wäschewechsel drehen. Bezüge von fast allen geprüften Federkernmodellen lassen sich bei 60, vereinzelt auch bei 40 oder 95 Grad Celsius waschen.

Ausführliche Ergebnisse: Zeitschrift "Test" 02/2017, ab Seite 54, Produktfinder im Internet: www.test.de/matratzen

Welcher Typ sind Sie?

H-Typ: große, kompakte Statur. Schultern, Brust und Bauch etwa gleich kräftig, Hüfte schmaler, mehr Bauch als Po.

E-Typ: große, normale bis schlanke Statur, Schultern breiter als Hüfte, weder kräftiger Bauch noch Po.

I-Typ: klein bis mittelgroß, schlank, Hüfte und Schultern gleich breit, weder kräftiger Po noch Bauch.

A-Typ: kleine bis mittelgroße Statur, schmale Schultern, schlanke Taille, eher kräftiger Po und kräftige Oberschenkel.

Quelle: Stiftung Warentest

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