Hassliebe unter Geschwistern - so wird's harmonisch

Streit unter Geschwistern ist in bestimmten Grenzen normal. Familienberater geben Tipps, wie Eltern richtig reagieren.

Familien mit mehreren Kindern kennen das: Geschwister verbindet meist eine Art Hassliebe. Es geht oftmals nicht miteinander, aber auch nicht ohne den anderen. Sind die Geschwister ständig im Streit, ist das für Eltern zwar anstrengend, bis zu einem bestimmten Grad sind Auseinandersetzungen aber ganz normal. Denn Kinder sind existenziell von der Zuwendung ihrer Eltern abhängig. Es liegt in der Natur des Geschwisterseins, zu rivalisieren. "Geschwister messen sich untereinander und fragen sich: Wer ist größer, schneller, besser?", sagt Ulric Ritzer-Sachs von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. "Jeder weiß: Die Beziehung zu meinen Geschwistern ist so eng, dass sie es aushält, wenn ich mich nicht zusammennehme und wir uns richtig streiten." Um eine harmonische Beziehung zu fördern, sollten Eltern jedoch möglichst auf Vergleiche verzichten und nicht ein Kind häufiger als positives Beispiel darstellen.

Gerade größere Geschwisterkinder sind oft stolz darauf, dass sie schon Vieles mehr können als die Jüngeren. Streit kann es deshalb geben, wenn diese Dynamik aufgebrochen wird: Etwa, weil die Kleineren in einigen Dingen geschickter und pfiffiger sind als die Älteren und ihnen das auch aufs Brot schmieren.

Wichtig sei es für die Eltern, den Kindern auch immer wieder ihre Stärken deutlich zu machen. Also können sie dem Gehänselten zum Beispiel sagen: "Du bist dafür super im Fußball." Eltern sollten außerdem darauf achten, dass bestimmte Regeln in der Familie eingehalten werden. "Der Siebenjährige muss früher ins Bett als der Zehnjährige, auch wenn er in manchen Dingen schon weiter ist", so der Erziehungsberater. Dass jüngere Kinder die älteren in manchen Sachen übertrumpfen, sei nicht ungewöhnlich: "Sie schauen sich da natürlich auch viel ab und profitieren von den Älteren."

Je geringer der Altersunterschied, umso größer sind die Probleme, die die Kinder miteinander haben. Ab drei Jahren Unterschied vergleichen sich die Kinder weniger, damit lässt die Rivalität etwas nach. Das haben Untersuchungen ergeben. Besonders in der Pubertät grenzen sich Geschwister stärker voneinander ab.

Auch wenn die Türen noch so knallen, Streiten ist wichtig. "Geschwister kabbeln sich, um sich zu entdecken, Grenzen auszutesten und sich zu entwickeln", erklärt die Jugendberaterin Anja Briesemeister aus Darmstadt. "Sie lernen beim Streiten, Unterschiedlichkeiten auszuhalten, ihre Persönlichkeit zu entdecken, nicht immer die Nummer eins zu sein und zu verzeihen."

Im Streit ist die Vernunft oft ausgeschaltet, so Familientherapeutin Sevgim Schulz. Es herrsche Wut und Aggression. "Mit Argumenten kommt man da nicht weiter", sagt sie. Deshalb sollten sich die Gemüter der Geschwister erst mal abkühlen können. Dazu gehen sie am besten kurz auseinander. Jeder hat aber eine andere Technik, seine Wut loszuwerden - und das sollte man unbedingt, bevor man einen Streit löst, rät Ritzer-Sachs. "Dem einen hilft es, Joggen zu gehen, ein anderer hört Musik, und ein Dritter zerreißt Papier, um runterzukommen."

Auch mitten im Wortgefecht hilft eine kurze Pause, erklärt Psychologe und Buchautor Joachim Lask. "Wenn ein Wort das andere gibt und die Wut in einem hochkocht, sollte man die Situation für einen Augenblick unterbrechen."

Bei der Aussprache können ein Stift, ein Stein oder ein anderes Symbol helfen: Nur wer das Rede-Zeichen in der Hand hält, darf sprechen, so Lask. Boshaft über den anderen herzuziehen, ist aber auch mit Rede-Zeichen verboten. "Klar darf man emotional-laut und deutlich sagen, was einen ärgert, aber man muss fair bleiben." Echtes Zuhören ist dabei nicht so einfach, weiß Lask. Deshalb sei es wichtig, vorher zu vereinbaren, dass jeder aussprechen darf.

Ritzer-Sachs empfiehlt außerdem die VW-Regel: Dabei werden Vorwürfe in Wünsche umgewandelt. Anstatt den anderen zu beschuldigen, mit Absicht fiese Dinge zu sagen, sollte man sich wünschen, dass er sich mit verletzenden Äußerungen zurückhält. Auch ein festgesetzter Zeitrahmen kann helfen, sagt der Erziehungsberater: Wer vereinbart, nach einer bestimmten Zeit die Eltern um Rat zu fragen, verhindert, dass ein Streit eskaliert. Grundsätzlich sollten Jugendliche aber so viel wie möglich allein regeln, so Ritzer-Sachs. "Und Eltern müssen es zu einem Großteil aushalten können, dass es mal kracht."

Damit Konflikte nicht zu groß werden, hat Familientherapeutin Schulz einen Tipp: Kinder sollten sich öfter mit der Familie zusammensetzen. Zu einer festen Zeit kommen alle zusammen, besprechen die Probleme der Woche, aber unbedingt auch schöne Dinge wie gemeinsame Ausflüge. "So nimmt sich die Familie als Einheit wahr", erklärt Familientherapeutin Schulz. "Jeder wird gesehen und gehört. Und allein das kann schon der Ansatz einer Lösung sein." (dpa/rnw)

Fünf Tipps für mehr Geschwisterliebe 

Wenn Geschwister einander liebhaben, kann das fürs Leben halten. Was Eltern dazu tun können:

1. Liebe Worte: Ermutigen Sie Ihre Kinder, einander morgens zu begrüßen und sich Glück zu wünschen, wenn eine Klassenarbeit bevorsteht.

2. Konflikte auflösen: Achten Sie darauf, dass sich Ihre Kinder nach einem Streit wieder vertragen und sich beieinander entschuldigen.

3. Teamarbeit: Ermutigen Sie Ihre Kinder, gemeinsam Dinge zu unternehmen. Geben Sie ihnen eine spannende Aufgabe, die sie zusammen erledigen können.

4. Zuneigung fördern: Weisen Sie auch auf kleine Liebesbeweise hin, indem Sie sagen: "War das nicht lieb, was dein Bruder für dich getan hat?"

5. Kleine Geschenke: Lassen Sie Ihre Kinder einander ab und zu Geschenke machen. Selbst kleine Aufmerksamkeiten wie ein gemaltes Bild oder ein gepflückter Blumenstrauß können eine große Wirkung haben. (rnw)

Quelle: www.netmoms.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...