Die neue Fett-weg-Pille

Wissenschaftler aus Dresden haben die Wirksamkeit eines Medikaments bestätigt, das kurz vor der Zulassung steht. Doch nicht alle Mittel bringen wirklich etwas.

Der Werbung nach ist alles ganz einfach: rasch eine Pille einwerfen, und man kann so fett essen, wie man mag, ohne dick zu werden. Doch die Wirksamkeit solcher frei verkäuflichen Mittel ist nicht nachgewiesen, kritisiert die Verbraucherzentrale NRW. Im günstigsten Fall passiere nichts. Sie könnten aber auch gesundheitliche Schäden zur Folge haben.

Anders ist das beim Wirkstoff Semaglutid, der kurz vor der Zulassung in Deutschland steht. In einer weltweiten Studie mit mehr als 900 Patienten haben Dresdner Forscher Wirksamkeit und Sicherheit von Semaglutid in der Therapie von Adipositas untersucht. Es handelt sich um eine neue Substanz, die ähnlich der körpereigenen Darmhormone wirkt, die für das Sättigungsgefühl mit verantwortlich sind. Sie wird einmal wöchentlich verabreicht.

Das Studienteam um Professor Andreas Birkenfeld von der Uniklinik Dresden fand heraus, dass alle Semaglutid-Dosen im Vergleich zu einem Scheinmedikament deutlich das Körpergewicht reduzieren. In der höchsten Dosierung konnte eine Gewichtsabnahme von bis zu 17 Prozent beobachtet werden. "Damit war es möglich, einen Patienten, der zuvor einen BMI von 35 und damit Adipositas Grad 2 hatte, auf einen BMI von 29 zurückzuführen", sagt der Stoffwechselexperte. "Der Patient schaffte den Schritt von fettleibig zu übergewichtig. Zeitgleich wurden Blutzucker, Blutdruck, und Blutfette deutlich gesenkt." Insofern habe sich nicht nur das Gewicht, sondern auch der Gesundheitszustand verbessert. Nebenwirkungen waren anfängliche Übelkeit und eine verzögerte Aufnahme anderer Arzneimittel ins Blut. Das ließe sich aber gut beherrschen, so Birkenfeld. Das Ergebnis verspricht eine neue Ära der pharmakologischen Adipositastherapie. Denn erstmals wurde eine Gewichtsreduktion erreicht, die sonst meist nur mit einer Magenverkleinerung möglich war.

Nachdem Semaglutid in der Typ-2-Diabetestherapie zugelassen wurde, ist absehbar, dass es auch bei Adipositaspatienten zum Einsatz kommt. "Die Substanz ist in Kanada und den USA schon auf dem Markt", sagt der Leiter der Adipositasambulanz Leipzig, Professor Matthias Blüher. "Trotzdem darf man nicht zu viel erwarten. Im Schnitt verloren die Studienteilnehmer vier bis sieben Prozent ihres Ausgangsgewichts unter Einhaltung einer Diät." Das war meist weniger, als die Patienten erhofft hatten", bestätigt auch Birkenfeld.

Semaglutid ist eine Weiterentwicklung des Wirkstoffs Liraglutid, der in Deutschland zur Therapie von Adipositas bereits zugelassen ist. Es sorge für eine effizientere Insulinantwort. Das heißt, es wird weniger Insulin pro Mahlzeit ausgeschüttet. Der Patient hat aber auch weniger Appetit und ist eher satt.

Auch einige andere Mittel werden zur Adipositastherapie bereits angewendet. So zum Beispiel Orlistat, das die Fettverwertung beeinflusst oder Naltrexon/Bupropion, das auf das zentrale Appetits- und Sättigungszentrum im Gehirn wirkt. Alle bereits zugelassenen Medikamente sind rezeptpflichtig, müssen aber selbst bezahlt werden.

Natürliche Appetitzügler, die keine gesundheitlichen Schäden anrichten, sind Bitterstoffe. Herbe Kräuter, Salate und Gemüsesorten wie Rucola und Endivie enthalten Bitterstoffe. Sie kurbeln die Verdauung an und bändigen damit auch die Lust auf Süßes.


Große Versprechen, aber wenig Wirksamkeit: Diätmittel im Test 

Als Appetitzügler oder Sättigungskapseln beworbene Produkte versprechen, dass sie das Hungergefühl drosseln und somit das Körpergewicht reduzieren. Die Verbraucherzentrale NRW hat die am häufigsten freiverkäuflich oder im Internet angebotenen Mittel bewertet:

Hoodia: Die kaktusähnliche "Wunder"-Pflanze aus der Wüste, wird in Form von Kapseln, Tropfen, Gel oder Kaugummi im Internet angeboten. Der Bezug ist aber illegal. Hoodia wirkt direkt aufs Gehirn. Deutliche Gewichtsveränderungen sind jedoch nicht belegt. Eine appetithemmende Wirkung ist, wenn überhaupt, häufig mit Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Herzrasen verbunden.

Mate Tee: Mate wächst in Südamerika und enthält vor allem Koffein. Nahrungsergänzungsmittel mit Mate konnten keine wissenschaftlichen Beweise für eine gewichtsreduzierende Wirkung erbringen. Eine Untersuchung von Ökotest stellte fest, dass Mate-Produkte massiv mit krebserregenden Anthrachinonen belastet sind.

Chitosan wird aus Chitin gewonnen, das aus Schalen von Garnelen und Krabben gewonnen wird und im Darm wirkt. Fettblocker mit Chitosan werden als Pulver , Kapseln oder Tabletten in Supermärkten, Reformhäusern und Apotheken angeboten. Sie wirken rein physikalisch. Chitosan soll bis zum Achtfachen seines Eigengewichts Nahrungsfett binden. Die gewünschte Wirkung wird aber dennoch nur zusammen mit einer kalorienreduzierten Ernährung erzielt.

Homöopathische Schlankheitsmittel: Die Produkte sind aus verschiedenen Heilkräutern zusammengesetzt. Vielfach wirken sie entwässernd oder abführend. Einige stimulieren auch durch hohe Jod-Gehalte die Schilddrüse. Wegen möglicher Nebenwirkungen sollte vor der Einnahme immer der Rat des Apothekers oder Arztes gesucht werden.

Entwässerungs- und Abführmittel: Das sind keine Schlankheitsmittel. Wasserverluste und erhöhte Stuhlmengen stehen weder für echte Gewichtsabnahme noch für Fettabbau. Die unkontrollierte Dauereinnahme ist gesundheitsgefährdend.

Kohlenhydratblocker: Sie sind relativ neu am Markt. Die Mittel sollen ein Verdauungsenzym behindern, das für die Spaltung von Kohlenhydraten erforderlich ist. Die Mittel spalten aber nur etwa 60 Prozent der Stärke. Gegen zu viel Zucker wirkt es nicht. Unverdaute Stärke wird später von Darmbakterien abgebaut, Blähungen und Durchfall sind möglich.

Enzympräparate: Diese Mittel versorgen den Körper mit Verdauungsenzymen, an denen es angeblich mangelt. Es wird jedoch kein Fett abgebaut, sondern der Körper in die Lage versetzt, Eiweiß besser ausnutzen zu können. Das spart keine Kalorien. In einigen Präparaten sind Fruchtsäuren enthalten, die abführend wirken.

Hormone: Sehr populär ist die HCG-Diät. HCG (humanes Choriongonadotropin) ist ein Hormon, das während der Schwangerschaft in der Plazenta gebildet wird. Die Diät setzt auf eine sehr niedrige Energiezufuhr (500 Kilokalorien) und die Aufnahme des Hormons in Form von Injektionen, Tropfen, Tabletten oder Spray. Angenommen wird, dass das Hormon bei einer Unterversorgung die Fettreserven der Schwangeren mobilisiert. Dafür gibt es jedoch keinerlei Belege. Anwender riskieren sowohl Nierensteine als auch Herzrhythmus- und Stoffwechselstörungen.

Glucomannan: Die Sättigungskapseln werden als "Hungerbremse" beworben. Sie enthalten Quellmittel aus Ballaststoffen - zum Beispiel der Konjakwurzel -, können Wasser binden und aufquellen, was ein Sättigungsgefühl auslöst. Nebenwirkungen sind Völlegefühl, Bauch¬schmerzen und Blähungen, wenn nicht gleichzeitig genügend getrunken wird. (rnw)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...