Immer weniger Kinder sind in Sachsen auf Hartz IV angewiesen

2016 brauchte jedes siebte Kind staatliche Hilfen. 2006 war es jedes vierte. Gehört Kinderarmut bald der Vergangenheit an?

Dresden.

In Sachsen sind inzwischen deutlich weniger Kinder von staatlicher Unterstützung abhängig als vor zehn Jahren. Wuchsen 2006 noch etwa 111.300 Kinder in Familien auf, die Hartz-IV-Leistungen bezogen, waren es im vergangenen Jahr noch etwa 76.200. Das geht aus einer der "Freien Presse" vorliegenden Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Zur Verbesserung kam es, obwohl die entsprechende Altersgruppe der unter 15-Jährigen in dieser Zeit im Freistaat um 80.000 auf 518.000 zulegte. War 2006 mit 25,5 Prozent noch jedes vierte Kind auf Hartz-IV angewiesen, sind es 2016 noch 14,7 Prozent gewesen - also jedes siebente. Damit nähert sich Sachsen dem Bundesdurchschnitt an, der sich im gleichen Zeitraum nur leicht von 15,4 auf 14,3 Prozent verbesserte. In ganz Deutschland sank die Anzahl der Hartz-IV beziehenden Kinder seit 2006 um 220.000 auf 1,6 Millionen.

Die Entwicklung in Sachsen nannte BA-Regionalchef Klaus-Peter Hansen erfreulich. Dass im Vorjahr nur noch 58.000 Familien mit Kindern - inklusive Alleinerziehende - mangels ausreichender Einkünfte auf Leistungen wie Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld angewiesen waren, führte er auf die verbesserte Lage am Arbeitsmarkt, aber auch auf eine "wirksamere Unterstützung durch die Jobcenter" zurück. Familien sollen künftig noch stärker in ihrem Fokus stehen, betonte Hansen.

DGB-Landesvize Markus Schlimbach erklärte es zum "obersten Ziel, dass möglichst keine Kinder dauerhafte Arbeitslosigkeit der Eltern erleben müssen". Dazu sollten neben Langzeitarbeitslosen vor allem Alleinerziehende verstärkt vermittelt werden. Auch die Wirtschaft sei gefordert, wenn es um die bessere Vereinbarung von Familien- und Arbeitszeit gehe. 36.300 Alleinerziehende waren 2016 auf staatliche Unterstützung angewiesen.

Im Vergleich zu 2015 sogar leicht zugenommen hat die Anzahl der Hartz-IV-Familien mit mindestens drei Kindern, sie liegt damit weiter stabil über 9000. Insgesamt sank die Anzahl der Menschen in Bedarfsgemeinschaften von 586.000 (2007) auf 348.000 im Vorjahr. Darunter waren mit 36.700 Ausländern fast 10.000 mehr als 2015 - eine Auswirkung der größeren Flüchtlingszahl.

Im Durchschnitt bekamen Sachsens 200.690 Bedarfsgemeinschaften (davon 120.000 Singles) monatlich 639,29 Euro ausgezahlt, davon allein 283,86 Euro für die Miete. Die Gesamtausgaben für alle in Bedarfsgemeinschaften lebenden Menschen betrugen der BA zufolge 2016 in Sachsen 1,88 Milliarden Euro. 2005 waren die Kosten mit 2,74 Milliarden Euro noch deutlich höher.

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