AOK verzeichnet Rekord-Krankenstand in Sachsen

Jeder beschäftigte Versicherte war 2018 im Durchschnitt 20,6 Tage krankgeschrieben. Was sind die Gründe dafür?

Dresden.

Die Sachsen sind immer häufiger krank. Das geht aus dem am Mittwoch vorgestellten Gesundheitsbericht der AOK Plus hervor. Dazu wurden die Daten von mehr als einer Million AOK-versicherten Arbeitnehmern im Freistaat ausgewertet, die aufgrund des Marktanteils der Kasse als repräsentativ für den gesamten Freistaat gelten.

Demnach stieg der Krankenstand in Sachsen von 5,5 Prozent im Jahr 2017 auf den neuen Höchstwert von 5,7 Prozent im vergangenen Jahr. Den niedrigsten Wert gab es 2006 mit 3,7 Prozent. Jeder AOK-Plus-versicherte Beschäftigte in Sachsen war im Durchschnitt 20,6 Tage krankgeschrieben. Nur 41 Prozent der Arbeitnehmer fehlten überhaupt nicht. Die meisten Ausfalltage wurden erneut durch Muskel- und Skeletterkrankungen verursacht (21,0 Prozent), gefolgt von Atemwegserkrankungen mit 14,9 Prozent. Die psychischen Erkrankungen (11,1 Prozent) landeten auf Rang 3 und damit erstmals vor den Verletzungen mit 10,8 Prozent.

Mehr als sechs Wochen waren 4,1 Prozent der Beschäftigten krank. Diese Langzeiterkrankungen verursachten 38,1 Prozent aller Ausfalltage. Den höchsten Krankenstand bei den AOK-Mitgliedern hatte die Branche Öffentliche Verwaltung/Sozialversicherung mit 6,8 Prozent. Den niedrigsten Wert gab es im Wirtschaftszweig Banken/Versicherungen mit 4,8 Prozent.

Doch wovon hängt es ab, ob und wie lange man krank ist? Vom Alter? Vom Beruf? Oder vom Geschlecht? Tatsächlich gibt es viele Faktoren, die das Gesundheitsrisiko beeinflussen. Das Wissenschaftliche Institut der AOK hat die Faktoren näher untersucht. Eine Erkenntnis: "Die Art der beruflichen Tätigkeit beeinflusst die Fehlzeiten stärker als das Alter." Für die Analyse wurden die Krankschreibungen aller AOK-Mitglieder im vergangenen Jahr ausgewertet.

Frauen machen etwas weniger als die Hälfte aller AOK-Mitglieder in Sachsen aus, sie sind aber in den meisten Altersgruppen häufiger krankgeschrieben. Erst in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen ändert sich dieses Bild. Hier waren im Schnitt 10,3 Prozent der Männer, aber nur 9,6 Prozent der Frauen arbeitsunfähig. Zum Vergleich: In der Gruppe der 25- bis 29-Jährigen betrug der Krankenstand bei Männern 3,8 und bei Frauen 3,9 Prozent.

Schwerer Job, häufige Fehlzeiten? Das klingt logisch, stimmt aber nur zum Teil, belegt die Analyse. Die höchsten Fehlzeiten in Sachsen verursachten Beschäftigte in der industriellen Gießerei (33,4 Tage), gefolgt von Textilherstellern sowie Straßen- und Tunnelwärtern (je 31,3). Danach folgt der Bereich des Dialogmarketings, also vornehmlich Mitarbeiter von Callcentern (29,8). Ebenfalls über dem Landesdurchschnitt (20,6 Fehltage) lagen Tierproduzenten, Beschäftigte in der Ver- und Entsorgung, Bus- und Straßenbahnfahrer sowie Pflegekräfte. Auf Bundesebene führen Berufsgruppen aus der Ver- und Entsorgung die Liste der Ausfalltage an. Die wenigsten Fehlzeiten entstanden sachsenweit an den Hochschulen (7,1), bei Ärzten (8,6) und Softwareentwicklern. Auch Grundschullehrer fehlten eher selten.

Auffällige Unterschiede zeigt die Analyse bei einem Vergleich des Krankenstandes nach Landkreisen und kreisfreien Städten. Entscheidend ist dabei nicht der Wohn-, sondern der Arbeitsort.

Demnach waren 2018 im Kreis Nordsachsen im Schnitt 6,4 Prozent der Versicherten krankgeschrieben - deutlich mehr als im Landesmittel (5,7 Prozent). Die geringsten Krankenstände weisen die drei Großstädte auf, allen voran die Landeshauptstadt.

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