Abnehmen mit Metabolic balance - geht das?

Personalisierte Diäten sind Trend. Sie sollen den Stoffwechsel verbessern. Deshalb beginnen ihre Namen oft mit "Metabolic". Aufgrund geheimnisvoller Analysen gelten bestimmte Lebensmittel als gut oder schlecht. Ein Selbsttest.

Das Abnehmprogramm Metabolic balance hat vier Phasen und nach eigenen Angaben Zehntausende zufriedene Kunden. Werde ich dazugehören? Immer mehr Kur- und Sporthotels bieten das Stoffwechselprogramm in Verbindung mit Bewegung und Entspannung an. Eines davon liegt im bayerischen Oberstaufen. Dort ziehe ich für eine Woche ein.

Das Diät-Prinzip: Bestimmte Kohlenhydrate, zum Beispiel Nudeln, Reis, Zucker- und Weißmehlprodukte, führen zu einem raschen Blutzuckeranstieg, verbunden mit einer hohen Insulinausschüttung - auch glykämischer Index genannt. Stürzt der Blutzucker dann wieder ab, bleibt der Insulinspiegel noch lange hoch. Das behindert den Fettabbau und fördert Heißhungerattacken. Dieses Prinzip ist wissenschaftlich bewiesen, aber nicht neu. Verschiedene Diäten - so auch die Schlank-im-Schlaf-Methode - arbeiten danach. Metabolic balance nutzt Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index, zu denen Eiweiß, Gemüse aber auch Roggenvollkornbrot und bestimmte Obstsorten gehören. Welche man essen darf, wird anhand einer Blutanalyse ermittelt. Sie ist das größte Geheimnis bei Metabolic balance.

Die Blutwerte: Meine Ausgangssituation ist recht gut. Keine Ausreißer - weder beim Blutzucker noch bei den Blutfetten. Ein Schilddrüsenwert ist etwas niedrig, was auf eine leichte Überfunktion hindeutet. "Ihr Stoffwechsel arbeitet dadurch schneller. Das muss also kein Nachteil sein, solange es im Rahmen bleibt", sagt Ernährungsberaterin Dana Meyer. Aus den Laborwerten werden Schlüsse auf die Leber- und Nierentätigkeit, auf Allergien, den Flüssigkeitshaushalt und Entzündungsreaktionen gezogen. Ein leicht erhöhter Hämatokritwert zum Beispiel deutet auf viele feste Zellbestandteile im Blut hin. Es ist quasi zu "dick". "Trinken Sie zuwenig?", fragt mich Dana Meyer. Ich erinnere mich an so manchen Arbeitstag, als meine vorsorglich gefüllte Teekanne am Abend noch voll war.

Ernährungsmediziner und Internist Dr. Hans-Harald Köhler erklärt, dass ihm die Laborergebnisse Sicherheit geben, dass der Teilnehmer gesund ist und die Ernährungsumstellung damit auch gut meistert.

Der Ernährungsplan: Anhand von 36 Laborwerten erstellt eine Software einen Ernährungsplan - erfunden von dem Internisten Dr. Wolf Funfack und der Ingenieurin Silvia Bürkle. Für den Zusammenhang der Laborwerte mit bestimmten Lebensmitteln gibt es Experten zufolge aber keinen wissenschaftlichen Beweis.

Die Software basiert auf dem Bundeslebensmittelschlüssel. Hier ist jedes Lebensmittel in Deutschland mit seiner Zusammensetzung hinterlegt. Hinzu kommen bestimmte Körpermaße, zum Beispiel Taillen- und Hüftumfang, die Aufschluss über die Menge an gefährlichem Bauchfett geben. Auch das Gewicht fließt mit ein, um die für den Grundumsatz erforderliche Kalorienzahl zu ermitteln. Mehr erfahre ich über das Programm nicht.

Pro Tag kann ich 1400 bis 1900 Kilokalorien zu mir nehmen, da ich nicht übergewichtig bin. Die Tageskalorienzahl variiert, je nachdem, ob ich Brot brauche oder nicht.

Meine Lebensmittelliste ist recht umfangreich, da ich keine Allergien oder Überempfindlichkeiten habe. Doch warum stehen bei Fisch nahezu alle Sorten außer Kabeljau? Warum in der Rubrik "Nüsse" nur Mandeln und warum bei Hülsenfrüchten weiße Bohnen und Linsen, aber keine gelben Erbsen? Das kann auch die Ernährungsberaterin nicht klären. Wohl aber das Fehlen von Tomaten. Ich soll sie höchstens zweimal pro Woche essen, steht im Plan. "Offensichtlich haben Sie bisher sehr viele Tomaten gegessen, Ihr Körper ist satt davon", so Meyer. Sie hat recht. Tomaten gehören zu meinem Lieblingsgemüse. Doch sie enthalten Oxalsäure, die den Knochen Kalzium entzieht, was in meinem Alter durchaus relevant sei. Ich bin beeindruckt.

Um den Stoffwechsel anzukurbeln, enthalten die empfohlenen Salatsorten Bitterstoffe. Das hemmt auch den Heißhunger. Dass es zu jeder Mahlzeit Obst gibt, wundert mich aber. Obst enthält doch viel Fruchtzucker. Doch Obst ist nicht gleich Obst, wie ich lerne. Bestimmte Sorten wie Apfel, Papaya und Mango regen den Stoffwechsel an und enthalten wenig Säure, dafür aber für den Zellschutz wichtige Polyphenole. Deshalb ist ein Apfel pro Tag Pflicht. Mal bekomme ich ihn liebevoll in Scheiben geschnitten, mal geraspelt und mit Zimt oder Vanille verfeinert. Sogar gedünstet darf er sein. Wasser soll ich knapp drei Liter pro Tag trinken, mehr als üblich - wegen meines Defizits. Kaffee oder Tee gibt es nur zu den Mahlzeiten.

Mit der Lebensmittelliste kann ich gut leben. Heißt es doch oft, bei Metabolic balance gäbe es kaum Kohlenhydrate. Dass das vereinzelt so sein kann, erfahre ich später.

Die Mahlzeiten: Mein Frühstück besteht aus 195 Milliliter Milch oder Joghurt, dazu 35 Gramm Haferflocken oder eine Scheibe Brot. Eine dritte Variante, die etwas gewöhnungsbedürftig ist, besteht aus 25 Gramm Mandeln, 20 Gramm Sonnenblumenkernen (geröstet) mit 80Gramm gedünstetem Gemüse. Es gab Zucchini - die habe ich noch nie zum Frühstück gegessen. Die gerösteten Kerne schmecken aber gut und sättigen auch. Mittags gibt es 125 Gramm gedünstetes Gemüse oder frischen Salat - ohne Öl. Dazu entweder 80 Gramm Schafskäse, 125 Gramm Geflügel oder 70 Gramm Linsen. Maximal zwei Scheiben Brot dürfen es sein, ich nehme meist nur eine. Das Abendessen besteht aus 135 Gramm Fisch, Fleisch oder Ei, dazu 135 Gramm Gemüse sowie Brot.

Natürlich interessiert es mich, was meine Tischnachbarn essen. Eine Frau hat morgens nie Obst auf dem Teller - bis auf den Apfel. Der Blutzucker könnte bei ihr etwas erhöht sein, erklärt die Ernährungsberaterin. Aber vielleicht gibt es auch andere Ursachen - Datenschutz! Ein recht kräftiger junger Mann bekommt nie Brot. Sein Essen ist eiweißbetonter. Die Portionen sind klein. Irgendwie tut er mir leid.

Das Ergebnis: Die Woche war abwechslungsreich, ich hatte nie Hunger und fühlte mich fit. Ab der zweiten Woche vermisste ich die Kartoffeln. Wegen des glykämischen Index waren sie gestrichen. 1,3 Kilogramm habe ich nach einer Woche und knapp ein Kilo in der zweiten Woche zu Hause abgenommen.

Metabolic balance kann man gut durchhalten, wenn wie in meinem Falle alles mundgerecht serviert wird. Der Einkauf für zu Hause und das Abwiegen aufs Gramm genau ist später im Alltag allerdings schwierig und nervt. Einer in der Familie muss dann immer die Reste vertilgen. Ich habe mir die Portionsgrößen eingeprägt und schätze die Menge jetzt ab. Wenn ich drei Kilogramm vor dem Wunschgewicht bin, kann ich in die dritte, die gelockerte Phase übergehen. Dann gibt es auch mal Kartoffeln. Darauf freue ich mich schon.

Die Kosten: Bluttest und Ernährungsberatung zu Hause kosten rund 300 Euro. Als Gesundheitsurlaub bietet das Fünf-Sterne-Hotel Allgäu Sonne in Oberstaufen eine Woche Metabolic balance mit Blutuntersuchung und Betreuung durch Ernährungsberater für rund 1400 Euro an, zwei Wochen für 2500 Euro. Ohne Blutuntersuchung (für Auffrischer) sind knapp 1200 Euro zu zahlen.

www.metabolic-balance.com

Das Programm Metabolic balance hat vier Phasen

1. In der Entlastungsphase wird der Körper auf die Umstellung vorbereitet. Zwei Tage gibt es nur leichte Kost, zum Beispiel Gemüse oder Reis.

2. Die strenge Umstellungsphase dauert mindestens zwei Wochen. Gegessen wird nach einer Lebensmittelliste.

3. Die gelockerte Umstellungsphase geht bis zum Wunschgewicht und hat eine erweiterte Lebensmittelliste.

4. In der Erhaltungsphase gibt es Normalkost. Bei Zunahme beginnt wieder die strenge Phase.

Folgende Regeln sind zu beachten:

1. Nur drei Mahlzeiten am Tag.

2. Nach jeder Mahlzeit fünf Stunden Pause bis zur nächsten Mahlzeit. Dazwischen gibt es nur Wasser.

3. Eine Mahlzeit dauert maximal eine Stunde.

4. Jede Mahlzeit beginnt mit einem Bissen Eiweiß. Die erste Enzymreaktion im Mund soll die Insulinausschüttung bestimmen.

5. Pro Mahlzeit nur eine Sorte Eiweiß essen, also entweder Fisch, Fleisch, Käse oder Ei, um Übersäuerung zu vermeiden.

6. Nach 21 Uhr nichts mehr essen.

7. Über den Tag verteilt mindestens 35 Milliliter Wasser pro Kilogramm Körpergewicht trinken.

8. Das Obst, das es täglich zu den Mahlzeiten gibt, wird nicht vorweg, sondern während der Mahlzeit, aber besser als Dessert gegessen. rnw

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