Sachsens Winzer: Wein trifft Kunst

Klaus Zimmerling über Qualität, Preise und Etiketten für Liebhaber

Zweimal im Monat stellt die "Freie Presse" Winzer in Sachsen vor. Dieses Mal: Klaus Zimmerling und seine Frau, Bildhauerin Malgorzata Chodakowska, die die Etiketten kunstvoll gestaltet. Olaf Kittel hat sich mit ihnen unterhalten.

Herr Zimmerling, Sie wollen Wein und Kunst auf Ihrem Gut miteinander verbinden. Wie geht das denn?

Meine Frau liebt die Dreidimensionalität in der Kunst und will Skulpturen schaffen, die eine Seele haben. Mir geht's darum, individuelle Weine zu produzieren, die man sich so vielleicht nicht vorstellen konnte.

Sie macht ihre Kunst und Sie den Wein, den sie verpacken hilft?

So einfach ist es nicht. Wir durchdringen uns ständig. Ich helfe bei ihren Plastiken, halbiere Baumstämme, mache die ersten groben Schnitte mit der Kettensäge. Ich gehe mit meiner Frau zu modernen Tanzveranstaltungen, und wir spüren inzwischen beide, welche Posen für ihre Arbeit interessant sein könnten. Kürzlich stand eine Primaballerina der Semperoper Modell, da habe ich meiner Frau assistiert. Sie fragt mich auch oft, was meine Meinung zu einer aktuellen Arbeit ist.

Nimmt sie Einfluss auf den Wein?

Natürlich. Sie schätzt es, dass der Wein ökologisch produziert wird.

Und sie nimmt Einfluss auf den Verkauf, weil sie die Etiketten gestaltet.

Wir wählen für jeden Jahrgang eine Skulptur für die Flaschen, die in der Regel auch im selben Jahr entstanden ist. Meine Flaschen fallen auf, die Kunden sind jedes Jahr gespannt.

Ein Fall für Sammler?

Auch das. Ich muss damit leben, dass einige Flaschen nur wegen des Etiketts gekauft werden. Das ist schon verkaufsfördernd. Und sie ist unter den Weinliebhabern bekannter geworden. Es ist eben eine echte Verbindung von Kunst und Wein und nicht eine hinterher addierte.

Wer verdient eigentlich mehr - der Winzer oder die Künstlerin?

Sie. Ganz klar.

Sie gehören mit Georg Prinz zur Lippe zu den einzigen sächsischen Weingütern, die in den Verband der deutschen Prädikatsweingüter aufgenommen wurden. Trotz oder obwohl Sie nur vier Hektar haben?

Es ist vielleicht leichter, auf einer so kleinen Fläche Qualität zu produzieren. Ich habe viele Jahre gebraucht, um die Bodenbedingungen zu verstehen. Ich kann leichter Veränderungen vornehmen, wenn ich mich mal geirrt habe. Ich kann mir den Erntezeitraum auf den Punkt genau aussuchen. Die charaktervollsten Weine entstehen ja eher in schwierigeren Jahrgängen, wo man dann aber vielleicht die letzten vierzehn Tage länger durchgehalten hat als die anderen.

Gibt es noch mehr Geheimnisse für die hohe Qualität?

Erstens: Geduld, Geduld, Geduld. Zweitens: keine Angst vor der Arbeit im Weinberg. Und drittens: Im Keller so wenig wie möglich tun. Bloß keinen Aktionismus.

Machen Sie den Keller selbst?

Ja, da lass ich keinen ran. (lacht)

Wie rechnet sich der Aufwand?

Wir haben ein relativ hohes Preisniveau. Es geht los mit 10 Euro für einen Landwein, viele andere gibt es für um die 13 Euro. Wir haben auch Weine, die über 20 Euro liegen. Und dies für eine 0,5-Liter-Flasche. Aber unsere Kunden wissen es zu schätzen, dass unsere Weine eben ein bisschen anders schmecken.

Sie können auch die teuren Weine gut verkaufen?

Ja, komplett.

Was sagen die Kunden dazu, dass sie nur einen halben Liter bekommen für ihr Geld?

Es gibt unterschiedliche Reaktionen. Weil die Gastronomie besonders stöhnt, werden wir jetzt zwei Weine in 0,75-Liter-Flaschen abfüllen. Einen Riesling und einen Weißburgunder. Aber wir wollen unser "klein und fein" schon weiter vertreten. Immerhin ernte ich ja auch weniger pro Rebstock, weil die Qualitätsansprüche so hoch sind.

In Sachsen drängen junge Winzer nach vorn. Konkurrenten ?

Wir sind hier ein so kleines Anbaugebiet, da braucht man sich über Konkurrenz keine Gedanken zu machen. Wir sollten sehen, was wir vom Nachbarn lernen können.

Hat sich die Qualität des sächsischen Weines verbessert?

Auf jeden Fall, deutlich sogar. In der Spitze wie in der Breite. Das Klima meint es gut mit uns. Unter den jungen Winzern gibt es einige, die für Qualität stehen und den Keller nicht nur vollbekommen wollen.

Der Weinskandal nervt Kunden und Winzer gleichermaßen.

Jeder Wein sollte auf Rückstände kontrolliert werden. Sonst stehen alle Winzer unter Generalverdacht. Der Kunde soll wissen, welche Weine das betrifft und welche nicht.

Was sollten Winzer lassen, um nicht in Verdacht zu geraten?

Zukauf von Wein ist ein Problem, weil man nie weiß, was der andere mit seinem Wein gemacht hat. Weine aus biologischem Anbau würde ich bevorzugen. Wir nutzen statt Chemie Pferdemist, Gänsefedern und Hornspäne für die Düngung. Unkraut wird bei uns mechanisch beseitigt. Gegen die Pilzkrankheiten nutzen wir Schwefel, begrenzt Kupfer sowie Backpulver. Insektizide waren für uns nie ein Thema.

Das Weingut Zimmerling , Bergweg 27, in Dresden-Pillnitz hat am Wochenende von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    AnneKatrin
    14.09.2016

    Hallo liebe Redaktion,
    man muss sich wegen den 0,5l-Weinflaschen keine Sorgen machen. Auf dem deutschen Weinmarkt sind es heutzutage sogar 0,33l-Weinflaschen eines chinesischen Weinherstellers zu finden (Quelle: https://www.e-tikett.de/blog/no-wine-no-see-hier-gibts-was-zu-sehen/). Ich finde die Idee mit kleineren Weinflaschen durchaus gut. Hatte immer Probleme mit 0,75l-Flaschen, die innerhalb von 3 Tagen ausgetrunken werden müssen. Die standen oft wochenlang im Kühlschrank und mussten umsonst entsorgt werden. Echt Schade. Und Wein im 0,25l-Format sieht nach einem Supermarkt-Massenprodukt aus (werden ja nur da verkauft) und machen eher für Bars und Bistros Sinn, aber nicht für den Privatkonsum.



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