Lieber Geld statt Rente

Viele Versicherte unterschätzen das Risiko, sehr alt zu werden. Bei Dauerrenten gibt es unterschiedliche Modelle.

Die staatliche Rente reicht oft nicht mehr zum Erhalt des Lebensstandards im Alter. Zwar haben viele Haushalte zusätzliche private Rentenversicherungen abgeschlossen. Doch am Ende der Vertragslaufzeit entscheiden sich zwei von drei Kunden für die Auszahlung des angesparten Vermögens auf einen Schlag. "Das Risiko, länger zu leben als das angesparte Geld reicht, ist eines der am meisten unterschätzten finanziellen Risiken", sagt Wissenschaftler Jochen Ruß vom Ulmer Institut für Finanz- und Versicherungswissenschaften.

So würden sich viele Versicherte bei der Frage nach ihrer Lebenserwartung am Sterbealter ihrer Eltern oder Großeltern orientieren und errechnen auf dieser Basis ihren finanziellen Bedarf im Alter. Dabei ist die Lebenserwartung inzwischen deutlich angestiegen. Auch sei der Wunsch, sofort etwas zu besitzen, eine generelle menschliche Triebfeder. "Die Rentenversicherung wird nach falschen Kriterien bewertet", so Ruß. Die Absicherung des Lebensunterhalts bis zum Lebensende werde als weniger wichtig als eine gute Verzinsung eingestuft.

Deshalb plädiert er für die lebenslange Zahlung, zumindest für Haushalte im Mittelstand. Bei Wohlhabenden spiele die Privatrente ohnehin keine existenzielle Rolle, für Haushalte mit geringer gesetzlicher Rente lohne die Auszahlung mehr, weil bei der Grundsicherung im Alter etwaige Privatrenten angerechnet werden.

Ein Problem der Versicherungsbranche ist der Vertrauensverlust. Ein Beispiel liefert gerade das Unternehmen Generali, das seinen Bestand von vier Millionen Verträgen an einen Abwickler veräußert. Auch der Umgang mit den komplizierten Bewertungsreserven zulasten vieler Versicherter hat das Ansehen der Sparte nicht gerade gehoben. Ein Risiko für Kunden bestehe beim Verkauf von Vertragsbeständen nicht, betont Peter Schwark, Geschäftsführungsmitglied des Versichererverbands GDV. Tatsächlich unterliegen Verträge deutschem Versicherungsrecht, selbst wenn ein britischer oder chinesischer Aufkäufer neuer Eigentümer wird. Das gilt auch für die zugesagten Leistungen. Der Finanzexperte der Grünen im Bundestag, Gerhard Schick, sieht das ganz anders. Die langfristige Beteiligung an den Überschüssen könne sinken, die Kapitalausstattung und der Service schlechter sein, warnt Schick.

Vor Ablauf des Vertrages, meist drei Monate vor dem Stichtag, muss der Kunde die Entscheidung zwischen einer Einmalzahlung oder einer Dauerrente treffen. Fällt die Entscheidung trotz der bei vielen Kunden bestehenden Unsicherheit über die künftige Entwicklung der Branche für eine Rente, ist das Zusatzeinkommen bis zum Lebensende gesichert. Es gibt aber unterschiedliche Modelle für diese Phase. "Nur mit der bei Vertragsbeginn garantierten Rente kann ein Kunde von vornherein sicher planen", sagt die Stiftung Warentest.

Die Unternehmen haben drei unterschiedliche Modelle verkauft. Bei der "Konstanten Rente" wird eine angenommene Überschussbeteiligung gleich mitbezahlt. Das Problem: Erreicht die Versicherung die prognostizierte Verzinsung, kann die Rente auch sinken. Die "Teildynamische Rente" steigt mit den Jahren leicht an und bleibt wenigstens auf dem gerade erreichten Niveau. Beim dritten Modell, der "Volldynamischen Rente", ist die Auszahlung anfangs niedriger als bei der konstanten Rente. Durch Überschüsse erhöht sie sich jedoch von Jahr zu Jahr. Die Entscheidung für eine der Varianten muss im günstigsten Fall erst vor Rentenbeginn getroffen werden. Mitunter fällt sie aber auch schon beim Vertragsabschluss. Die Stiftung Warentest rät zu einer dynamischen Rente, wenn jemand sichergehen will, dass eine einmal erreichte Rentenhöhe garantiert nicht mehr sinken soll. "Das schützt vor Kürzungen, wenn die Überschüsse zurückgehen", erläutern die Experten.

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