Herausforderung Familienurlaub

Wer mit Kindern verreist, muss viele Interessen unter einen Hut bringen - Die Autorin Geraldine Friedrich gibt Tipps, wie das gelingt

Die Tochter will Kühe, der Sohn Karibik. Und die Eltern am liebsten ein Gourmethotel. Wie kriegt man im Urlaub alle Wünsche unter einen Hut? Steffen Klameth sprach mit der Journalistin und Autorin Geraldine Friedrich.

Freie Presse: Frau Friedrich, was war Ihr bisher schönster Familienurlaub?

Geraldine Friedrich: Wir hatten zwei schönste Urlaube: Einen Angelurlaub in Norwegen, da war mein Sohn zwei, und einen Cluburlaub in der Toskana direkt am Meer, da war mein Sohn vier Jahre alt.

Und welche Ferien würden Sie am liebsten aus der Familienchronik streichen?

Einen Totalausfall hatten wir bislang nicht. Als Tim knapp ein Jahr war, haben wir einige Tage in einem Wellnesshotel verbracht, dass wohl eher für kinderlose Paare gedacht war. Es war nicht schlimm, aber wir merkten schon, dass wir da wohl eher fehl am Platz waren.

Gibt es überhaupt den perfekten Urlaub für alle?

Perfekt heißt für mich, dass jeder den Urlaub auf seine Weise genießen kann. Ferien mit Kind bedeutet, die Interessen von Erwachsenen und Kindern unter einen Hut zu bringen. Da muss jeder zurückstecken. Wir tendieren zur Mischung aus Faulenzen, schöner Landschaft genießen und Kultur, mit möglichst wenig Ortswechseln. Immer gerne am Meer oder an einem See, und immer in Europa - bisher.

Und welche Reiseform sollte man bei einem Familienurlaub gar nicht erst in Erwägung ziehen?

Das hängt von Alter und Charakter der Kinder ab. Spontan würde ich von Reisen, bei denen man alle zwei Tage die Unterkunft wechselt, ab raten. Gerade Einzelkinder haben bei solchen Urlauben keine Chance, sich mit Spielkameraden vor Ort anzufreunden. Und das ewige Koffer- ein- und auspacken ist stressig.

Kann ein Stadturlaub mit Kindern funktionieren?

Natürlich. Wir haben gerade über Ostern drei tolle Tage in Nürnberg verbracht. Wir hatten dort mit der Jugendherberge in der Burg die perfekte Unterkunft, haben unterirdische Felsengänge besichtigt, das Planetarium besucht und das Museum für Kommunikation erkundet, das über zahlreiche Mitmachelemente verfügt. Fast alles war für Kind und Eltern gleichermaßen spannend - mal abgesehen vom Playmobilland in der Nähe Nürnbergs, das nur was für Kinder ist. Aber: Mir geht einfach das Herz auf, wenn ich sehe, welchen Spaß mein Sohn hat. Mein Rat: Vorher bei Insidern erkunden, welche Sehenswürdigkeiten sich für die Altersgruppe des eigenen Kinds eignen. Und man kennt sein eigenes Kind ja am besten. Mein Sohn interessiert sich sehr fürs Weltall und die Raumfahrt, da war das Planetarium ein Selbstläufer.

Viele Hotels und Resorts bieten Kinderbespaßung von früh bis spät an. Hat das überhaupt noch was mit Familienurlaub zu tun?

Eine flexible Kinderbetreuung hat den Vorteil, dass das Kind dann zur Betreuung gehen kann, wenn es dazu Lust hat. Einzelkinder finden leichter Spielkameraden. Wir selbst waren einmal drei Tage in einem Kinderhotel und positiv überrascht. Ich gebe zu bedenken, dass sich Menschen in verschiedenen Lebenslagen befinden und nicht jeder immer die Kraft hat, im Urlaub sein Kind zu 100 Prozent zu bespielen. Eine Freundin von mir ist beispielsweise allein erziehend und hat einen stressigen Job als Managerin. Dass die mal eine Auszeit braucht, kann ich nachvollziehen. Grundsätzlich gilt: Alles kann, nix muss.

Welchen Unterschied macht es, ob ich mit einem oder mehreren Kindern verreise?

Zwei und mehr Kinder spielen miteinander - wenn sie sich mögen. Sie haben aber auch vielleicht unterschiedliche Interessen. Bei einem Kind können sich die Eltern leichter mit der Betreuung abwechseln, und jeder hat mal eine Auszeit.

Wie viel Gewicht sollte bei der Planung die Meinung der Kinder haben?

Gegenfrage: Wie schön kann ein Urlaub für Eltern sein, wenn die Kinder schlechte Laune haben? Einem Baby oder Kindergartenkind ist es egal, wohin es fährt - Hauptsache, es ist mit Mama und Papa zusammen. Je größer die Kinder sind, desto mehr sollten sie mitplanen dürfen - schon aus purem Eigeninteresse.

Und wenn man als Eltern beispielsweise ganz und gar nichts von einem Urlaub auf dem Reiterhof wissen will?

Würde ich ihn auch nicht als Urlaub für die gesamte Familie buchen. Aber häufig divergieren ja auch die Interessen der Eltern; die Mutter kann sich vielleicht eher mit einem Reiterurlaub anfreunden als der Vater, umgekehrt findet der Vater vielleicht Angelurlaub inklusive Ausnehmen der Fische spannender. Eine Familie muss ja nicht jeden Urlaub gemeinsam verbringen. Das geht dann vielleicht auch günstig als Kurzurlaub.

Steht am Ende also immer ein Kompromiss?

Klar. Aber wer den nicht eingehen will, sollte entweder zu Hause bleiben oder keine Kinder bekommen.

Mitunter übersteigen die Wünsche der Kinder auch schlicht das Familienbudget. Sollte man das den Kindern so deutlich sagen?

Ja, finde ich schon. Kinder sollten früh lernen, dass nicht alle Wünsche erfüllbar sind. Meine Eltern konnten sich keine Urlaube leisten, weil sie ein Haus gebaut hatten. Das war nie ein Problem für mich. Das war einfach so.

Richtig teuer wird es, wenn man auf die Schulferien angewiesen ist. Haben Sie Tipps, wie man in dieser Hochsaison der Kostenfalle entgehen kann?

Bei Fernreisen die Flüge möglichst frühzeitig, das heißt, mindestens sechs Monate vorher buchen. Es gibt auch Eltern, die ihre Kinder einige Tage von der Schule befreien lassen, um einen günstigeren Flug buchen zu können. Doch hier ist Vorsicht angesagt. Manchmal können Familien mit schulpflichtigen Kindern Hochsaisonpreisen auch entgehen, weil die Ferien im Ziel-Land schon vorbei sind. Das geht uns manchmal so in der Schweiz. Dort sind die Herbstferien beispielsweise viel früher als bei uns. Grundsätzlich rate ich Familien aber eher zur Parahotellerie, also Ferienwohnungen oder Jugendherbergen. Das ist in der Summe günstiger, auch, weil man sich selbst verpflegen kann. Probiert auch mal einen Haustausch! Da fallen nur Anreise- und Verpflegungskosten an. Günstiger kann man nicht in den Urlaub fahren.

Immer mehr junge Familien nutzen die Elternzeit, um auf Weltreise zu gehen. Vor allem Groß eltern halten das für verantwortungslos.

Mein Eindruck ist, dass den Großeltern vor allem die Trennung von Kindern und Enkelkindern schwerfällt. Gefährlich ist immer das, was man selbst nicht kennt oder sich nicht traut. Kritiker bemängeln ja auch, dass Familien mit dem Elterngeld auf Kosten des Staates Ferien machen. Ich finde Pauschalurteile schwierig, und mir persönlich ist es völlig egal, ob eine Familie ihr Elterngeld im Teutoburger Wald oder in Thailand ausgibt. Außerdem bietet die Elternzeit einer Familie die Chance, eine Fernreise abseits der Hochsaisonpreise zu unternehmen.

Zahlreiche Veranstalter bieten inzwischen maßgeschneiderte Reisen für Familien an. Um wie viel teurer sind solche Urlaube im Vergleich zu Pauschalreisen?

Sogenannte Privat-Fernreisen mit Guide und in kleinen Gruppen sind sehr teuer. Ich weiß von Leuten, die als Paar mit Sohn nach Ecuador und Galapagos gereist sind. Diese Reisen kosten schnell 4000 Euro pro Person, für Kinder ist es oft nicht viel günstiger. Das können sich nur Wohlhabende leisten, wie ein Beispiel in meinem Buch "Reisen mit Kindern - von Bauernhof bis Bali" gezeigt hat.

Geraldine Friedrich

Die 44-jährige Journalistin und Buchautorin ist selbst Mutter eines fast sechsjährigen Sohnes. Für ihr Buch "Günstig reisen mit Kindern" hat sie reisefreudige Menschen zu deren Urlaubserfahrungen befragt und in dem Buch zusammengefasst. Ihr Internet-Reiseblog Reiseratte beschäftigt sich mit spannenden Landschaften, Museen, Städten und Hotels. (fp)

Das Buch

Günstig reisen mit Kindern: Von Österreich bis Oman Geraldine Friedrich (Hrsg.); Taschenbuch, 230 Seiten 11,95 EUR bzw. E-Book 6,99 EUR; ISBN: 978-3-945309-02-5

www.edition-reiseratte.de

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