Trennungskinder bekommen mehr Geld

Die neue Unterhaltstabelle für 2019 ist da - Stimmt Sachsen zu, bleibt diesmal der Selbstbehalt für Unterhaltszahler unverändert

Kinder, deren Eltern getrennt sind, haben Anspruch auf Unterhalt. Zahlungspflichtig ist der Elternteil, bei dem das Kind nicht dauerhaft lebt. Die monatliche Höhe richtet sich nach dem Einkommen und dem Alter des Kindes. Das Oberlandesgericht Düsseldorf hat jetzt die Unterhaltstabelle für 2019 angepasst. Sie ist die bundesweite Richtlinie, der bislang auch Sachsen immer gefolgt ist. Das Oberlandesgericht Dresden hat aber bis Jahresende Zeit, zuzustimmen oder eigene Regelungen zu erlassen. Stephanie Wesely beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ändert sich für die Trennungskinder ab Januar?

Gemäß Mindestunterhaltsverordnung müssen Unterhaltsverpflichtete mit einem monatlichen Nettoeinkommen bis zu 3500 Euro fünf Prozent mehr zahlen. Über 3500 Euro sind es acht Prozent mehr, informiert ein Sprecher des Oberlandesgerichtes Düsseldorf. Der Mindestunterhalt für Kinder bis zum fünften Lebensjahr steigt von 348 auf 354 Euro, für Kinder zwischen sechs und elf Jahren von 399 auf 406 Euro und für Kinder zwischen zwölf und 17 Jahren von 467 auf 476 Euro. Bei volljährigen Kindern gibt es keine Veränderung, es bleibt bei einem Mindestanspruch von 527 Euro.

Was heißt "bereinigtes Nettoeinkommen"?

Vom Brutto werden Steuern, Sozialabgaben, Vorsorge- und berufsbedingte Aufwendungen abgezogen.

Bekommen auch Unterhaltsverpflichtete mehr Selbstbehalt?

Nein. "Nachdem im vergangenen Jahr die Einkommensgrenzen angehoben und die Unterhaltszahler damit entlastet wurden, bleiben die Selbstbehalte 2019 unverändert", sagt Frank Simon, Fachanwalt für Familienrecht aus Dresden. Wer für ein minderjähriges Kind zahlen muss, kann 1080 Euro im Monat für sich beanspruchen, wenn er erwerbstätig ist. Für Nichterwerbstätige sind es 880 Euro. Kosten für die Unterkunft, einschließlich Nebenkosten und Heizung, in Höhe von 450 Euro sind darin bereits enthalten. Muss für ein volljähriges Kind gezahlt werden, beträgt der Selbstbehalt 1300 Euro im Monat.

Wie gehen Alleinerziehende vor, um mehr Unterhalt zu erhalten?

Sie können den Unterhaltsverpflichteten anschreiben und über die Erhöhung des Anspruchs zum 1.Januar informieren. Auch das Jugendamt ist Ansprechpartner. Wer eine sogenannte Beistandschaft beim Jugendamt vereinbart hat, für den übernimmt die Behörde die Klärung. "Ist der Unterhaltspflichtige nicht bereit zu zahlen, muss ein Familiengericht entscheiden", so der Dresdner Fachanwalt.

Und wenn der Unterhaltspflichtige nicht mehr zahlen kann?

Das muss er zunächst glaubhaft belegen. Frank Simon: "Einfach Geld zurückbehalten, darf er nicht, denn der Fehlbetrag würde dann als Unterhaltsschuld auflaufen und könnte vollstreckt werden." In Fällen, wo nach Abzug des Unterhalts weniger als der Selbstbehalt übrigbleibt, werden die Ansprüche entsprechend reduziert. Kann der Unterhaltspflichtige gar keinen Unterhalt zahlen, haben die Kinder Anspruch auf Unterhaltsvorschuss vom Staat. Dieser wird in Höhe des Mindestunterhalts bis 18 gezahlt.

Wie wird das Kindergeld eingerechnet?

Wird Mindestunterhalt geleistet, steht dem Unterhaltszahler die Hälfte des Kindergeldes zu. Das Kindergeld beträgt für das erste und zweite Kind je 194 Euro im Monat, für das dritte 200 Euro, für jedes weitere 225 Euro. Ab Juli steigt es um zehn Euro.

Wenn die Eltern getrennt sind, ihre Kinder aber zu gleichen Teilen betreuen, muss einer dann trotzdem zahlen?

Beim Wechselmodell sind beide Eltern unterhaltspflichtig. Die Höhe ermittelt sich anteilig nach dem Einkommen. Zudem bekommt nur einer das Kindergeld. Das wird beim Unterhalt verrechnet.

Muss man auch zahlen, wenn der Umgang mit dem Kind verweigert wird?

"Grundsätzlich, ja", sagt Simon. "Die Unterhaltspflicht ist nicht an den Umgang gebunden." Da der Kontakt wichtig ist, sollte der Grund für die Verweigerung ermittelt werden. rnw

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...