Zu wenig Gemüse im Schulessen

Bislang gibt es nur freiwillige Standards für die Verpflegung. In Sachsen jedoch ist nicht eine einzige Schule zertifiziert.

Leckeres Schulessen. Was in den Ohren vieler Kinder nach Wunschdenken klingen dürfte, ist doppelt wichtig. Denn nicht nur die Konzentrationsfähigkeit der Schüler profitiert von einem ausgewogenen Mittagessen, sondern auch ihre Geschmacksbildung - und damit auf lange Sicht die Gesundheit. Rund 96 Prozent der Ostdeutschen wünschen sich deshalb verbindliche Standards für die Schulverpflegung. Das geht aus dem Ernährungsreport 2017 hervor, den das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) im Januar veröffentlicht hat.

"Beim warmen Mittagsangebot muss es eine ausreichend große Auswahl geben, also mindestens drei wechselnde Gerichte, davon mindestens eines vegetarisch", sagt Leonard Kühlewind vom sächsischen Landesschülerrat, der verpflichtende Standards ebenfalls befürwortet. Doch wie sieht die Realität aus?

Qualitätsstandards für die Schulverpflegung gibt es bislang nur auf freiwilliger Basis. Erarbeitet wurden sie im Auftrag des BMEL von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), um Schulen bei der Gestaltung ausgewogener Speisepläne zu helfen. Die DGE rät beispielsweise dazu, dass Getreide- oder Kartoffelprodukte sowie Gemüse täglich auf dem Speiseplan der Schüler stehen sollen. Eine bundesweite Erhebung des BMEL ergab 2015 jedoch, dass über ein Drittel der Schulen nicht täglich Gemüse anbietet. Nicht einmal jede vierte Schule hielt sich an die Empfehlung, höchstens achtmal im Monat Fleisch zu servieren - und packte häufiger Schnitzel, Klops und Co auf die Teller.

Wer sich an die Kriterien hält, kann sich vom DGE zertifizieren lassen. Besonders streng wird dabei aber nicht verfahren. Obwohl nur 60 Prozent Zielerfüllung ausreichen, gibt es bundesweit gerade einmal 52 zertifizierte Schulen und 38 zertifizierte Caterer. Sachsen bildet auf der DGE-Landkarte einen nahezu weißen Fleck. Trotz Ministeriumsempfehlung ist im Freistaat bislang keine einzige Schule zertifiziert. Selbst an deren Bekanntheitsgrad mangelt es: Laut einer Studie des BMEL waren die Ernährungskriterien Anfang letzten Jahres an weniger als der Hälfte der sächsischen Schulen überhaupt bekannt.

Bei den Lieferanten sieht es nur geringfügig besser aus. Gerade einmal zwei Caterer haben das Zertifikat erhalten. Der eine ist Apetito. In ganz Deutschland versorgt das Unternehmen täglich rund 375.000 Kinder und Jugendliche, genaue Zahlen für Sachsen liegen nicht vor. Mindestens zwei und maximal vier Gerichte stehen je nach Einrichtung täglich zur Auswahl, davon ist in der Regel eines vegetarisch. Zudem gibt es eine Frischetheke für Obst und Salate. "Wir begrüßen Initiativen, die die Qualität und Professionalität in der Gemeinschaftsverpflegung von Kindern und Jugendlichen fördern und verbessern", so Apetito-Sprecher Markus Päsler. "Wir befürworten einheitliche Richtlinien und Vorgaben sowie intensive Kontrollen zu deren Umsetzung", sagt auch Johannes Karbow vom Catering-Unternehmen Sodexo, das ebenfalls von der DGE zertifiziert ist. Entsprechende Standards würden die Vergleichbarkeit der Anbieter erleichtern und somit flächendeckend zu einer besseren Schulverpflegung führen, sagt er.

In Sachsen versorgt das Unternehmen täglich gut 22.000 Schüler mit bis zu vier unterschiedlichen Menüs. Das Angebot umfasst sowohl eine vegetarische Menülinie als auch eine mit Fleisch. Auch hier gibt es ein Frischebuffet mit Obst und Gemüse. "Was Lebensmittel angeht, leben die Deutschen allerdings auf äußerst kleinem Fuß und wenden im Vergleich mit anderen europäischen Ländern wenig Einkommen für die Ernährung auf", so Karbow. "Der Preisdruck führt dazu, dass es zu Einbußen bei der Qualität kommen kann."

Die aktuellste Erhebung zur Schulverpflegung in Sachsen entstand 2010 im Auftrag des Kultusministeriums. Sie zeigte insbesondere bei Gemüse und Fleisch starke Abweichungen von den Empfehlungen der DGE. So boten damals nur 35 Prozent der Schulen täglich Gemüse oder Rohkost an. Zugleich wurden an 20 Verpflegungstagen im Durchschnitt 17 fleischhaltige Gerichte angeboten - mehr als das Doppelte der empfohlenen Menge.

"Die Ergebnisse der Studie kann ich bestätigen", sagt Manuela Sorg, Projektleiterin der sächsischen Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung. Sie unterstützt die Einrichtungen dabei, ihr Essensangebot entsprechend der DGE-Empfehlungen zu optimieren. Bedarf sieht sie vor allem bei der Ausgewogenheit der angebotenen Speisen. Sie wünscht sich, dass die Umsetzung der DGE-Standards in den Verträgen zwischen Schulen und Caterern festgelegt wird. Das ist auch das Ziel des Nationalen Qualitätszentrums für Ernährung in Kita und Schule, das im September vom BMEL eingerichtet wurde. Zur Eröffnung hatte Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) erklärt, die Qualitätsstandards der DGE sollten bei Ausschreibungen für die Schulverpflegung verpflichtend werden.

Abwechslung auf dem Teller

Eine Checkliste für die Schulverpflegung hat die DGE herausgebracht. Für 20 Verpflegungstage gilt.

Kartoffeln: sollte es an maximal vier Tagen geben, Vollkornprodukte an mindestens vier Tagen.

Gemüse und Salat: Gemüse, Hülsenfrüchte oder Salat sollten jeden Tag auf den Tisch. Mindestens achtmal empfehlenExperten Rohkost.

Obst darf immer, mindestens jedoch achtmal auf den Speiseplan.

Milchprodukte sollten mindestens achtmal angeboten werden.

Fleisch und Wurst dürfen höchstens achtmal angeboten werden.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Interessierte
    24.04.2017

    Die aktuellste Erhebung zur Schulverpflegung - in Sachsen ...
    So boten damals nur - 35 Prozent - der Schulen täglich Gemüse oder Rohkost an. Zugleich wurden an 20 Verpflegungstagen im Durchschnitt - 17 fleischhaltige Gerichte angeboten - mehr als das Doppelte der ´empfohlenen` Menge.

    >
    Und wenn die Sachsen nun gerne Fleisch essen ?
    Man muß sich ja nun nicht auch noch die Essgewohnheiten aus dem Westen vorschreiben lassen ...
    Die Westler essen zum Beispiel früh Müsli und trinken Orangensaft , das ist nun nicht unbedingt der Sachsen Sache ...
    Und viel Sachsen sagen beim Gemüse auch , ich bin kein Karnickel ...
    Und die Sachsen trinken ja laut Nachrichten von gestern auch das meißte Bier ...
    Die Sachsen scheinen wohl in vielen Fällen ´ganz anders` zu ticken als der Westen ?
    Irgendwie scheint das nicht so richtig zu klappen mit der Integration in den amerikanisierten Westen ?
    Man will uns hier etwas aufzwingen und dann wundert man sich über die Reaktionen ...

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    Interessierte
    24.04.2017

    Denn nicht nur die Konzentrationsfähigkeit der Schüler ´profitiert` von einem ausgewogenen Mittagessen ...
    Eine bundesweite Erhebung des BMEL ergab 2015 jedoch, dass über ein Drittel der Schulen ´nicht täglich` Gemüse anbietet ...
    Sachsen - bildet auf der DGE-Landkarte einen nahezu - weißen Fleck ?..

    >
    Ich finde es ja gut , dass man sich diesbezüglich sorgt , aber ich finde das auch bißchen übertrieben ...
    Wir hatten früher auch nur das ´normale` Mittagessen , manchmal hatten auch nur Schnitten gereicht , wenn man abends zuhause Warm und Gemüse und Obst gegessen hatte und wir waren trotzdem konzentriert und brachten gute Noten ...

    Wenn das Geld aber bei den Eltern heute nicht mehr reicht für Warm und Obst und Gemüse , dann ist es natürlich richtig , wenn man sich kümmert und die Kinder zumindest in der Schule etwas bekommen ?
    Ich habe schon aus den Armenvierteln im Westen gehört , dass es in manchen Familien 3x am Tag Toastbrot gibt ?



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