"Warum wird der nicht bestraft?"

Steffen Loose aus Gröbern macht seinen Wein ganz in Familie - und muss mit einem sehr schwierigen Nachbarn klarkommen

In Gröbern gibt es sechs Winzer. Einer davon ist Steffen Loose, der seit 15 Jahren eigene Weine produziert. Olaf Kittel hat mit ihm über seine Philosophie gesprochen und über einen anderen Weinbauern aus dem Dorf, der eine tragende Rolle im sächsischen Weinskandal gespielt hat.

Herr Loose, Gröbern ist als Weindorf nicht so sehr bekannt in Sachsen. Zu unrecht?

Unbedingt. Gröbern hat eine Weinbaufläche von zehn bis zwölf Hektar. Wir liegen bloß nicht direkt an der Elbe, und deshalb findet man uns nicht ganz so leicht. Aber eigentlich ist es einfach: Wenn man von Meißen Richtung A13 fährt, kommt man am Weingut direkt vorbei. Und von unserer Besenwirtschaft hat man eine traumhafte Sicht ins Elbland - von Pirna bis Meißen.

Was sollte der Weinfreund in Gröbern noch kennen?

Wir sind immerhin sechs Winzer hier, darunter einige Nebenerwerbswinzer. Neben unserem Weingut gibt es noch den Fred Lange, den Bösewicht. Das ist mein unmittelbarer Nachbar.

Das ist der Winzer, der Jan Ulrich und der Winzergenossenschaft so viele Probleme beschert hat, weil er viel zu viel von dem Insektenmittel Dimethoat eingesetzt hat?

So ist es.

Wie gehen Sie mit Ihrem Nachbarn um?

Man sieht sich zwangsläufig, aber wir reden nicht miteinander. Ich finde es gar nicht schön, was er da gemacht hat.

Was sagen die Gröberner?

Wir sind als Ort dadurch bekanntgeworden - aber es ist kein schönes Thema. Es reicht langsam. Die Dorfbewohner bedauern uns, weil wir Absatzeinbußen haben.

Sie auch?

Ja. Wir spüren eine gewisse Zurückhaltung der Konsumenten. Und das wollen wir so schnell wie möglich vom Tisch haben.

Hat Herr Lange auch bei Ihnen gespritzt?

Nein. Aber unmittelbar neben meinen Weinfeldern. Deshalb ist auch mein Wein kontrolliert worden. Ich hatte schlaflose Nächte, bis klar war, dass ich nicht betroffen bin. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack. Mir ist unverständlich, warum diese Leute nicht bestraft werden, sondern weitermachen können.

Verstehen Sie, warum Herr Lange das gemacht hat?

Unkenntnis kann es nicht sein. Er hat zu DDR-Zeiten die Weinbaubrigade geleitet. Er macht selbst keinen Wein, er hat das Interesse, möglichst viele Weintrauben abzuliefern. Da wollte er wohl mit dem Insektenmittel auf Nummer sicher gehen und Krankheiten ausschließen. Was dann in den Weintrauben bleibt, hat ihn nicht interessiert. Hauptsache, sie sehen schön aus.

Bitte sagen Sie uns, was lernen wir aus dem sächsischen Weinskandal 2016?

Für mich ist es vor allem ein Behördenskandal.

Wie das? Weil die Behörden den Verursachern nicht das Handwerk legen?

Erstens das. Aber es gibt mehr Fragen: Warum wird der beanstandete Wein der Winzergenossenschaft nicht vernichtet, während Jan Ulrich ihn wegkippen musste? Antwort: Weil es keine Gesetzesgrundlage gibt. Das spielt sich in einer Grauzone ab. Das versteht hier kein Mensch. Und warum wird in Sachsen so genau hingesehen? Das gab es weder früher, noch gibt es das in anderen Weinbauregionen.

Es gibt scharfe Lebensmittel- gesetze in Deutschland. Die müssen auch eingehalten werden.

Ich weiß nicht, ob sich das Land damit einen Gefallen getan hat. Aber eigentlich würde ich das Thema gern ...

... los werden?

Ja, klar. Ich denke nicht mehr drüber nach, ob das jetzt noch weitergeht oder nicht.

Wie geht's denn in Ihrem Weingut weiter?

Wir haben in den vergangenen Jahren nach und nach Weinflächen erworben und bewirtschaften jetzt insgesamt fünf Hektar. Wir machen die gesamte Arbeit selber, sind also ein richtiger Familienbetrieb. Meine Frau führt das Büro, mein Bruder ist dabei, und auch die Kinder machen mit. Angestellte haben wir deshalb nicht.

Wem wollen Sie welchen Wein bieten? Was ist Ihre Philosophie?

Der Wein ist ein Naturprodukt. Deshalb wollen wir in erster Linie kerngesunde Trauben - in Gröbern haben wir dafür gute Böden, die auch ohne Trockenstress auskommen. Und im Keller will ich so wenig wie möglich eingreifen. Der Wein wird nur einmal filtriert und nur dann geschönt, wenn es unbedingt nötig ist. Er soll sehr viel Ruhe haben durch kontrolliertes Nichtstun. Erst Ende April/Anfang Mai füllen wir den Wein ab.

Wo ordnen Sie sich mit Ihrem Wein ein zwischen A wie Aust und Z wie Zimmerling?

Ich denke schon, dass wir ziemlich gute Weine machen. Ich bin ein ehrgeiziger Mensch und lege großen Wert auf Genauigkeit und Sauberkeit. Wir brauchen uns nicht zu verstecken.

Und wo ordnen sich die Preise Ihrer Weine ein?

Die kosten von neun bis 19 Euro.

Was sind Ihre Spezialitäten?

Ich stelle vorwiegend trockene Weißweine her, lege gern auch mal einen ins Barrique. Im vergangenen Jahr zum Beispiel einen Grauburgunder. Und wir haben im schlechten Weinjahr 2011 mal angefangen, eine Cuvée aus Riesling und Traminer zu machen. Den nennen wir "Edition 11". Da ist so ein schöner Wein dabei herausgekommen, dass alle gesagt haben: Das müsst Ihr wieder machen. Vielleicht bringe ich nächstes Jahr noch eine weitere Cuvée heraus.

Unser Gespräch bildet den Abschluss unserer Winzerserie in diesem Jahr. Deshalb die Frage zum Schluss: Was wünschen Sie sich für das Weinjahr 2017? Sie haben drei Wünsche frei.

Schön wäre es, wenn sich die Sachsen noch mehr auf ihre regionalen Erzeuger einlassen würden. Ich sehe zu oft neuseeländische oder südafrikanische Weine auf den Tischen. Wenn ich an der Mosel bin, dann gibt es dort in den Restaurants nur Moselweine. Wunsch zwei ist, dass wir Winzer jetzt nach vorn schauen und gemeinsam an einem Strang ziehen, um das Weinbaugebiet zu erhalten. Da hängt ja viel dran. Und mein dritter Wunsch geht an die Natur: Ich hoffe, wir bekommen keinen gar so kalten Winter, dass uns die Reben nicht erfrieren. Vielleicht bleiben wir ja wenigstens davon verschont.

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