App soll Parkinson erkennen

Die Nervenkrankheit wäre gut zu therapieren. Das Problem: Betroffene gehen oft viel zu spät zum Arzt. Eine Handyanwendung soll das jetzt ändern.

Es sind alarmierende Zahlen. Das Uniklinikum Dresden rechnet bis 2030 mit einer Verdopplung der Patienten mit fortgeschrittenen Parkinson-Symptomen auf rund 64.000 in Sachsen. "Der Leidensdruck der Betroffenen ist immens", schrieb die Deutsche Gesellschaft für Neurologie zum Welt-Parkinson-Tag am 11.April. Der Aufruf: Die Nervenkrankheit stärker ins Bewusstsein rücken und an Früherkennung und Therapie forschen.

Das Problem bei Parkinson: Für eine effektive Behandlung wird die Krankheit oft viel zu spät erkannt. "Erste Anzeichen zeigen sich teils schon 20 Jahre bevor die Leute das erste Mal zum Arzt gehen", sagt Lisa Klingelhöfer, Neurologin am Uniklinikum Dresden. Diese ersten Symptome seien jedoch milde und würden Betroffene kaum in ihrem alltäglichen Leben einschränken. Der Gang zum Arzt bleibe daher oft aus.

Mit Informatikern und Medizinern aus fünf weiteren EU-Ländern haben Klingelhöfer und andere Ärzte vom Uniklinikum Dresden daher eine App für das Smartphone entwickelt, die bei der Früherkennung helfen soll. Seit zwei Jahren kann "i-Prognosis" vom Google App-Store geladen werden. "Wir wollen die Möglichkeiten des Smartphones nutzen, um den Krankheitsverlauf zu verlangsamen", sagt Parkinson-Spezialistin Klingelhöfer. Zwar könne Parkinson bislang nicht geheilt werden, eine frühe Erkennung ermögliche aber Therapien, die die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigern.

Derzeit befindet sich das Projekt in der Forschungsphase und wird von der EU bis 2021 mit etwa vier Millionen Euro gefördert. "Das i-Prognosis-Projekt ist in diesem Umfang nicht mit anderen Anwendungen vergleichbar. Die App wird in Fachkreisen als sehr vielversprechend eingeschätzt", sagt Günther Höglinger, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen.

Nach dem Laden auf das Smartphone läuft die App im Hintergrund und misst etwa, wie flüssig Nutzer Nachrichten eintippen. Auch unregelmäßige Druckkraft beim Eingeben könne auf Parkinson hinweisen, so Klingelhöfer. Die Krankheit ist unter anderem durch Verlangsamung der Bewegung, Muskelsteifigkeit und zitternde Hände gekennzeichnet. Letzteres soll die App durch Sensoren im Smartphone erkennen, lange noch bevor es den Nutzern auffällt.

Auch Telefonate oder Sprachnachrichten analysiert die App. Dabei werden keine Gespräche mitgeschnitten, sondern erfasst, ob die Stimmlage der Nutzer etwa mit der Zeit monotoner wird. Ein Zeichen für Parkinson könne auch sein, wenn die Stimme des Sprechenden am Satzende leiser wird. "Nicht selten geht der Parkinson-Erkrankung auch eine Depression voraus", erklärt Klingelhöfer. Darum testet die App auch Kurznachrichten nach bestimmten Schlüsselbegriffen. Ein vermehrtes Auftreten von Wörtern wie "schlecht" oder "traurig" lasse ebenfalls Rückschlüsse auf ein Krankheitsrisiko zu.

Die Informationen werden anonymisiert und verschlüsselt in eine Datenwolke übertragen und von Algorithmen ausgewertet. Bei Auffälligkeiten erhalten Nutzer eine Nachricht und Kontaktdaten von Parkinsonspezialisten, bei denen sie sich vorstellen können.

Bisherige Ergebnisse seien "vielversprechend", so Klingelhöfer. Rund 2200-mal sei die App geladen worden. Um die Prognosequalität zu verbessern, werden weitere Probanden gesucht, die die App längerfristig nutzen - auch solche, bei denen bereits Parkinson festgestellt wurde.

Studie Anmeldung zur Teilnahme als Gesunder oder Parkinson-Patient per E-Mail an iprognosis@uniklinikum-dresden.de.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...