Das sind die sieben Wege zum Glück

Psychologin und "Freie Presse"-Kolumnistin Ilona Bürgel verrät zum heutigen Welttag des Glücks, wie man mehr Erfolg hat.

Ich gönne es mir heute, langsam zu sein. Zeit zu haben und Zeit scheinbar zu verschwenden - zum Beispiel mit der Beobachtung eines Latte Macchiatos. Genauer gesagt, des Zuckers im Latte Macchiato. Die Tüte aufreißen, den Zucker ins Glas schütten, warten und schauen, wie er sich den Weg durch den Schaum nach unten bahnt. Das dauert. Ich bin geneigt, den Löffel zu nehmen und umzurühren, um schnell trinken zu können - und danach schnell etwas anderes tun zu können. Doch diesmal entspanne ich mich und genieße das Schauspiel. Warum tue ich das nicht öfter?

Alles was wir tun, tun wir, um glücklich zu sein. Ob ein bestimmter Karriereschritt, der Partner, Körper, Verdienst oder Auftrag: Am Ende steht immer der Glaube, dass wir danach glücklicher sind als jetzt. Hinter diesem Lebenskonzept steht die Annahme, dass wir uns Glück erarbeiten müssen. Dabei zeigt die Wissenschaft, dass es umgekehrt viel besser funktioniert. Sind wir glücklich, kommt es zu sogenannten sogenannten "happy circles": Glückliche Menschen sind aktiv, produktiv, kreativ und deshalb erfolgreich. Die Weisheiten für selbst bestimmten Glückserfolg sind zeitlos:

1. Setzen Sie auf Ihre Bedürfnisse: Wenn Sie Lust auf Zucker im Kaffee haben, dann nehmen Sie ihn. Egal was Berater, Chefs oder Kollegen sagen. Niemand kennt Sie so gut wie Sie sich selbst.

2. Setzen Sie auf Ihre Erfahrungen: Die Welt verändert sich und wird immer weniger kalkulierbar. Das macht unsicher. Dabei haben wir alles, was wir brauchen: uns. Wir haben ein Leben lang so vieles gelernt und geleistet. Auch Dinge, die wir nicht wollten, nicht konnten oder die uns nicht interessiert haben. Das menschliche Gehirn ist eine unbegrenzte Problemlösemaschine. Egal, wie sich Ihr Team, Ihr Arbeitsplatz oder die Spielregeln am Markt verändern: Auf sich können Sie zählen. So wie Sie auch wissen, warum Sie einen Latte Macchiato und keinen Tee oder Tomatensaft bestellen.

3. Setzen Sie auf Ihr Tun: Tun Sie das, was Sie tun, weil Sie es gern tun. Es lässt sich an allem etwas finden, was wir mögen. Dann sind Sie unabhängig von schnellen Erfolgskriterien. Ihr Lohn ist schon das Tun selbst. Beobachten Sie einmal, wie oft wir etwas tun, um damit etwas anderes zu erreichen. Das Mailing, um ein Produkt zu verkaufen. Sport treiben, um abzunehmen. Kaffee trinken, um munter zu werden. Bestenfalls klappt das. Oft aber nicht, und dann haben wir weder Erfolg noch Glück.

4. Setzen Sie auf Menschliches: Die reale Gemeinschaft mit anderen Menschen, Augen- und Körperkontakt oder sich anzulächeln sorgen für den Entspannungsbotenstoff Oxytozin. Fördern Sie die Harmonie im Umgang miteinander durch gemeinsames Lachen, einen gemeinsamen Spruch der Woche oder die gemeinsame Kaffeepause.

5. Setzen Sie auf Anwesenheit: Die Forschung sagt, dass wir etwa die Hälfte der wachen Zeit in Gedanken nicht bei dem sind, was wir tun. Dies geschieht unabhängig davon, ob es angenehm oder unangenehm ist. Das macht unglücklich und weniger erfolgreich. Wir finden nämlich nicht die besten Lösungen. Statt beim Kaffeetrinken schon darüber nachzudenken, was es heute zum Mittagessen geben soll, wäre die Beobachtung des Zuckers eine gute Konzentrationsübung.

6. Setzen Sie auf Machbares: Konzentrieren Sie sich auf Erfolgskriterien, die Sie beeinflussen können. Das heißt für mich zum Beispiel, ich bin erfolgreich, wenn das nächste Buch fertig ist. Das kann ich beeinflussen. Einen Verlag dafür zu finden oder 3000 Stück zu verkaufen, kann ich nicht vollständig beeinflussen. Das heißt nicht, dass ich keinen Verlag mehr suche oder kein Marketing mehr mache, sondern dass ich mein Glück nicht mehr vom Gelingen abhängig mache.

7. Setzen Sie auf Ordnung des Lebens: Ungeduld ist der Feind jedes Glücks und vieler Erfolge. Ziele sind gut, Tempo ist gut, Anstrengung ist gut. Alles zu seiner Zeit. Doch so, wie es keinen Tag ohne Nacht und umgekehrt gibt, brauchen wir ein Gleichgewicht. Die Geduld gehört zur Ungeduld, zu Tempo Langsamkeit und zu Anstrengung Erholung. Der Zucker rutscht voller Schönheit und Gewissheit durch den Milchschaum. Wir würden den Tanz der Kristalle am Boden des Glases nie erleben, wenn wir sofort mit dem Löffel umrühren würden.

Oft wundern wir uns, warum wir wiederholt die gleichen Erfahrungen machen. Weil wir mit dem Löffel rühren, statt abzuwarten, zu lächeln und uns des Lebens zu freuen.

Dr. Ilona Bürgel

Die Autorin des Textes ist Diplom-Psychologin in Dresden und als Coach tätig. Sie hat mehrere Bücher zur positiven Psychologie und zur gesunden Ernährung geschrieben.

Am 27. März, 18.30 Uhr, können Sie Ilona Bürgel live beim Leserforum erleben: "Mensch ärger Dich (nicht)!" heißt ihr Vortrag im Haus der Presse Dresden,

Ostra-Allee 20. Nie ging es uns so gut wie heute. Wie kommt es, dass wir uns dann so schnell, lange und heftig über so vieles ärgern?

Karten für 15 Euro, mit Pressekarte 13 Euro nur per verbindlicher Voranmeldung per E-Mail unter:

leben@redaktion-nutzwerk.de

 

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