Banken müssen jährlich über Konto-Gesamtkosten informieren

Wenn für das Girokonto hohe Gebühren anfallen, lohnt sich oft ein Kontowechsel. Wichtig ist aber, dass Verbraucher sich vorher ihre Bedürfnisse klar machen. Eine Neuregelung soll den Vergleich der Gebühren nun vereinfachen. Worauf müssen Kontoinhaber achten?

Frankfurt (dpa) - Was kostet mein Girokonto einschließlich aller Gebühren? Von November an müssen Kreditinstitute ihre Kunden einmal im Jahr über die Gesamtkosten informieren. Dazu zählen beispielsweise auch die Zinsen für den Dispositionskredit oder mögliche Entgelte für Überweisungen in Papierform.

Für einen besseren Kostenüberblick

Bislang mussten sich Verbraucher die Informationen meist mühsam auf dem Kontoauszug zusammensuchen. Verbraucherschützerin Dorothea Mohn lobt die jährliche Information als «Verbesserung gegenüber dem bisherigen Stand». «Es ist ein wichtiges Instrument, um Bankkunden für die Kosten zu sensibilisieren und die Bereitschaft zum Kontowechsel zu erhöhen», sagte die Leiterin des Finanzmarktteams des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv).

Um Verbrauchern den Vergleich der Girokonto-Entgelte zu erleichtern, müssen die Kredithäuser vor Abschluss des Vertrages zur Kontoeröffnung zudem eine Kostenübersicht erstellen. Dabei müssen sich die Institute an bestimmte Begriffe halten, die von der Finanzaufsicht Bafin festgelegt wurden. «Die Grundidee ist gut, wie hilfreich die Informationen in der Praxis sind, müssen wir abwarten», sagte Mohn. Die Vorschriften traten am 31. Oktober in Kraft.

Vergleichsportale

Bedauerlich sei, dass es die geplanten Internetseiten mit einem kostenlosen und objektiven Kostenvergleich der verschiedenen Kontomodelle noch nicht gebe, sagte Mohn weiter. «Ohne dieses Instrument wird ein Vergleich für Verbraucher schwieriger. Wir hoffen, dass die Websites zeitnah kommen.»

Das Problem: Bislang gibt es keine Stelle, die die Portale prüft und zertifiziert. Prüforganisationen hätten noch keine entsprechenden Anträge bei der Deutschen Akkreditierungsstelle gestellt. Die Bundesregierung arbeite intensiv daran, die Bekanntheit des Verfahrens zu steigern, erklärte das Bundesfinanzministerium.

Immer mehr Banken nehmen Kontogebühren

Viele Kreditinstitute erhöhen in der Zinsflaute die Gebühren. Lange verdienten die Finanzhäuser gut daran, dass sie mehr Zinsen für Kredite kassierten, als sie Sparkunden zahlten. Doch die Differenz aus beidem, der Zinsüberschuss, schrumpft in Zeiten der Niedrigzinsen. Hatten Banken und einige Sparkassen Gratiskonten früher gezielt zur Kundenwerbung eingesetzt, zwingen auch höhere Kosten und teure Filialen die Geldhäuser zum Umdenken.

Nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Vorstand Frank Strauß normalisiert sich der deutsche Markt, «überall führen Banken - auch die Direktbanken - Gebühren für Girokonten ein». Es sei «vollkommen richtig», für Dienstleistungen im Bankgeschäft Geld zu verlangen, sagte der Privatkunden-Vorstand und langjährige Postbank-Chef jüngst der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «Sie gehen ja auch nicht zum Friseur und sagen: Ich bezahle nichts.»

Wann sollte man über einen Wechsel nachdenken?

Wer für sein Girokonto im Jahr mehr als 60 Euro an Gebühren zahlt, sollte über einen Kontowechsel nachdenken. Das rät die Stiftung Warentest. Zunächst können Verbraucher dazu bei der eigenen Bank nach einem günstigeren Modell fragen. Ist kein passendes Angebot dabei, sollten sie die Bank wechseln.

Wichtig beim Anbietervergleich ist, nicht nur auf die Gebühren für die eigentliche Kontoführung zu achten. Auch weitere Kosten zum Beispiel für das Geld abheben oder Überweisen sollten in die Rechnung einbezogen werden.

Bestandsaufnahme wichtig

Vor dem Wechsel sollten Verbraucher zunächst eine Bestandsaufnahme machen und ihren Bedarf ermitteln: Was zahle ich derzeit für welche Leistung und welche Leistungen brauche ich wirklich? Für manche Verbraucher eignet sich eine Filialbank mit persönlicher Beratung, für andere eine rund um die Uhr online erreichbare Direktbank. Prämien oder kurzfristige Vorteile sollten bei der Entscheidung für einen Anbieter nicht ausschlaggebend sein, empfehlen die Warentester.

Kontowechselhilfe

Damit der Wechsel reibungslos gelingt, können Kunden die gesetzliche Kontowechselhilfe nutzen. Damit ermächtigen sie die neue Bank, dass sie bei der alten alle nötigen Daten für den Wechsel anfordern darf. Nach Angaben der Warentester ist für Onlinekunden meist der digitale Kontowechselservice besser. In jedem Fall erhalten Kunden dann eine Liste mit den Buchungen der vergangenen 13 Monate - sortiert nach Daueraufträgen, Lastschriften und Geldeingängen.

So können Verbraucher wichtige Zahlungspartner über die neue Kontoverbindung informieren - zum Beispiel Arbeitgeber, Vermieter, Stromversorger und Telekommunikationsanbieter. Das alte Konto sollte erst gekündigt werden, wenn alle die neue Kontoverbindung bestätigt haben.

Wann sind Konten kostenlos?

Ein kostenloses Girokonto ohne Bedingungen gibt es kaum noch - es ist also sinnvoll die Voraussetzungen vorab zu prüfen. Oft verlangen die Banken einen regelmäßigen Geldeingang oder dass der Kunde sein Konto online führt, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt («Finanztest»-Ausgabe 9/2018).

Von 270 untersuchten Kontomodellen war weniger als die Hälfte kostenlos oder lag bei weniger als 60 Euro Jahresgebühr, wenn Kunden die Bedingungen erfüllt haben. Fließen im Monat mindestens 1000 Euro aufs Konto, waren noch mehr Konten gratis.

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