Sachsens süßeste Früchtchen sind da

Die Obstbauern im Freistaat rechnen mit 1900 Tonnen Erdbeeren - Was sie kosten, wie gut sie sind und wo man sie selbst pflücken kann

Premiere für die sächsische Blütenkönigin Antje I. Am Donnerstag durfte sie eine der ersten Erdbeeren probieren, die in dieser Saison im Elbtal reifen. Doch auch wenn der Landesverband Sächsisches Obst zum offiziellen Beginn der Erdbeerernte im Freistaat geladen hatte, musste Obstbauer Robert Rüdiger auf seinem fünf Hektar großen Feld in Dresden-Pillnitz eine Weile suchen. Reife Früchte sind noch rar. "Jeder Sonnenstrahl ist jetzt ein Segen für die Beeren", sagt Rüdiger. "Denn der Regen und die kühle Witterung der vergangenen Wochen haben Verzug gebracht."

Wie wird die diesjährige Ernte in Sachsen ausfallen?

Ende nächster Woche will er wie die meisten Obstbauern in Sachsen richtig mit der Ernte loslegen - etwas später als im vergangenen Jahr. "Folientunnel zum Schutz vor Wetterunbilden, wie sie in anderen Erdbeerregionen Deutschlands üblich sind, spielen in Sachsen kaum eine Rolle", sagt Verbandsgeschäftsführer Udo Jentzsch. Die Investitionskosten seien für viele zu hoch. Nur 20 Prozent der Anbauflächen würden mit Folie oder Vlies abgedeckt. Robert Rüdiger denkt aber darüber nach, nächstes Jahr wenigstens einen Teil seines Feldes zu schützen. "Dann können wir auch etwas früher ernten und im Hofladen verkaufen." Er vermarktet seine Erdbeeren wie viele Obstbauern in Sachsen direkt vor Ort. Udo Jentzsch rechnet in dieser Saison in Sachsen mit einem Ertrag von 1900 Tonnen. 2012 waren es noch mehr als 4200 Tonnen. Ursache ist der Rückgang der Anbaufläche, die jetzt nur noch bei 245 Hektar liegt. "Viele Bauern können ihre Kosten nicht mehr decken", sagt Jentzsch. Gabriele Fleischer hat die wichtigsten Fragen zusammengefasst.

Welche Erdbeersorten gibt es in Sachsen?

Etwa 20: Frühsorten wie Clery, die auch Obstbauer Rüdiger in Dresden anbaut, mittelfrühe Sorten wie Korona, mittelspäte wie Florence oder Spätsorten wie Malvina. Neu sind drei von der Frima Hansabred in Dresden gezüchtete Sorten: Renaissance, Rendezvous und Lola. "Renaissance ist hocharomatisch, muss aber schnell verbraucht werden", sagt Züchter Klaus Olbricht. Rendezvous ist eine zeitige, ebenfalls aromatische Sorte, die länger haltbar ist. Lola glänzt durch extrem hohe Erträge. "Im Sommer können Kleingärtner alle drei Sorten in Fachmärkten kaufen", so Olbricht. Obstbauer Rüdiger hat bereits 5000 Renaissance-Pflanzen auf seinem Feld. Er ist gespannt, wie der Neuling ankommt.

Was kosten die sächsischen Erdbeeren?

Die ersten frühen Sorten aus Deutschland und der Region kosten sieben bis acht Euro pro Kilogramm. Jentzsch hofft, dass die Drei-Euro-Marke für eine 500 Gramm-Schale auch in der Haupterntezeit nicht unterschritten wird. Wer selbst pflückt, zahlt etwa die Hälfte.

Wo kann man Erdbeeren selbst pflücken?

Laut Jentzsch würden 16 Obstbaubetriebe des Landesverbandes Selbstpflücken anbieten. Sie sind im Internet zu finden. Da viele ihre Beeren direkt in Hofläden verkaufen, kommen die Erträge von nur etwa 40 Prozent der Anbauflächen in den Handel. Bei den meisten Bauern beginnt die Selbstpflücke nächste Woche. Darauf hofft auch Michael Görnitz aus Coswig, der mit 20 Hektar eine der größten Flächen in der Region bewirtschaftet.

Bleiben die Importbeeren weiter im Handel?

Ja. Immerhin würden in Deutschland pro Jahr etwa 100.000 Tonnen importiert "Allerdings zu einem Preis, mit dem die Obstbauern in Sachsen nicht mithalten können", sagt Jentzsch. Für 99 Cent oder selbst 1,50 Euro pro Schale seien die Produktionskosten nicht abzudecken.

Wie sieht's mit der Qualität aus?

Am besten schmecken die Beeren, wenn sie Saison haben, sagt Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik. Importe, die aus Spanien, Marokko, Ägypten oder Israel kommen, sind mit Blick auf Transportwege und Lagerzeit auf hohe Festigkeit gezüchtet und werden oft vor der optimalen Reife gepflückt. Weniger Aroma und geringerer Vitamingehalt sind auch wegen des langen Transportes bei bestimmter Temperatur und Luftfeuchtigkeit die Folge. Hinzu kommt, dass die Früchte oft mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden und Rückstände aufweisen können. Das Verbrauchermagazin Öko-Test hatte vergangenes Jahr zehn solcher Erdbeeren von Supermärkten und Discountern getestet und konnte keine empfehlen. Neun von zehn wurden nur mit ausreichend bewertet, eine mit ungenügend. Außerhalb der Erdbeersaison in der Region sollte man deshalb lieber auf tiefgekühlte Früchte zurückgreifen, sagt Morlo.

Woran erkennt man, ob Erdbeeren gute Qualität haben?

Die Früchte sollten einen typisch aromatischen Erdbeerduft haben und optisch einwandfrei aussehen. "Wenn sie eine satte rote Farbe und einen frischen grünen Kelch haben, sind sie zu empfehlen", sagt Jentzsch. Natürlich dürften sie keine nässenden Druckstellen haben oder vergoren riechen. Und Vorsicht: Haben die Früchte noch grün-gelbe Spitzen, wurden sie zu früh geerntet. Erdbeeren reifen nicht nach.

Fördern Erdbeeren die Gesundheit?

"Es gibt kaum eine gesündere Süßigkeit als Erdbeeren", sagt Antje I. Und sie nennt Gründe dafür: Die Beeren enthalten Mangan, was die Konzentrationsfähigkeit steigert. Kalium und Magnesium schützen das Herz vor Entzündungen. "Und mit 32 Kilokalorien auf 100 Gramm ist die Erdbeere ein super Schlankmacher." Zudem liefere die Beere mehr Vitamin C als eine Orange.

Wie lange halten Erdbeeren?

"Frisch vom Feld gegessen ist es am besten", sagt Jentzsch. Kurzzeitig lassen sich die Beeren im Kühlschrank lagern. Erst vor dem Verzehr sollten der grüne Kelch entfernt und die Beeren gewaschen werden.



Avocadosalat mit Erdbeeren 

Zutaten für vier Personen:

Für den Salat: 280 Gramm Avocado, 200 Gramm Erdbeeren, 30 Milliliter Macadamiaöl, 1 Limette, Akazienhonig, Meersalz, gemahlener Koriander, Puderzucker, grüner Pfeffer, Zitronenverbene und -myrte

Für das Melissenmousse: 80 g Quark, 5 g gehackte Melisse, 1 halbes Blatt Gelatine, 30 Milliliter Sahne, etwas Schwarzkümmel

Zubereitung:

1. Avocado schälen, in Scheiben schneiden, Erdbeeren waschen, fein würfeln.

2. Macadamiaöl und zehn Milliliter Limettensaft zur Marinade für die Avocado verrühren, mit Limettenabrieb und Koriander mischen, mit Meersalz und Akazienhonig abschmecken.

3. Zehn Milliliter Limettensaft mit je fünf Gramm Puderzucker, gehacktem grünen Pfeffer und Zitronenverbene, drei Gramm Zitronenmyrte für Erdbeermarinade.

4. Den Quark mit der gehackten Melisse, Meersalz und Limettenabrieb verrühren. Ein halbes Blatt Gelatine einweichen und auflösen, mit der Quarkmasse verrühren. Sahne steif schlagen, unterheben, fertiges Mousse kalt stellen.

5. Erdbeeren unter Marinade heben. Avocado-Spalten mit den marinierten Erdbeeren garnieren und mit Avocado-Marinade anrichten. Dazu Mousse, garniert mit Schwarzkümmel.

Rezept: Siegfried Wintgen, Verband der Köche

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