Typisch Sachsenwein

2500 Winzer im Freistaat produzieren vor allem Weißweine. Doch welche sind besonders gut?

Sachsen wird eine deutliche Qualitätssteigerung in den letzten Jahren nachgesagt. Ein franzöischer Weinführer hat ein Ranking der besten Winzer aufgestellt.

Wie groß ist das sächsische Weinanbaugebiet?

Auf rund 500 Hektar wird Wein angebaut. Dazu gehören auch kleinere Flächen in Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Sachsen ist damit unter den 13 deutschen Anbaugebieten eines der kleinsten.

In welchen Lagen wird in Sachsen überall Wein angebaut?

Es gibt vier Großlagen: Dresdner Elbhänge, Radebeuler Lößnitz, Meißner Spaargebirge, Seußlitzer Schlossweinberg. Zudem werden 22 Einzellagen ausgewiesen. Zu den bekanntesten gehören der Pillnitzer Königliche Weinberg, Radebeuler Goldener Wagen, der Meißner Kapitelberg, der Proschwitzer Katzensprung.

Wie viele Winzer bauen im Freistaat Wein an?

Mit 2500 erstaunlich viele. Die allermeisten sind Freizeitwinzer. 35 Winzer bauen Wein im Haupterwerb an-, 39 im Nebenerwerb.

Welche Weine werden in Sachsen angebaut?

Die Weißweinsorten dominieren. Müller-Thurgau, Riesling und Weißburgunder sind am beliebtesten. Typisch für die Region sind aber auch Goldriesling und Traminer. Immerhin 20 Prozent sind Rotweine, vor allem Spätburgunder und Dornfelder.

Wie sind die klimatischen Bedingungen für den Weinbau?

Erfreulich gut - und der Klimawandel sorgt dafür, dass sie immer besser werden. Eine relativ lange Sommerperiode mit viel Sonne und kühlen Nächten sowie ausreichend Niederschlag vor allem im Frühjahr. So gedeiht charaktervoller Wein mit typisch sächsischer Note.

Wie viel Wein wird in Sachsen geerntet?

43 Hektoliter ernten die Winzer durchschnittlich pro Hektar, Tendenz steigend. Von einem Hektar können etwa 10.000 Flaschen Wein hergestellt werden.

Wer sind die größten Weinbaubetriebe im Elbland?

Es gibt drei große: Die Winzergenossenschaft mit ihren vielen kleinen Winzern hat 135 Hektar, Schloss Wackerbarth 104 und das Weingut Schloss Proschwitz von Prinz zur Lippe 98 Hektar. Danach kommt lange nichts. Die meisten Winzer im Haupterwerb bauen Wein auf 2 bis 15 Hektar an.

Wer sind denn die besten Winzer in Sachsen?

Der Weinguide Gault Millau sieht Martin Schwarz aus Meißen, Schloss Wackerbarth und Klaus Zimmerling vorn, gefolgt von Schloss Proschwitz. Sachsen wird eine deutliche Qualitätssteigerung in den letzten Jahren nachgesagt.

Was kosten die Weine? Warum sind sie relativ teuer?

Die kleinen Flächen und die schwierige Produktion in den vielen Steillagen sorgen für hohe Kosten. Deshalb gibt es hier kaum preiswerte Massenweine. Die Preise beginnen bei sieben, acht Euro, gute Weine liegen oft zwischen zehn und 15, Spitzenweine bei über 20 Euro. Einige Winzer haben inzwischen damit begonnen, etwas preiswertere Einsteigerweine auf den Markt zu bringen.

Sind Probleme mit dem Insektengift Dimethoat ausgestanden?

Es sieht ganz so aus. In Sachsen gibt es jetzt die strengsten Kontrollen in ganz Deutschland. Jeder Wein, der in den Verkauf geht, wird getestet. Die Winzer achten auf einen korrekten Einsatz der Insektizide und nehmen kleineren Erzeugern kaum noch Trauben ab, um ja keine belasteten Trauben zu verarbeiten. (ok)

Das Weinland Sachsen

Eine Übersicht zu Weingütern in Sachsen können Sie hier aufrufen.

Interview: "Ich bin der Ur-Ur-Enkel von Vincenz Richter"

Weingut-Chef Thomas Herrlich über den neuen Jahrgang 2017, seine Weinstilistik und seinen Ärger über "DDR-Gequatsche".

In der Serie "Sachsens Winzer" stellt die "Freie Presse" ab jetzt wieder alle zwei Wochen Weingüter und Winzer aus dem sächsischen Elbtal vor. Olaf Kittel sprachen wir mit Thomas Herrlich, der das Weingut Vincenz Richter in Meißen führt.

"Freie Presse": Herr Herrlich, so langsam kommt der Wein des Jahrganges 2017 in die Läden. Wie ist er denn geworden?

Thomas Herrlich: Er bekam schon im Sommer große Vorschusslorbeeren. Wir hatten den zeitigsten Lesebeginn seit 50 Jahren. Der erste Müller-Thurgau war gut geerntet. Aber dann gab es sechs Wochen Regen, es war kalt, Fäulnis drohte. Wir haben immer wieder die Wetterprognose verfolgt. Wenn es Anfang Oktober heißt, nochmal vier Tage Regen, und nur die frühen Sorten sind unter Dach und Fach, dann werden Sie nervös: Bleiben die Trauben gesund?

Und, waren sie gesund?

Wir wollten es kaum glauben: Wir hatten schöne, gesunde und somit reife Trauben! Wir hatten Riesling mit sensationellen 98 Oechsle. Wir waren sprachlos. Beim Jahrgang 2017, den wir jetzt probieren, kann man genau erkennen, wer zu früh erntete und wer gute Nerven hatte. Aber wenn man ein Weingut 28 Jahre betreibt, sollte man die nötige Ruhe und Erfahrung haben.

Was charakterisiert dieWeine?

Es sind fast alles Spätlesen. Vom Riesling, vom Kerner, vom Traminer, vom Auxerrois. Sehr ungewöhnlich. Wir haben sogar eine Beerenauslese mit 125 Oechsle dabei.

Klingt so, als würde es 2018 für den Verbraucher wieder teurer.

Die Inflationsrate müsste ich eigentlich aufschlagen, werde ich aber nicht tun.

Apropos Erfahrung. Das Weingut Vincenz Richter wurde 1873 gegründet und ist damit eines der ältesten in Sachsen. Was bringt Ihnen die Tradition?

Es ist damit wie mit Dynamo Dresden und RB Leipzig. Die Tradition ist eine tolle Sache, der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens hilft sie freilich nicht.

Aber Tradition hat Vorteile.

Ja, in der Vergangenheit zu schwelgen ist herrlich.

Tun wir das. Vincenz Richter ist Ihr ....

... Ur-Urgroßvater. Ich bin jetzt die fünfte Generation. Vincenz Anton - die ersten drei in der Ahnenreihe hießen so - kam aus Aussig hierher, kaufte das Tuchmacherzunfthaus und fing mit dem Wein an. Er stellte damals 10.000 Liter im Jahr her. Heute frage ich mich, wie er davon leben konnte. Ich produziere jetzt 80.000 Liter und lebe auch nicht besser. Wir haben beide gegessen und getrunken, eine Familie ernährt und fahren einmal im Jahr in den Urlaub. Schluss, aus. Ich muss heute viel mehr Aufwand betreiben, um die Sozialabgaben, Steuern und Gebühren zu bezahlen.

Sie haben nach der Wende begonnen?

Angefangen habe ich in DDR-Zeiten als Winzer bei Wackerbarth. Vor 28 Jahren habe ich dann einen Gewerbeschein beim Rat der Stadt Meißen für 30 Ost-Mark beantragt. Dieses Nostalgie-Dokument macht mich ein klein bisschen stolz.

Wenn der Name Vincenz Richter fällt, denken viele an das Weinlokal in Meißen, nicht an das Weingut. Ärgert Sie das?

Ach nein, beides gehört ja zur Familie. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde in den kleinen Gewölbekellern des Lokals der Wein gemacht. Heute undenkbar. Weinanbau und Ausschank gehörten bei uns immer zusammen. Heute kümmern sich meine Frau, drei Mitarbeiter und ich um den Weinbau, meine Eltern um das Restaurant.

Ihre Eltern? Wie alt sind die denn?

Über 80. Sie sind noch sehr aktiv. Für unser Restaurant würde es reichen, wenn ich wie meine Vorfahren 7000 Liter produzieren würde. Aber damit könnte ich heute nicht wirtschaftlich arbeiten.

Sie haben sich im Spaargebirge ein Schmuckstück mit dem alten Gut und der modernen Vinothek geschaffen. Wo wollen Sie hin damit?

Ich will nirgends hin. Wir bewirtschaften neun Hektar, so soll es bleiben. Wir haben mit dem Weingut und den 28 Jahren Berufserfahrung einen Zustand, mit dem ich gut leben kann. Waren der Jahrgang zu trocken oder die Traubenkerne nicht braun, brauche ich den Wein nicht zu probieren. Ich kann mir vorstellen, wie er schmeckt.

Im Weinführer Gault Millau sind Sie mit einer Traube vertreten und der Bemerkung, dass Sie weniger auf Experimente setzen als auf verlässliche Geschmacksbilder. Trifft es das?

Nein, das trifft es nicht. Überhaupt nicht.

Wie definieren Sie Ihre Weine?

Zunächst: Für mich ist die Maßeinheit Hektoliter ein Groll. Sie passt nicht zum Wein. Höchstens in Neuseeland, da gibt es Weinzeilen, wo am Ende der Traktor aufgetankt werden muss. Bei uns im Weingut ist es so: Auf zwei Hektar Riesling aus der Steillage mache ich fünf, sechs verschiedene Rieslinge. Wenn die Traubenqualität passt, erzeugen wir fast alle Qualitätsstufen: Qualitätswein, Kabinett, Spätlese, Auslese und, wenn wir mal wieder minus 7 Grad haben, Eiswein. Ich bin da für Experimente offen.

Bei der Landesweinprämierung 2017 haben Sie zwei von vier Goldmedaillen abgeräumt. Eine ging an einen Traminer, eine Geschmacksbombe. Wie macht man das? Helfen Sie nach?

Nee. Ich vergäre nur Traminertrauben, die wirklich so schmecken und riechen. Wenn nicht, nehme ich die Trauben für Cuveeweine. Weglassen ist das Geheimnis. Das ist ein erarbeiteter Luxus.

In Sachsen treten immer mehr junge Winzer hervor. Wer hätte denn einen Nachwuchspreis verdient?

Vorerst keiner. Die hochgepriesenen Newcomer wissen zwar viel über den Wein, ich freue mich auch, dass sie so agil sind. Aber es hat mich gekränkt, dass sie uns ältere Winzerschaft als Nostalgiker bezeichneten und uns ewiges "DDR-Gequatsche" vorwarfen. In der DDR wurden immerhin die Grundlagen für den Erfolg heute gelegt. Die Jungen sollen den Weinbau wenigstens erstmal zehn Jahre durchhalten. Dann reden wir weiter.

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