"Väter sind nicht nur Samenspender"

Die Initiative "Papa auch" will Vätern nach der Trennung zu mehr Umgang verhelfen - und sorgt für eine Rechtsdebatte.

Vater und Sohn sind auf Kurzurlaub im Allgäu - so als wäre es das Normalste auf der Welt. Doch zehn Jahre lang war gar nichts normal. Reinhard Rode musste sich in 13 Gerichtsverfahren jede Stunde Umgang mit seinem Sohn erstreiten. Er hat gewonnen. Nun kann er die Hälfte der Schulferien mit seinem Sohn verbringen und ihn regelmäßig an den Wochenenden treffen. Vielen Vätern fehlt für einen solchen Rechtsstreit die Kraft. Ihnen will die Initiative "Papa auch" helfen, die Rode vor einem Jahr gegründet hat.

Fälle wie seiner spielen sich tausendfach in Deutschland ab, denn jede dritte Ehe wird geschieden und mehr als jedes fünfte Kind wächst nur bei einem Elternteil auf. Rodes Frau verließ ihn mit dem zweijährigen Sohn von einen Tag auf den anderen. Er kam von der Arbeit und fand eine leere Wohnung und einen Zettel mit den Kontaktdaten ihres Anwalts vor. "Obwohl wir das gemeinsame Sorgerecht haben, sah ich meinen Sohn sechs Monate lang nicht - aufgrund falscher Anschuldigungen", wie Rode sagt. "Die konnten allesamt durch Gutachten ausgeräumt werden." Doch das sei ein nervenaufreibender und zäher Kampf gewesen. Er kritisiert, dass Familiengerichte heutzutage immer noch davon ausgehen, dass Kinder bei ihrer Mutter am besten aufgehoben sind.

Das soll sich nach dem Willen der FDP-Fraktion im Bundestag bald ändern. Denn sie will das sogenannte Wechselmodell zum Regelfall machen. Beim Wechsel- oder Doppelresidenzmodell teilen sich Vater und Mutter nach der Trennung die Erziehung der Kinder. Die Kinder pendeln dann zwischen beiden Elternhäusern. Voraussetzung sei das Kindeswohl. Dazu gehört aus Sicht der Fraktion, dass die Eltern in der Lage sind, sich im Sinne ihrer Kinder zu einigen und abzusprechen. Zudem sollten die Elternteile nah beieinander wohnen, um Kinder nicht regelmäßig aus ihrem gewohnten Umfeld zu reißen. Auch die finanziellen Voraussetzungen müssen gegeben sein, um die Mehrkosten des Wechselmodells -zum Beispiel jeweils ein Kinderzimmer - aufbringen zu können. Trifft das Gericht im konkreten Fall keine andere Entscheidung, soll laut FDP automatisch das Wechselmodell gelten.

Am 15. März fand dazu eine Bundestagsdebatte statt, bei der jedoch alle anderen Fraktionen den Vorschlag der Liberalen ablehnten. Eine Reform des Familienrechts sehen aber auch sie als dringlich an. Nur wolle man kein System festlegen, sondern den Eltern die Möglichkeit geben, eine einvernehmliche Lösung zum Umgang mit dem Kind zu finden. Wo dies nicht möglich sei, müssten beispielsweise Verfahrenspfleger als Anwälte der Kinder fungieren und in ihrem Sinne tätig werden. Doch dafür fehle vielen Familiengerichten und Jugendämtern Personal mit entsprechender Ausbildung und Erfahrung. Benötigt würden auch mehr Mediatoren, die zwischen zerstrittenen Parteien vermitteln. Darauf wollen zumindest die Linken den Fokus legen. Der FDP-Vorschlag wird nun im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz weiter diskutiert. Einen Zeitpunkt, ab dem ein neues Familienrecht gelten soll, gibt es noch nicht.

Für Reinhard Rode ist die Debatte dennoch ein wichtiger Schritt: "Es ist gut, dass es in den Köpfen angekommen ist, dass Väter nicht nur Samenspender, Geldautomaten und Hausmeister sind, sondern ihren Kindern guttun." Kinder brauchen ihre Väter und sollten mindestens 30 Prozent der Zeit mit ihnen verbringen dürfen.

Erst kürzlich haben schwedische Forscher bei der Untersuchung von 3600 Drei- bis Fünfjährigen herausgefunden, dass Trennungskinder, die viel bei beiden Elternteilen sind, nicht mehr Probleme haben als ihre Altersgenossen in intakten Familien. Doch in der Realität würden kleine Kinder eher den Müttern zugeordnet.

Rodes Sohn wird nächstes Jahr 14. Dann darf er selbst entscheiden, zu wem er möchte. Sein Vater macht sich darüber keine Sorgen. "Ich weiß jetzt, dass ich meinen Sohn nie verlieren werde, weil die Bindung zwischen uns so stark ist." Er ist heute froh, dass er so um ihn gekämpft hat, hofft aber, dass es andere Väter durch bessere Gesetze künftig leichter haben werden.

Die Betreuungsmodelle 

Residenzmodell: Das Kind lebt bei einem Elternteil, der auch die Alltagsfragen entscheidet. Der andere hat ein Umgangsrecht.

Wechselmodell: Das Kind wechselt paritätisch zwischen beiden Elternteilen und hat zwei Wohnsitze.

Nestmodell: Hier wechselt nicht das Kind, sondern die Eltern. Beide Eltern brauchen zusätzlich eigenen Wohnraum, woran das Modell oft scheitert.

Service

Die Initiative "Papa auch" ist erreichbar per E-Mail unter info@papa-auch.de, via Facebook und Internet unter www.papa-auch.de.

Ein Buch des Kinderhilfswerks befasst sich kindgerecht mit dem Thema Recht auf beide Elternteile. Das Pixi-Buch "Nur mit Mama UND Papa" kann kostenfrei bestellt werden unter www.dkhw.de/shop.

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