Lebensversicherungen haben bei der Rendite die Talsohle erreicht

Die Verzinsung der Policen ist auf einem historisch niedrigen Niveau. Doch inzwischen gibt es in der Branche auch Lichtblicke.

Chemnitz.

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und der Aufbau von milliardenschweren Kapitalpuffern haben in den vergangenen Jahren die Lebensversicherer schwer unter Druck gesetzt. Die Lage ist zwar immer noch angespannt, doch inzwischen können die Versicherten auf ein Ende der Zins-Talfahrt bei diesem Klassiker der Altersvorsorge hoffen. 2018 hatten viele Versicherer ihre Verzinsung noch einmal gesenkt. "2019 dürfte die Verzinsung im Schnitt weitgehend konstant bleiben", sagte Branchenexperte Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata. Das ist zum Beispiel beim Branchenprimus Allianz Leben der Fall. Der Lebensversicherer mit mittlerweile über zehn Millionen Kunden hält die laufende Verzinsung in der klassischen Lebens- und Rentenversicherung mit 2,8Prozent stabil. Dazu kommen noch der Schlussüberschuss und die Beteiligung an den Bewertungsreserven, sodass bei den klassischen Policen eine Gesamtverzinsung von 3,4 Prozent erzielt wird, im Vorsorgekonzept Perspektive sogar 3,7 Prozent. "Wir erwirtschaften eine stabil hohe Verzinsung aus unseren Kapitalanlagen", erklärte Markus Faulhaber, Vorstandschef der Allianz Leben, das Ergebnis.

Die laufende Verzinsung der Versicherungen ergibt sich aus dem Garantiezins und der sogenannten Überschussbeteiligung, über deren Höhe die Versicherer je nach Konjunktur und Erfolg ihrer Anlagestrategie jedes Jahr neu entscheiden. Wegen des anhaltenden Niedrigzinses fällt es den Unternehmen allerdings immer schwerer, die hohen Versprechen von einst an den Kapitalmärkten zu erwirtschaften.

Ein klares Votum für Lebens- und Rentenversicherungen sieht Ralf-Joachim Götz, Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung (DVAG) in der stabilen laufenden Verzinsung. "Angesichts der wieder anziehenden Inflation spürt der Sparer den Kaufkraftverlust, wenn er das Geld unters Kopfkissen steckt oder auf dem Sparbuch liegen lässt", sagte Götz. Zwar klinge eine Mindestverzinsung von 0,9 Prozent "nicht so sexy", doch wenn am Ende eine drei vor dem Komma stünde, sei das eine ordentliche Rendite. Die DVAG vertreibt unter anderem die Lebensversicherungen der Generali-Gruppe sowie der Aachen-Münchener. In Südwestsachsen erreicht der Finanzvertrieb mit 400 Beratern einen Marktanteil von elf Prozent. Bundesweit hat das Unternehmen knapp sechs Millionen Kunden.

Bei einigen Versicherern ist die Talsohle bei der laufenden Verzinsung bereits durchschritten. So können sich die Kunden der Ideal Lebensversicherung auf eine Erhöhung von 3,0 Prozent auf 3,3 Prozent freuen. Auch die Policen der DEVK Allgemeine Leben werfen mit 2,5 statt 2,3 Prozent etwas mehr ab. Andere Anbieter wie die Axa, die Ergo Vorsorge Leben, die Nürnberger Lebensversicherung, die Alte Leipziger, die Württembergische und die R+V Leben halten die Verzinsung wie der Marktführer Allianz stabil.

Die Unternehmen begründen das zumeist mit ihrem gelungenen Agieren auf den Finanzmärkten. "Unser umsichtiges Vorgehen im Kapitalmarkt erlaubt es uns, auch in diesem Jahr die Gesamtverzinsung konstant zu halten", sagte Ergo-Chef Michael Fauser. Bis die Verzinsung von Lebensversicherungen allerdings auf breiter Front wieder steigt, wird aller Voraussicht nach noch einige Zeit vergehen.mit dpa

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