Beziehungsexperte: "Untreue ist der Klassiker"

Paarberater und Kolumnist Christian Thiel verrät in seinem neuen Buch das 1x1 einer glücklichen Beziehung

Seit sechs Jahren beantwortet Single- und Paarberater Christian Thiel wöchentlich in seiner Kolumne "Herzenssache" Leserfragen zu Beziehungsproblemen. Nun ist daraus ein Buch entstanden, das er nächste Woche in Dresden vorstellt.

Herr Thiel, was sind denn die Klassiker unter den Beziehungsthemen, zu denen Leser Ihren Rat suchen?

Untreue. Die Sachsen sind sehr gerne untreu.

Wirklich speziell die Sachsen?

Vermutlich nicht. Aber durch die Kolumnen in der "Freien Presse" bekomme ich viel mehr von der Untreue mit als zuvor. In der Regel kommt jede zweite Woche eine Zuschrift, in der einer der Partner gerade untreu ist. Entweder schreibt der Untreue selber oder der, der von der Untreue betroffen ist.

Was will denn der oder die Untreue von Ihnen? Absolution?

Rückhalt, weil er oder sie unsicher ist, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Eigentlich weiß er oder sie das selbst schon. Denn die Regel lautet: Zwei Frauen sind weniger als eine. Beziehungsweise: Zwei Männer sind weniger als einer. Wer untreu ist, der verliert meist beide, wenn es rauskommt - den Partner und den Geliebten. Das ist hart, aber unvermeidbar. Untreue ist in meinen Augen ein Irrweg. Denn wenn Untreue zu den ohnehin vorhandenen Paarproblemen hinzukommt, sind die Chancen, eine Beziehung zu erhalten, leider viel geringer. Entweder wir verbessern unsere Beziehung - oder wir trennen uns.

Was sind die häufigsten Ursachen, warum Beziehungen auseinandergehen?

Ahnungslosigkeit ist sicher der wichtigste Punkt. Die Menschen vertrauen Hollywood und der deutschen Vorabendserie - und glauben dann, es reiche, wenn sie sich in einen anderen verlieben. Doch wir müssen die Liebe pflegen. Wer das nicht tut, weil anderes immer wichtiger ist - die Arbeit, der Sport, die Kinder -, der steht nach einigen Jahren vor einem Scherbenhaufen. Wer eine stabile Partnerschaft will, der muss sich auch nach zehn oder zwanzig Jahren noch für den anderen interessieren. Und er muss für ihn da sein. Das ist vielen Frauen durchaus bewusst - Männern aber oft leider nicht.

Leser beklagen immer wieder, dass sie keinen passenden Partner finden. Sind sie zu anspruchsvoll? Liegt es am Alter oder ist das ein sächsisches Phänomen?

Nein. Die Schwaben klagen noch viel mehr, während es in Berlin die wenigsten Klagen gibt. Das hat mit der großen Auswahl dort zu tun. Die Partnersuche ist ja letztlich ein Markt. Da geht es um Angebot und Nachfrage. Am höchsten ist das Angebot da, wo viele Menschen leben. Das ist weder im Erzgebirge der Fall noch in der Oberlausitz. Die Suche dauert dadurch im ländlichen Raum etwas länger. Und weil die Menschen auf den neuen Partner ein wenig warten müssen, fangen sie an zu klagen. Ich kann das oft nicht nachvollziehen. Wer nach dem Mann oder der Frau fürs Leben sucht, der kann sich doch mal ein oder zwei Jahre dafür Zeit nehmen. Das geht nicht im Eiltempo. Wer es sehr schnell haben will, der ist oft zu wenig wählerisch - und dann nach zwei Jahren wieder Single. Wer eine langjährig stabile Partnerschaft will, der muss schon einige Ansprüche haben. Es soll ja passen.

Sex ist heute in Medien und in der Werbung allgegenwärtig. Und trotzdem schreiben viele Leser, dass sie nur noch wenig oder gar keinen Sex mehr haben. Woran liegt das?

Es gibt zu Sex heute einfach mehr Alternativen als früher: das Internet, Events, die man dringend besuchen will, das Smartphone. Früher war das Potenzial für Ablenkung deutlich kleiner. Die Pornografie spielt auch eine Rolle. Sie ist heute leichter zugänglich als früher - und manch einer findet dann Solosex einfacher und bequemer. Was er zweifellos ist. Solosex schafft aber keine Verbundenheit und nicht dieselbe Befriedigung wie Sexualität mit dem Partner. Der Hauptgrund für eine stark abnehmende Sexualität im Verlauf von Beziehungen ist allerdings nach wie vor eine allgemeine Lieblosigkeit in der Partnerschaft. Warum soll ich scharf sein auf Sex mit einem Menschen, der sich nicht für mich interessiert und der nicht für mich da ist, wenn ich ihn brauche? Oder der mich ständig kritisiert? Nur wenn wir auch nach vielen Jahren noch liebevoll miteinander umgehen, können wir es uns miteinander gut gehen lassen - auch im Bett.

Ihr Rezept für eine glückliche Beziehung?

Es ist schrecklich einfach und hat nur zwei Zutaten. Wer wissen will, welche das sind, kann ja gerne in meine Lesung kommen.

Karten für die Buchpremiere mit Christian Thiel am Mittwoch, den 18.4., 18.30 Uhr in Dresden, Haus der Presse, Ostra-Allee 20 für 13 Euro per E-Mail-Vorbestellung an leben@redaktion-nutzwerk.de

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