Wie wird mein Baby satt?

Woran Eltern erkennen können, dass ihr Baby bereit für den ersten Brei ist, was er enthalten sollte und was nicht

Valeria hat Hunger. Fast eine Stunde lang hat sich das elf Monate alte Mädchen beim Babykrabbeln ausgetobt. Jetzt ist der Akku leer. "Für solche Fälle haben wir immer etwas dabei", sagt Mutter Daniela Häußler und schiebt ihrer Tochter einen Löffel Fruchtmus in den Mund. Gierig geht der Schnabel gleich wieder auf. Schneller, Mama! Bis die Kleine sechs Monate alt war, hat Daniela Häußler sie voll gestillt. Dann wurde das Kind unruhig, hat viel geweint. "Das hat uns verunsichert, weil wir nicht wussten, was ihr plötzlich fehlte." Dass das Quengeln oft ein Zeichen für Hunger ist, komme sehr vielen Eltern erst spät in den Sinn, sagt Kinderkrankenschwester Stefanie Gawelt von der Beratungsstelle zur Entwicklungsförderung von Säuglingen und Kleinkindern in Dresden. Was junge Eltern zum Thema außerdem noch wissen sollten, hat Susanne Plecher zusammengetragen.

Wann ist es Zeit für den ersten Brei?

Wird das Baby nicht mehr satt, sucht es nach dem Stillen weiter nach der Brust, schmatzt mit den Lippen, saugt an Fingern oder am Stoff. Mitunter stagniert sein Gewicht. "Manche stieren auf das Essen der Eltern und signalisieren so, dass sie etwas abhaben möchten", sagt Tina Goldbach, die im Gesundheitsamt Dresden für Ernährungsinformationen zuständig ist. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund empfiehlt, dass Babys mindestens bis zum vierten, maximal bis zum sechsten Monat voll gestillt oder mit Fertigmilch versorgt werden sollten. Dann wird es Zeit für den ersten Brei.

Schade ich meinem Kind, wenn ich erst später zufüttere?

Ja. Denn durch das rapide Wachstum und die geistige Entwicklung des Säuglings steigt sein Bedarf an Nährstoffen massiv. Die Muttermilch könne ihn ab etwa dem sechsten Lebensmonat allein nicht mehr abdecken, sagt Goldbach. Besonders problematisch ist das beim Eisen. Das Spurenelement ist Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin und für den Sauerstofftransport im Blut zuständig. Babys werden mit einem Eisenspeicher geboren, der meist um den sechsten Monat herum aufgebraucht ist. Wird er dann nicht über die Beikost aufgefüllt, kann die Sauerstoffversorgung der Zellen leiden. Das Kind wirkt müde, antriebslos und blass, neigt zu Infekten, hat keinen Appetit, schwitzt.

Was muss ich bei der Zubereitung beachten?

Den ersten Brei gibt es mittags. Der Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei wird frühestens ab dem fünften und spätestens ab dem siebenten Monat gefüttert. "Aber für die ersten Probierversuche reicht ein Gemüsebrei aus", sagt Tina Goldbach. Er wird löffelweise eine Woche lang zur Milchmahlzeit zugefüttert. Kürbis, Möhre oder Pastinake eignen sich dafür. Eltern, die den Brei selbst kochen, garen das Gemüse salzfrei in etwas Wasser, geben milden Apfelsaft und Rapsöl hinzu. Das Öl liefert ungesättigte Fettsäuren. Hat sich das Baby an die Konsistenz und das Essen vom Löffel etwas gewöhnt, werden Kartoffeln und gegartes, püriertes Fleisch dazugegeben. Rind, Kalb und Geflügel enthalten viel Eisen. Der Körper kann es besonders gut aufnehmen, wenn Vitamin-C-reicher Orangen- oder Apfelsaft untergemischt wird. Der zweite Brei ist ein Milch-Getreidebrei, der ab dem sechsten Monat abends gefüttert wird. Er liefert Kalzium und Eiweiß. "Er sättigt mehr als Milch. Die Babys schlafen oft besser und halten nachts länger durch", so Goldbach. Mit dem Getreide-Obst-Brei, der viele Vitamine enthält, können Eltern ihr Kind ab dem siebenten Monat als Zwischen- oder Morgenmahlzeit versorgen. "Gerade am Anfang ist es wichtig, dass das Baby weiter gestillt wird. Denn von den kleinen Mengen Brei wird es nicht satt", sagt die Diätassistentin. Später ersetzten die Breie jeweils eine Milchmahlzeit. Trotzdem könne zur Stärkung der Bindung zwischen Mutter und Kind weiter gestillt werden. Ab dem zehnten Monat können Eltern ihrem Nachwuchs Brotstückchen ohne Rinde anbieten. Als Aufstrich eignet sich Frischkäse oder Leberwurst. Valeria nimmt inzwischen an den Familienmahlzeiten teil. Ihre Eltern bereiten für sie das gleiche Essen zu wie für sich selbst - nur ungewürzt. Seit die Kleine mitisst, wird nur noch frisch gekocht. Fertigessen kommt nicht auf den Tisch, dafür viel saisonales Gemüse. "Besonders gern mag sie gegarte Möhren- oder Kohlrabisticks", sagt Mama Daniela.

Ist Fertigbrei eine Alternative zu Selbstgekochtem?

Wenn es mal schnell gehen muss, greifen Valerias Eltern auf ein Gläschen zurück. Vorher lesen sie genau die Zutatenliste durch. "Es ist erschreckend, wie viel Zucker und Zusatzstoffe in manchen Produkten stecken", sagt Papa Matthias Görner. Eine aktuelle Untersuchung von Abendbreien der Stiftung Warentest bestätigt diesen Eindruck. 19 Milch-Getreide-Breie zum Anrühren oder im Glas haben die Warenprüfer im Labor analysiert. Nur drei der Breie waren gut: der Grießbrei von Alnatura im Glas sowie die Pulver Bio-Milchbrei Gute Nacht Kinderkeks von Hipp und der Babylove Bio Milchbrei Grieß von dm. Die anderen Produkte enthielten Zucker, Fruchtpulver und sogar kritische Substanzen wie Arsen (in zwei Reisbreien), Chlorat und 3-MCPD-Ester, die möglicherweise Krebs erregen. In elf von zwölf Pulvern fand sich Isododecan, ein Lösungsmittel für Fette. Testverlierer, der Abendbrei Keks von Bebivita, ist vor allem aus ernährungsphysiologischer Sicht durchgefallen. Zu viel Zucker und gesättigte Fettsäuren, dafür viel zu wenig Eisen und kaum Jod. Fazit der Tester: Wenn Fertigbrei, dann Produkte ohne intensive Fruchtzusätze und mit wenig Zucker.

Worauf müssen Vegetarier und Veganer achten?

Das Forschungsinstitut für Kinderernährung rät davon ab, Säuglinge vegetarisch oder vegan zu ernähren. Es drohten "multiple Nährstoffdefizite und Energiemangel", so Leiterin Prof. Dr. Mathilde Kersting. Vegane Kost enthalte nicht ausreichend Kalzium, Jod, Eisen, Vitamin-B-Komplexe und Vitamin D. "Knackpunkt ist das Vitamin B12, das wichtig für die neuronale Entwicklung ist", so Goldbach. Hat das Kind einen dauerhaften Mangel, kann sich seine Entwicklung verzögern, es kann bleibende Defizite etwa in der Motorik und beim Sprechen erleiden. Eltern, die sich für diese Ernährungsweise entscheiden, sollten offen mit dem Kinderarzt sprechen, eventuell einen Bluttest machen lassen und mit einer Ernährungsberatung den Essensplan für ihr Kind abstimmen, rät Goldbach. Die Nährstoffe müssen ersetzt werden.

Wie merke ich, dass mein Baby satt ist?

Manche Kinder machen es ihren Eltern leicht: Sie schlafen beim Essen ein. Andere drehen den Kopf weg, essen langsamer oder hören abrupt auf. "Es ist wichtig, sich beim Füttern auf das Kind zu konzentrieren. Fernseher und Handy stören nur", sagt Tina Goldbach. Eine Mahlzeit dauert rund 20 Minuten. Valeria schafft ihren Fruchtmus schneller. Sie will wieder krabbeln.

Krankenkassen und kommunale Beratungsstellen geben kostenlos Ernährungstipps.


Babybrei selbst gemacht 

Der erste Brei: Gemüse-Kartoffel-Fleisch: 90-100 g Gemüse, 40-60 g Kartoffeln, 15-20 g Obstsaft, 20-30 g Fleisch/Fisch, 8-10 g Rapsöl. Garen, pürieren, Saft und Öl untermischen.

Alternative für Vegetarier - Gemüse-Kartoffel-Getreide: 100 g Gemüse, z.B. Möhre, Blumenkohl, Brokkoli, Zucchini, Kohlrabi, Fenchel, Spinat, Erbsen, 50 g Kartoffeln, 10 g Haferflocken, 30 g Obstsaft, 8 g Rapsöl.

Der zweite Brei: Milch-Getreide: 200 g Milch, 20 g Getreideflocken, 20 g Obstsaft oder -püree. Milch zum Kochen bringen, Flocken einrühren und mehrere Minuten köcheln lassen, das Obst quetschen und unterrühren.

Der dritte Brei: Getreide-Obst: 20 g Getreideflocken, 90 g Wasser, 100 g Obst, 5 g Rapsöl. Wie den Milch-Getreide-Brei zubereiten. Quelle: Gesundheitsamt Dresden

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