Widerruf beim Weihnachtsmann

Das Parfüm gefällt doch nicht und das Lego besitzt der Enkel schon - Ihr gutes Recht beim Umtausch

Nach Weihnachten sind die Geschäfte wieder voll. Es wird umgetauscht und reklamiert - laut Verbraucherzentrale Sachsen so ziemlich alles, was zu Weihnachten verschenkt wird: Computer, Telefone und sonstige Unterhaltungselektronik, Bücher, Möbel, Gartengeräte, Matratzen und Haushaltsgeräte aller Größen.

Welche Umtauschrechte haben Verbraucher?

In Geschäften haben Kunden grundsätzlich keinen Anspruch auf Umtausch, wenn die Ware in Ordnung ist. Dennoch böten viele Händler freiwillig die Rücknahme von bei ihnen gekauften Produkten an, sagt Sabine Breidel von der Verbraucherzentrale Sachsen. Es handele sich dabei um eine Kulanzleistung. Es liegt beim Händler, ob er seinem Kunden das Geld zurückerstattet, einen Gutschein ausstellt oder die Ware gegen ein neuwertiges Produkt umtauscht. Ein bedingungsloses Umtauschrecht können Händler und Kunden selbstverständlich vorab vereinbaren. In der Regel gibt es eine Voraussetzung: Die Ware muss unbenutzt sein. Meist ist es erforderlich, dass der Kassenbon vorgelegt wird. Beim Onlinehandel dagegen besteht ein 14-tägiges Widerrufsrecht, sagt Stephanie Schmidt vom Bundesverband E-Commerce und Versandhandel.

Darf man zumindest bei kaputter Ware das Geld zurückverlangen?

Nein. Aber: "Bei defekter Ware kann der Kunde eine Reparatur oder einen Austausch verlangen", sagt Sylvia Kaufhold vom Deutschen Anwaltverein. Diese Gewährleistungspflicht des Verkäufers gelte bis zu zwei Jahre nach Lieferung der Ware. Der Händler hat aber die Wahl, welche Option er dem Kunden anbietet. Grundsätzlich muss der Kunde nachweisen, dass der Mangel schon bei der Lieferung bestand. Tritt der Defekt innerhalb der ersten sechs Monate auf, gehe man davon aus, dass der Mangel bereits bei der Lie-ferung bestand. "Dann ist es einfach für den Kunden", sagt Kaufhold. Anschließend müsse der Kunde nachweisen, dass der Fehler nicht durch ihn entstanden ist. Das Geld kann der Kunde nur in Einzelfällen zurückverlangen. Vom Kaufvertrag zurücktreten kann er nur, wenn der Händler die Nacherfüllung nicht innerhalb einer angemessenen Frist vornimmt oder die Nacherfüllung fehlschlägt. In den Beratungsgesprächen der Verbraucherzentralen zeige sich immer wieder, dass Kunden den Anspruch auf Neulieferung mit dem Umtausch verwechseln, so Breidel.

In welchen Fällen besteht kein gesetzliches Widerrufsrecht?

Wer Ware bestellt, die speziell an die eigenen Wünsche angepasst wurde, hat in der Regel kein Widerrufsrecht. "Dies gilt zum Beispiel, wenn ein T-Shirt nach meinen Vorgaben bedruckt oder eine Uhr mit individueller Gravur versehen wurde", erklärt Stephanie Schmidt. Das Gleiche gilt für DVDs und andere Medienträger sowie für versiegelte Hygieneartikel, die der Kunde nach dem Kauf geöffnet hat. Auch für online bestellte Veranstaltungstickets für einen bestimmten Termin gibt es laut Verbraucherzentrale keinen Widerruf. Einmal auf bezahlen geklickt, heißt gekauft.

Wer trägt die Versandkosten beim Widerruf von Onlineware?

Viele Kunden meinen, dass der Händler automatisch alle Kosten übernehme. Im Fall des Widerrufs online bestellter Ware gilt: Er muss nur die Hinsendekosten tragen. Die Kosten für die Rücksendung müssen Verbraucher laut Gesetz selbst übernehmen. "In der Praxis übernehmen viele deutsche Händler aber freiwillig die Rücksendekosten als besonderen Kundenservice", so Schmidt.

Wie lange muss ein Gutschein gültig sein?

Hat der Händler den Gutschein nicht befristet, gilt eine dreijährige Verjährungsfrist. Die sogenannte regelmäßige Verjährungsfrist ist im Bürgerlichen Gesetzbuch festgehalten. Die Frist beginnt immer am Ende des Kalenderjahres, erklärt Dorothea Kesberger von der Verbraucherzentrale Berlin. Manchmal befristen Händler aber auch den Gutschein - er ist dann bis zu einem bestimmten Datum einzulösen. "Im Gesetz ist keine Mindestdauer festgehalten, wie lange diese Frist sein muss", sagt Kesberger. Das Oberlandesgericht München zum Beispiel entschied 2008, dass Geschenkgutscheine nicht nach einem Jahr verfallen dürfen. Das ist allerdings ein Einzelfall - solange es keine gesetzliche Regelung gibt, müssen Gerichte immer wieder entscheiden.

Hat die Art des Gutscheins Auswirkungen auf die Gültigkeit?

Ja. Gutscheine für ein Theaterstück oder einen Kinofilm können durchaus kürzer gültig sein. "Wenn die Spielzeit für das Theaterstück vorbei ist, dann erlischt damit auch der Gutschein", warnt Kesberger.

Kann ich mir einen Gutschein in bar auszahlen lassen?

Nein, dazu ist der Händler nicht verpflichtet. Ist der Gutschein abgelaufen, die dreijährige Verjährungspflicht aber noch nicht, können Kunden aber durchaus darauf pochen, sich den Geldwert auszahlen zu lassen. "Der Händler hat ja bereits Geld erhalten. Er würde sich ungerechtfertigt bereichern, wenn er das Geld behält", erklärt Kesberger. Der Händler kann allerdings seinen entgangenen Gewinn einbehalten.

Kann ich Gutscheine oder Tickets einfach weiterverkaufen?

Im Prinzip spricht nichts dagegen. Gutscheine sind selten personalisiert. Problematisch wird es nur, wenn die Einlösung des Gutscheins an persönliche Voraussetzungen gebunden ist - etwa die Körpergröße oder das Alter. Astrid Auer-Reinsdorff, Fachanwältin für IT-Recht, erklärt, dass beim Verkauf zum Beispiel von Tickets auch Preiserhöhungen zulässig sind, solange sie nicht gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen verstoßen. Private Verkäufer müssten allerdings darauf achten, dass sie nicht gewerbsmäßig handeln. (dpa/rnw)

Haben Sie eine Frage zu Umtausch, Garantie und Gewährleistung? Am Donnerstag von 9 bis 11 Uhr bekommen Sie kostenlos telefonischen Rat. Cornelia Neukirchner von der Verbraucherzentrale Sachsen beantwortet Ihre Fragen unter Telefon 0351 - 48642058.

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