Die Kita der Zwillinge

Viermal im Doppelpack: Die Grünlichtenberger Kita hat zwar nur 36 Plätze - und acht Kinder sind Zwillinge. Das macht die Einrichtung besonders, aber ihre Sorgen ähneln durchaus denen anderer Kitas.

Kriebstein.

Reichenbach ist das Dorf der Zwillinge. Und gleich im Nachbarort Grünlichtenberg steht die Kindertagesstätte der Zwillinge. Denn vier solcher Geschwisterpaare gehen in diese Kita. Ursprünglich waren es mal fünf, aber zwei besuchen mittlerweile bereits die Grundschule. Die ist gleich schräg gegenüber der Kita. "Über Reichenbach müssten Sie mal was schreiben. Hier gibt es sieben Zwillingspaare, einschließlich unserem", sagt Beate Nollau. Ihre beiden Mädchen Anne und Luise sind fast fünf Jahre alt und gehen in die Kita Grünlichtenberg in der Gemeinde Kriebstein.

Ein Schock war es nicht, als das Ultraschallbild mehr zeigte, als die Eltern eigentlich erwarteten. Das sagen alle Zwillingsmuttis unisono. "Meine Brüder sind schon Zwillinge. Als das Ultraschallbild zwei Föten zeigte, habe ich mich gefreut", erzählt Jenny Beyer. Ihre dreijährigen Zwillinge Miro und Arne tragen als zweiten Vornamen die Namen ihrer Onkel.

Obwohl zweieiig und damit genetisch nicht hundertprozentig identisch, können Fremde die Grünlichtenberger Zwillinge nur mit Mühe unterscheiden. Bianca Naumann kann das sehr wohl. Sie hat als Erzieherin mit den Zwillingen zu tun und leitet die Kita "Feldmäuse" im Kriebsteiner Ortsteil Grünlichtenberg. Das ist eine kleine, aber feine Einrichtung, picobello, vieles ist neu.

Aber sie ist mit ihren 36 Plätzen, davon 14 Krippenplätze, eben auch sehr klein. "Eigentlich ist die Kita mehr als überfüllt", sagt Maria Euchler (Freie Wähler), Bürgermeisterin der 2000-Seelen-Gemeinde Kriebstein mit ihren Ortsteilen Kriebethal, Ehrenberg, Erlebach, Höckendorf, Höfchen, Kriebstein, Reichenbach und Grünlichtenberg. Bekannt durch Talsperre, Burg und zwei Papierfabriken sowie für seine Eigenständigkeit. "Es ist den Eltern aus Grünlichtenberg schwer zu vermitteln, weshalb sie ihre Kinder ins Nachbardorf nach Kriebethal in die Kita geben müssen", sagt die Bürgermeisterin. Die Kriebethaler Kita "Burggeister" ist größer als die Grünlichtenberger, hat insgesamt 60 Plätze, davon 20 für Krippenkinder. Die Gemeinde ist hier ebenfalls der Träger.

Die Grünlichtenberger Einrichtung soll größer werden. Darum gibt es seit drei Jahren Pläne, an das Haus der Feldmäuse anzubauen. Eine halbe Million Euro sollte das ursprünglich kosten, diesen Betrag hatte die Kommune 2017 in ihren Haushalt aufgenommen. Die Gemeinde hoffte auf Fördergeld, um dieses Projekt stemmen zu können.

Zwei Jahre später platzte diese Hoffnung. Kriebstein bekam kein Förderprogramm mit der hohen Förderquote von 90 Prozent. Bliebe noch das Programm "Leader", welches für Projekte im ländlichen Raum gedacht ist. "Aber hier ist die Summe gedeckelt. Wir hätten dann nur einen Quote von 40 Prozent", sagt Maria Euchler. Zudem ist nach ihren Worten der Kita-Anbau, der diese um bis zu zwölf Krippenplätze erweitern würde, kein Fall für "Leader" sondern für ein entsprechendes Fachförderprogramm.

Den Kampf um den Anbau hat die Gemeinde noch nicht aufgegeben. Erst kürzlich hat Maria Euchler einen Beschwerdebrief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) geschrieben, weil sich dieser beklagt hatte, dass Kommunen zu wenig Fördermittel abrufen würden. "Das liest der Bürger und stellt uns für doof hin, weil wir keine Fördermittel holen", begründet Maria Euchler dieses Schreiben. Fakt ist: Für kleine Kommunen wie Kriebstein ist der Eigenanteil enorm hoch. Je kleiner dieser ausfällt, desto besser und desto wahrscheinlicher ist es, dass die Gemeinde ein Vorhaben letztlich auch umsetzen kann. Von all dem wissen Miro und Arne, Anne und Luise, Emil und Elias sowie Emma und Nele nicht so viel wie die Erwachsenen. Sie fühlen sich in der Kita augenscheinlich wohl. Das zeigt sich beim Fototermin. Es scheint schwerer, einen Sack Flöhe zu hüten, als diese Kinder zu fotografieren. Vor allem Emil und Elias toben und albern herum. Ihre Mutter Nadine Eichner kleidet sie gleich - die Jungs wollen das so. "Wir haben das von Anfang so gehandhabt", sagt sie. Aber ein Zwang ist es nicht. Gleiche Kleidung ist auch bei den anderen Zwillingspaaren ein Thema. "Ich zwinge meine Kinder nicht dazu, sich gleich anzuziehen. Sie haben doch individuelle Persönlichkeiten", sagt Beate Nollau. "Ich sehe das genauso", stimmt Kathleen Teichmann, die Mutter von Emma und Nele, zu. Höchstens mal zu Feierlichkeiten seien die Mädchen gleich angezogen.

Während die Gemeinde Kriebstein noch um Fördergeld kämpft, um die Kita "Feldmäuse" zu vergrößern, läuft der Umbau bei den Nollaus bereits. Sie haben einen Vierseithof im Dorf. Im Moment haben die Brüder noch gemeinsame Zimmer. Aber das soll sich bald ändern. Platz für mehr Kinder - es ist nicht unwahrscheinlich, dass ihn die Nollaus eher haben werden als die Gemeinde Kriebstein für ihre Kindertagesstätte in Grünlichtenberg. (lvz)

Welche Zukunft hat Familie nach Corona?

Einfach mal nichts tun, mehr Zeit für die Familie haben. Was sich laut einer Umfrage der AOK von 2018 die meisten sächsischen Eltern wünschen, dürfte für viele in den kommenden Wochen tatsächlich eintreten - doch das ist kaum ein Anlass zur puren Freude. Denn in der Coronakrise trifft es Menschen mit Kindern besonders hart.

Schon im normalen Alltag stehen Familien im Freistaat vor einer Vielzahl an Herausforderungen. Zwar sind die Betreuungseinrichtungen in Sachsen im deutschen Vergleich gut ausgebaut, doch mangelt es hierzulande massiv an Erziehern. Hinzu kommen eher geringe Löhne, viele Alleinerziehende und Doppelbelastung durch Vollzeittätigkeit. Jetzt in der Corona-Krise hat sich nicht nur die Frage nach der Kinderbetreuung verschärft, auch das Vertrauen in ein stabiles, sicheres Umfeld hat stark gelitten. Doch es ist auch eine Zeit, die Chancen bietet. Eine Zeit, in der Familien ihren Zusammenhalt stärken, verloren gegangene Nähe wieder aufbauen, neue Prioritäten setzen. Dass Corona bei vielen sächsischen Eltern nicht nur Panik auslöst, sondern sogar zu einem stärkeren Engagement führt, hat Christian Eißner erlebt.

Der Redaktionscoach der "Mehrwertmacher"-Agentur in Dresden leitet zum zweiten Mal den "Familienkompass", eine sachsenweite Umfrage zur Familienfreundlichkeit im Freistaat, die von der "Freien Presse", der "Sächsischen Zeitung" und der Leipziger Volkszeitung durchgeführt wird. "Schon 2013 beim ersten Familienkompass war der Bedarf, seine Stimme einzubringen, hoch", sagt Eißner, der damals die Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung in Pirna leitete. So hoch, dass sich die drei großen sächsischen Tageszeitungen in diesem Jahr entschlossen haben, die Umfrage zu wiederholen - diesmal in ganz Sachsen. Dass sich nun bereits zwei Wochen, nachdem der Fragebogen online verfügbar ist, mehr als 6000 Menschen beteiligt haben, freut Eißner sehr. "Es zeigt, dass sich die Familien in Sachsen aktiv darüber Gedanken machen, was in ihrer Gemeinde konkret verbessert werden muss", sagt Eißner. Und es zeige, dass die Menschen im Freistaat auch in Krisenzeiten den Kopf nicht in den Sand steckten.

Eine "Jetzt erst recht!"-Mentalität, die sich auszahlen kann. Nach der Auswertung der Fragebögen des Familienkompass 2013 berichtete die "Sächsische Zeitung" in allen Lokalausgaben intensiv und detailliert über die Ergebnisse aller Gemeinden - und trat in Kontakt mit den kommunalen Entscheidungsträgern. Die Liste der Verbesserungen, die die Familien vor Ort erreichen konnten, war beeindruckend.

"Die Menschen haben viel bewirkt. Aufgrund der Befragungsergebnisse gab es unter anderem Optimierungen bei der Essensversorgung in Schulen, Gemeinden haben ihre Kitaplatz-Vergabe auf ein gerechteres System umgestellt und für mehr Sicherheit auf Schulwegen gesorgt", erklärt Projektleiter Christian Eißner und ruft deshalb auch diesmal zur Teilnahme am Familienkompass auf. Gerade jetzt, wo Kinder und Eltern viel Zeit miteinander verbringen, könne man zu Hause ein positives Signal für alle Familien in Sachsen senden. (sz)

Familien aufgepasst: Wir wollen wissen, was Sie bewegt!

Sachsens große Tageszeitungen und die Evangelische Hochschule Dresden möchten gemeinsam dem Lebensgefühl von Familien in Sachsen auf den Grund gehen. Bitte nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, den Fragebogen zu beantworten. Ihre Meinung trägt dazu bei, Ihren Wohnort noch familienfreundlicher zu machen. Ihre Daten werden streng vertraulich behandelt und ohne Personenzuordnung wissenschaftlich ausgewertet. Als Dankeschön für Ihre Teilnahme haben Sie die Möglichkeit, tolle Preise zu gewinnen.

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