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Abschlagen? Dressieren? Zug ziehen? Backlatein entschlüsselt

In Rezepten tauchen mitunter wunderliche Backbegriffe auf, die im Bäcker-Jargon üblich sind. Nicht-Profis aber stutzen, weil sie so gar nicht nach Backen klingen. Experten helfen weiter.

Berlin/Bonn.

Was heißt hier "abschlagen"? Und plötzlich ist von "dressieren" und "melieren" die Rede - oder von "abglänzen" und "stürzen". 

Was nach Baustelle, Militär oder vielleicht noch nach Fachbegriffen aus einer mysteriösen Sportart klingt, ist die Sprachwelt der Backstuben und hat mit Mehl, Butter und guten Nerven zu tun. 

Damit auch Hobbybäcker nicht in die Röhre schauen, sondern Durchblick gewinnen, erklären Back-Experten wichtige Backbegriffe - von A wie Abbrennen bis Z wie Zug ziehen. 

Und eines versichert Marian Kalliske, Bäckermeister der Berliner Bäcker-Innung und Leiter der Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Berlin-Brandenburg schon mal vorab: "Manches klingt komplizierter als es tatsächlich ist."

Abbrennen

Das "Abbrennen", auch regional "Abrösten" genannt, ist der wichtigste Schritt bei der Herstellung von sogenanntem Brandteig. Die Brandmasse dient als Basis für luftiges Kleingebäck wie Windbeutel. 

"Dabei werden Wasser, Butter, Salz und Zucker in einem Topf auf dem Herd aufgekocht. Anschließend wird das Mehl hinzugefügt und auf der heißen Herdplatte so lange kräftig gerührt, bis der Teig sich vom Boden löst. Der Teigkloß wird somit wenige Minuten "abgebrannt", erklären die Ernährungsexperten vom Bundeszentrum für Ernährung (BZfE). Dieser Vorgang verkleistert die Stärke und lässt überschüssiges Wasser verdampfen. 

Erst nach dem Abkühlen wird der Teigkloß dann mit verquirlten Eiern verrührt. Die glänzende Masse kommt dann in einen Spritzbeutel und wird durch ihn in die gewünschte Form gebracht und im Ofen gebacken.

Abglänzen

Um etwa bei Plunderstücken mit Obst nach dem Backen eine glänzende, appetitliche Oberfläche und eine gleichmäßige, goldbraune Farbe zu erzielen, glänzt man sie ab. "Dafür wird aus eigenen Früchten ein Gelee hergestellt oder Gelierpulver mit Wasser kurz aufgekocht. Die Früchte auf dem Plunderstück werden dann mit der Masse bestrichen", sagt Marian Kalliske. 

Ohne Überzug würden sie trocken und stumpf aussehen. "Doch durch das Abglänzen sehen sie immer frisch aus. Außerdem hält es das Plunderstück auch ein bisschen besser zusammen", verrät der Qualitätsprüfer der Berliner Bäcker-Innung.

Abschlagen

Soll ein Hefeteig "gehen", wird er an einen warmen Ort zum Ruhen gepackt - bis sich das Volumen deutlich vergrößert hat. Danach wird die Masse auf die Arbeitsfläche geschlagen, um die Luft wieder zu entfernen. 

Klingt widersprüchlich? "Das hat aber seinen Sinn. Das sogenannte "Abschlagen" sorgt dafür, dass sich die Zutaten gut verbinden. Der Teig wird geschmeidig und geht im Ofen gleichmäßig auf", erklärt das BZfE den Hintergrund. Manche Bäcker nennen diesen Vorgang auch "Ausstoßen" oder "Zustoßen".

Blindbacken

"Blindbacken" ist eine gängige Methode zum Vorbacken von Teigböden. Vor allem bei Obst- oder Käsekuchen auf Mürbeteigbasis oder für Tartes oder Quiches nutzt man die Technik. Sie geht so: 

Der Teig wird in einer gefetteten Form gleichmäßig ausgelegt und mehrmals mit einer Gabel eingestochen. Marian Kalliske empfiehlt zudem den Rand noch etwa 3 cm hoch an den Rand zu drücken. Der Teig wird mit Backpapier zugedeckt. Darauf kommen getrockneten Erbsen, Bohnen oder Linsen zum Beschweren. "Damit die Erbsen nicht in den Rand backen, sollte das Backpapier auch noch den Rand hoch reichen." 

Das Blindbacken sorgt dafür, dass der Teig beim Backen nicht zu stark aufgeht und sich keine Blasen oder Beulen bilden, erklärt Kalliske den Hintergrund.

Ist der Boden fest, werden die Hülsenfrüchte wieder entfernt und der Boden kann je nach Rezept mit einem fruchtigen oder cremigen Belag gefüllt und fertig gebacken werden. "Der vorgebackene Teig sorgt zudem dafür, dass nichts matschig oder klitschig wird", so Bäcker Kalliske. Er rät die abgekühlten Hülsenfrüchte am besten in einem Glas mit Schraubdeckel aufzubewahren. "So kann man sie mehrfach fürs Blindbacken wiederverwenden."

Dressieren

Das klingt, als würde man einem Backwerk Kunststückchen beibringen. In der Tat handelt es sich hierbei um etwas Künstlerisches: "Wenn man mit einem Spritzbeutel und aufgesetzter Tülle einen Teig verziert oder in Form bringt, dressiert man auf", erklärt Ausbilder Kalliske. Das könne etwa einem Spritzgebäck oder Baiser die Form geben oder bei Torten sowie Cupcakes mittels Cremes für Verzierungen sorgen. 

Einschießen

Keine Angst, in der Backstube wird nicht scharf geschossen. "Das Wort hat nichts mit Waffen zu tun", stellt Marian Kalliske klar. Hinter dem Einschießen von Brot verberge sich lediglich ein so simpler Vorgang des "Einbringens" der geformten Teiglinge in den heißen Backofen mithilfe eines Brotschiebers. Oft werde das von einem kurzen Ruck begleitet, damit das Brot auf dem Backstein oder Backblech landet. 

Melieren

Wenn es um die Zubereitung eines Teiges geht, sprechen Konditoren öfter vom "melieren". Das Wort stammt aus dem Französischen "mêler" und bedeutet mischen. Allerdings meint melieren beim Backen nicht einfach wildes Gemixe, sondern das vorsichtige Vermengen von festen und lockeren Zutaten. "So wird Eischnee möglichst langsam untergehoben, damit die luftige Struktur erhalten bleibt", gibt das BZfE ein Beispiel. 

Wenn Marian Kalliske eine Biskuitmasse für einen Tortenboden zubereitet, meliert er etwa auch zum aufgeschlagenen Eier-Zucker-Gemisch das Mehl hinein: "Das kann man nicht mit der Maschine machen, sondern arbeitet das vorsichtig mit der Hand unter - sonst würde das Volumen gleich wieder reduziert und der Tortenboden platt und zäh." 

Schwaden geben

Dabei handelt sich es um eine Methode, um beim Einschieben von Brot in den Ofen für Wasserdampf zu sorgen. "Dabei wird schlicht und einfach eine Tasse kaltes Wasser in den Herd geschüttet", beschreibt Kalliske den Vorgang. So bleibt die Teighaut elastisch, das Brot kann sich ausdehnen und die Kruste wird knusprig.

"Weil diese Methode aber auch unschöne Kalkränder hinterlässt, könne man auch ein zweites mit Wasser gefülltes Blech in den Ofen schieben", schlägt der Bäckermeister alternativ vor. Das bringe sogar eine viel größere Dampfkonzentration. 

Stürzen

Ein fertiger Kuchenteig wird meist in eine mit Butter oder Margarine ausgefettete Form gegeben, damit beim "Stürzen" nichts kleben bleibt. So wird es im Küchenjargon genannt, wenn der Kuchen nach dem Backen durch Umdrehen aus seiner Form gelöst wird. Durch zusätzliches "Ausbröseln" der Form mit Paniermehl, Mehl oder gemahlenen Nüssen erhält das Gebäck eine aromatische Kruste. 

Tourieren 

So nennen Bäcker und Konditoren die Technik, wenn sie für Blätter- und Plunderteig Ziehbutter einarbeiten - und zwar in Touren. Durch wiederholtes Ausrollen und Falten, also einfache oder doppelte Tour, entstehen feine Schichten. "Da kann man schon mal auf 160 Schichten zwischen Teig und Ziehbutter kommen", erklärt Kalliske. Diese Übung soll zu einem Lockerungseffekt führen. Denn: "Das enthaltene Wasser wird beim Backen zum Dampf, der durch die Schichten nicht mehr entweichen kann. Das bringt richtig Volumen", erklärt der Fachmann. 

Zug ziehen 

Das "Ziehen am Zug" bedeutet in einer Backstube das Öffnen des Zugreglers oder Dampfschiebers beim Backofen. Das macht man laut Marian Kalliske, um beim Backen von Schrippen oder roggenhaltigem Brot den Luftstrom zu regulieren, damit Feuchtigkeit aus dem Backraum entweicht. Das verhindert, dass Brot und Brötchen flach und rissig werden, und sorgt für eine schöne Krume und eine knusprige Kruste. 

Den gleichen Effekt erzielt man für den Hausgebrauch daheim, wenn man die Ofentür einen Spalt öffnet - notfalls, indem man einen Kochlöffel dazwischen klemmt. (dpa)

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