Gewaltopfer bekommen mehr Geld und Hilfe

Nach neuem Gesetz könnten Verfahren nicht nur schneller werden

Wer Opfer sexueller Gewalt in der Kindheit wurde, kann künftig leichter einen Zusammenhang zwischen Gewalttat und psychischer Beeinträchtigung im Erwachsenenalter geltend machen. Mit einer gesetzlichen Anpassung sollen so Entschädigungsverfahren für Betroffene vereinfacht und beschleunigt werden. Das ist nur eine Änderung, die der Bundesrat mit einem neuen Entschädigungsrecht für Opfer von Gewalt und Terror verabschiedet hat. Der Entwurf ist in enger Zusammenarbeit mit dem Opferverband Weisser Ring entstanden. Erste Neuregelungen werden rückwirkend zum 1.Juli 2018 eingeführt.

Senioren, die einer Gewalttat zum Opfer fallen, könnten nach dem neuen Gesetz eine vollumfängliche Krankenbehandlung erhalten - "über den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung hinaus", so Jürgen Schmidt, stellvertretender Landesvorsitzender beim Weissen Ring in Mittelsachsen. Bei Taten, die in Verbindung mit Kraftfahrzeugen stehen, können Opfer und Angehörige ebenso Ansprüche geltend machen. Schmidt verweist auf den Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016, als ein Lkw vorsätzlich in die Menge auf dem Weihnachtsmarkt gesteuert wurde.

Für Geschädigte bestehe nun das Recht auf eine umfassende Heilbehandlung und höhere Entschädigungszahlungen. Angehörige könnten in einer Traumaambulanz behandelt werden.

2017 standen in Sachsen rund 7900 Gewalttaten nur rund 470 Anträge auf Entschädigungsleistungen gegenüber. Die geringe Zahl zeigt laut Schmidt, dass die Öffentlichkeitsarbeit verbessert werden müsse. Das neue Gesetz, das grundsätzlich 2024 in Kraft treten soll, strebt auch an, dass Anträge auf kürzerem Weg gestellt werden können. "Dafür müsste die Bearbeitung der Anträge an Stadt- oder Kreisverwaltungen angeschlossen werden." In Sachsen ist bisher der Kommunale Sozialverband in Chemnitz zuständig.

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