Sommerkleidung, die mehr als schön sein kann

Moderne Gewebe und Imprägnierungen schützen heute vor Sonne, Hitze und Mücken. Sie kommen auch aus Sachsen.

So schön das Sommerwetter zurzeit auch ist: Die Sonne hat ihre Schattenseiten. Wer sich nicht richtig schütz, kann Hautkrebs bekommen oder beschleunigt die Hautalterung. Doch es muss nicht immer nur Sonnencreme sein.

Schutz vor UV-Strahlen: Ein langärmliges Shirt oder lange Hosen helfen bekanntlich schon. Doch was nur wenige wissen: Wie effektiv sie das tun, hängt von Farbe und Gewebe ab. "Wenn man das gleiche Gewebe in Schwarz und in Weiß nimmt, hat das schwarze einen höheren Schutzfaktor", erklärt Diplom-Physikerin Heidrun Mehlhorn vom Sächsischen Textilforschungsinstitut in Chemnitz. Allerdings hat Schwarz einen entscheidenden Nachteil: Die Farbe zieht Wärme sehr stark an. Alternativen wären deshalb ein kräftiges Rot oder Grün.

Doch auch helle Materialien können ähnlich gut schützen wie schwarze - wenn sie dicker sind oder aus den richtigen Stoffen bestehen. "Synthetische Fasern wie Polyester sind oft engmaschiger gewebt als Baumwollstoffe und halten UV-Strahlen effektiver fern", erklärt Heidrun Mehlhorn.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann spezielle UV-Schutzkleidung kaufen. Der Lichtschutzfaktor wird dabei in UPF angegeben, was für Ultraviolet Protection Factor steht. Der gängigste Lichtschutzfaktor für Kleidung ist bislang UPF 50+. Damit ist gemeint, dass der Stoff weniger als ein Fünfzigstel der UV-Strahlung durchlässt - also maximal zwei Prozent, erklärt die Stiftung Warentest. Wer ohne Schutz nach etwa zehn Minuten einen Sonnenbrand bekommt, kann in einem Hemd mit UPF 50+ mindestens 50 Mal so lange in der Sonne bleiben. Allerdings, warnt Stiftung Warentest, funktioniert das nur im ungedehnten, trockenen Zustand und solange die Kleidung neu ist.

Die Firma Biehler-Sports aus Limbach-Oberfrohna bei Chemnitz hat nun gemeinsam mit der Textilforscherin Katerina Rose einen Stoff entwickelt, der den Lichtschutzfaktor auf UPF 70+ erhöht und trotzdem luftdurchlässig ist. Das Gewebe, das die Luft zwischen zwei Ebenen zirkulieren lässt, ist bereits zum Patent angemeldet. "Das Besondere an dem Stoff ist zudem, dass der Sonnenschutz auch im Wasser beim Baden garantiert werden kann", sagt Steffi Barth, Geschäftsführerin bei Biehler Sports. Die Produktion stehe kurz bevor, vor allem von Badebekleidung für Kinder.

Schutz vor Hitze: Neben der Farbe spielt ein anderer Faktor eine wichtigere Rolle für das Wärmeempfinden, wie eine Studie verdeutlicht: Israelische Forscher haben in der Wüste das Wärmegefühl von Menschen in weißen und schwarzen Beduinen-Umhängen, in einer hellen Militäruniform und in Shorts miteinander verglichen. Das Ergebnis: Am heißesten kam es den Versuchspersonen in Shorts vor, gefolgt von den Uniformträgern. Am angenehmsten war das Beduinengewand - und zwar unabhängig von der Farbe. Viel wichtiger als die Farbe ist nämlich, dass die Kleidung nicht zu eng sitzt und dass die Luft im Inneren zirkulieren kann, erklären die Forscher.

Das bestätigt auch Sybille Krzywinski, Professorin für Konfektionstechnik an der TU Dresden. Sie empfiehlt für solche weit geschnittenen Sommersachen leichte Naturfaserstoffe wie Baumwolle, Seide und Leinen. Handelt es sich jedoch um Sportbekleidung, die meist eng am Körper anliegt, empfiehlt die Dresdner Wissenschaftlerin dagegen Kunststoffe wie Polyester. Denn während Naturfaser Feuchtigkeit aufsaugen, führen Polyester-Mikrofasern die Feuchtigkeit vom Körper weg, sagt Krzywinski. Dadurch könne die Feuchtigkeit besser verdunsten.

Schutz vor Mücken: Gegen die Stiche von Mücken hilft am besten Kleidung, die engmaschig gewebt ist. "Der Nachteil dieser eher festen Kleidung ist, dass sie bei hohen Temperaturen über eingearbeitete Lüftungsschlitze verfügen muss. Ansonsten kann es in wärmeren Regionen schnell zu heiß werden", sagt Andrea Gontard vom reise- medizinischen Beratungsportal Tropeninstitut.de.

Alternativ ist die Imprägnierung dünner Gewebe möglich. "Sie können bereits imprägnierte Kleidung kaufen oder selbst ein spezielles Anti-Insekten-Imprägnierungspray auftragen", so Gontard. "Was auf Kleidung nicht funktioniert, sind Anti-Moskito-Mittel für die Haut." Geeignet sei das Insektengift Permethrin. "Da es von der Haut kaum aufgenommen wird, besteht nach aktuellem Wissensstand keine Gesundheitsgefahr", sagt Reisemediziner Thomas Jelinek aus Berlin . Dennoch warnt Textilforscherin Heidrun Mehlhorn: Kleidung, die vor Mücken schützt, sollte nicht zu eng anliegen oder zu gedehnt sein. Denn von den Chemikalien in der Kleidung könnten Hautreizungen ausgehen. Sie stellt außerdem die lange Waschbeständigkeit solcher Kleidungsstücke infrage.

Bei unbedeckten Körperteilen rät Reisemediziner Jelinek zu Substanzen, die die Wahrnehmung der Mücken irritieren. Produkte mit Diethyltoluamid (DEET) bieten ihm zufolge den besten Schutz. "Gesundheitlich ist DEET aber nicht unbedenklich und sollte nicht bei Kindern und Schwangeren verwendet werden", ergänzt er.

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