So packt der Mann im Haushalt mit an

Paartherapeutin Angelika Kaddik über Missverständnisse, falschen Ehrgeiz und Tricks, die garantiert funktionieren

Fast alle Partnerschaften kommen irgendwann an den gleichen Punkt: Wohnen Mann und Frau zusammen, putzt die eine mehr als der andere - zumindest empfinden es viele Frauen so. Das sorgt für latente Unzufriedenheit und für Streit. Paartherapeutin Angelika Kaddik hat Susanne Plecher im Interview verraten, was Partner tun können.

Freie Presse: Frau Kaddik, viele Frauen haben den Eindruck, dass sie sich immer alleine um den Haushalt kümmern müssen.

Angelika Kaddik: Das ist oft ein persönliches Ungerechtigkeitsempfinden, das sich immer mal wieder bemerkbar macht. Am Anfang der Beziehung nehmen die Frauen den Männern - auch im Haushalt - gern viel ab. Sie machen das alles aus Liebe, weil es für sie okay ist, sie es für den anderen gerne tun und sie manchmal auch denken, dass sie es ohnehin besser können. Sie treffen also eine Entscheidung, reden aber nicht darüber. Ja, und dann darf ich mich nicht wundern, dass es für meinen Partner normal wird, dass ich alles erledige. Er macht sich darüber auch keine Gedanken. Irgendwann kommt die Frau an den Punkt, an dem ihr bewusst wird, dass sie alles macht und der Partner gefühlt fast nichts. Dass sie Hilfe braucht und er das doch von alleine erkennen muss. Kann er aber nicht, denn er kann ja nicht in ihren Kopf hineinschauen.

Was hilft dann?

Darüber zu sprechen. Aber viele Frauen sagen nicht, wie es ihnen geht. Sie wollen kein Fass aufmachen. Diese nicht kommunizierten Erwartungen an den Partner machen auf Dauer Frust. Und den bekommt er dann auch ab. Das heißt: Ich fange an zu meckern, mache Andeutungen. Und dann fühlt sich mein Partner angegriffen, startet entweder den Gegenangriff, reagiert gar nicht oder zieht sich zurück. In meinen Beratungen erlebe ich ganz oft, dass die Männer sagen: Ich habe das Gefühl, ich werde ausgemeckert wie von meiner Mama, ich komme mir vor wie ein blöder kleiner Junge, der wieder mal was falsch gemacht hat. Von den Frauen höre ich: Ich habe keine Lust, noch ein Kind mit großzuziehen.

Wie geht es denn besser?

Vor dem Zusammenziehen sollten die Partner besprechen, wie ihr Bedürfnis nach Ordnung aussieht. Jeder empfindet das ja anders. Manche können sich eine Putzfrau leisten. Viele müssen aber selber aufräumen - und an dem Punkt müssen sie aushandeln, wer welche Aufgabe übernimmt. Dann ist das von vornherein klar.

Oft entsteht Streit aber erst, wenn man bereits zusammenlebt. Wie kriegen Frauen es dann hin, dass sich ihr Partner nicht nur gnädigerweise, sondern immer an der Hausarbeit beteiligt?

Dieses "gnädigerweise" finde ich zynisch: "Kannst du gnädigerweise auch mal die Wäsche aufhängen?" Was macht das denn mit dem anderen? Wenn jemand so mit mir reden würde, dann würde ich mich rechtfertigen. Denn vermutlich leiste ich aus meiner Wahrnehmung heraus schließlich auch genug. Und dann geht das Aufrechnen los. Aber darum geht es ja nicht, sondern darum, wie Absprachen getroffen und eingehalten werden können. Es kommt immer darauf an, wie ich kommuniziere. Worte können wie Küsse schmecken, aber auch wie Schwerter sein. Wenn mich etwas stört, kann ich doch sagen "Ich hätte es gern anders", oder "Ich habe gerade totalen Frust, ich denke, ich muss alles alleine machen. Lass uns doch mal überlegen, wie wir das in Zukunft ändern können!" Klarheit ist wichtig.

Warum sind Frauen so unzufrieden?

Wir verlangen von uns selber zu viel. Ich weiß nicht, ob das noch genetisch in uns steckt, dass wir still und leise die Arbeiten erledigen und alles machen müssen, obwohl wir es eigentlich gar nicht wollen. Aber viele Frauen achten nicht gut auf sich und machen trotzdem immer weiter. Wenn ich nicht sage, was ich brauche, dann kriege ich es ganz oft auch nicht. Oder ich kriege etwas, was ich gar nicht haben will. Es ist in meiner Verantwortung, gut für mich selber zu sorgen und zu kommunizieren, was ich brauche. Und den anderen auch einmal zu bitten, mir zu helfen.

Wenn die Männer helfen, ist es vielen Frauen aber auch nicht recht. Wie lernen sie es, das Ergebnis der männlichen Beteiligung an der Hausarbeit zu akzeptieren, ohne daran herum zu nörgeln?

Frauen sind für Männer schon manchmal anstrengend. Ein gutes Beispiel ist das Wäscheaufhängen. Viele denken, der Mann soll das gefälligst genauso machen, wie und wann die Frau das will. Aber das klappt selten. Wenn ich eine Absprache mit meinem Partner treffe, dass er die Wäsche aufhängt, dann muss er das auch so machen können, wie er das eben macht. Und wenn er die Wäsche anders aufhängt und ich sie hinterher voller Frust umhänge, dann ist es meine Entscheidung. Und die kann ich niemandem vorwerfen! Vielleicht sollte ich überlegen, ob ich das nicht doch von vornherein lieber selber mache, wenn es mir so wichtig ist. Der Mann übernimmt eine andere Aufgabe. Wenn mich was stört, dann kann ich statt "Du hast die Wäsche schon wieder falsch aufgehängt" doch lieber sagen "Achte beim nächsten Mal bitte darauf, die Bluse so und so aufzuhängen." Allerdings darf ich mich auch immer mal fragen, worum es mir gerade tatsächlich geht: Will ich gewinnen? Will ich Recht haben? Will ich streiten? Aber dann muss ich mit einer Gegenreaktion rechnen. Und ich kann dem anderen nicht vorwerfen, dass er das nicht so hinnimmt und sagt: "Schatz, ich finde das total toll, dass du mich hier jetzt so anzickst."

Es soll auch Partnerschaften geben, in denen der Mann der Penible ist.

Das gibt es öfter, als Sie denken! Aber auch in dem Fall hilft es, anzuerkennen, dass beide unterschiedliche Bedürfnisse und Sichtweisen haben, was Ordnung angeht. Und dann muss man darüber reden und Kompromisse finden. Ich hatte hier ein Paar mit zwei Kindern. In ihrem Flur hingen jede Menge Jacken und Mäntel, es stand eine Batterie Schuhe herum. Immer, wenn er nach Hause kam, hatte er das Gefühl, in ein Messi-Haus zu kommen. Aber sie fand es praktisch, nicht bei jedem Paar Schuhe in den Keller rennen zu müssen. Ich habe ihn gefragt, mit wie vielen Schuhen er denn leben könnte? Es waren zwei Paar pro Person. Das fand sie okay.

Was ist mit dem Anspruch vieler Frauen, dass der Mann die Arbeit doch mal von alleine sehen muss?

Das erlebe ich oft. Ja, er merkt vielleicht, dass er den Müll rausbringen muss und denkt: "Das mache ich nachher oder morgen". Aber die Frau will es eben sofort. Wenn ihr bestimmte Dinge wichtig sind, kann man ja mal überlegen, ob man die Aufgaben tauscht. Oder wenn es mir trotzdem wichtig ist, dass er sich um den Müll kümmert, dann muss ich ihn halt jeden Tag erinnern: "Denkst du bitte daran, nachher den Müll mitzunehmen?" Da braucht man ein bisschen Geduld. Wenn ich ihm immer nur vorhalte, dass er etwas schon wieder nicht gemacht hat, klappt er garantiert irgendwann die Ohren nach hinten.

Macht er das dann irgendwann auch?

Meist schon. Männer wollen ja auch in Harmonie leben und glücklich sein. Sie wollen aber auch mal gesehen und anerkannt werden. Was soll dabei herauskommen, wenn man den anderen immer nur wahrnimmt, wenn er etwas falsch gemacht hat? Es ist wichtig, im Alltag auch mal etwas anzuerkennen und danke zu sagen.

Wann ist der beste Zeitpunkt, Probleme anzusprechen?

Ich sage zu meinen Paaren immer: Wenn ihr ein Problem lösen wollt, macht das, wenn ihr euch am meisten liebt. Wer im Stress ist und den anderen gerade blöd findet, hört nicht zu und ist wenig kompromissbereit.

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