Aua, was sticht denn da?

In Sachsen gibt es jetzt weniger Mücken, dafür aber viele Wespen und Hornissen - Was gegen Stiche hilft und ab wann sie gefährlich werden

Die Flüsse haben weniger Wasser, manche Tümpel sind schon ausgetrocknet. Der Wassermangel hat allerdings auch etwas Gutes: Es gibt in diesem Jahr nur vereinzelt Mückenplagen. Doch dafür werden andere Insekten zum Problem.

Welche Insekten kommen in diesem Jahr besonders häufig vor?

Dazu gibt es unterschiedliche Angaben. "Es ist ein super Wespenjahr", sagt Biologin Melanie von Orlow von der Bundesarbeitsgruppe Hautflügler beim Naturschutzbund (Nabu). Ausgebliebene Überflutungen und das gute Wetter bieten ihrer Meinung nach den Wespen perfekte Bedingungen. Das gilt allerdings nicht überall. Beispielsweise in Westsachsen stellen Wespen in diesem Jahr bisher kein Problem dar, sagt Michael Hopf von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Zwickau. Allerdings könnte deren Anzahl Ende August und im September noch zunehmen. In diesem Jahr gebe es allerdings mehr Hornissen, so Hopf.

Was hilft gegen Stiche von Wespen, Hornissen und Bienen?

Wichtig ist, die betroffene Stelle unmittelbar nach dem Stich zu kühlen. Andrea Bauer, Professorin für Dermatologie am Uniklinikum Dresden, empfiehlt dafür eine Kältekompresse aus dem Gefrierfach. Allerdings sollte man die Kompresse nicht direkt auf die Haut legen, sondern immer mit einem Handtuch dazwischen. Ansonsten könne die Kälte zu Erfrierungen auf der Haut führen. Die Kühlung sollte jeweils zehn bis 20 Minuten erfolgen und könne nach einer Pause wiederholt werden, empfiehlt Andrea Bauer. Wenn keine Kompresse vorhanden ist, lindern feuchte Umschläge die Beschwerden. Falls sich deutliche Schwellungen bilden, werden häufig Gele mit Antihistaminika empfohlen. Doch die Arzneimittelexperten der Stiftung Warentest bewerten sie mit "wenig geeignet": Die darin enthaltenen Wirkstoffe dringen nicht tief genug in die Haut ein, die therapeutische Wirksamkeit sei nicht ausreichend belegt. Wirksam hingegen sind topische Glucocorticoide in Creme oder Gelgrundlagen. Vor allem die Gele helfen den Juckreiz zu reduzieren, weil sie auf der Haut verdunsten und sie dabei kühlen, sagt Dermatologin Bauer. Zusätzlich könne es nötig sein, ein Antihistaminikum einzunehmen.

Helfen Hausmittel wie Umschläge mit Kamille & Co.?

Für die Wirkung von Hausmitteln gibt es nach Einschätzung von Andrea Bauer keine Nachweise. Zudem könnten wiederholte Umschläge mit pflanzlichen Wirkstoffen wie Arnika, Kamille, Ringelblume oder Johanniskraut allergische Reaktionen hervorrufen.

Wie wirkungsvoll sind elektronische Stichheiler?

Dabei handelt es sich um Geräte, die lokal die Stichstelle erwärmen. Der Grund: Insekten hinterlassen nach einem Stich Proteine, die das Blut flüssig halten. Diese Proteine sind hitzelabil, deshalb die Erwärmung, erklärt Hautärztin Jana Witte aus der Klinik für Dermatologie des Hamburger Uniklinikums. Größere Untersuchungen über deren Wirkung sind ihr allerdings nicht bekannt. Die Preise für Stichheiler liegen zwischen zehn und 30 Euro.

Was ist der größte Fehler nach einem Insektenstich?

Kratzen. Dadurch kann es zu offenen Stellen kommen, Bakterien können eindringen und es kann sich eine Wundrose bilden.

Wann sollte man zum Arzt?

Wenn es nach einem Stich zu allergischen Reaktionen kommt wie beispielsweise einem Ausschlag, der sich über die betroffene Stelle hinaus am ganzen Körper ausbreitet, erklärt die Dresdner Dermatologin. Auch Stiche im Mund können durch lokale Schwellungen mit Verlegung der Atemwege gefährlich werden. Bei schweren allergischen Reaktionen mit Kreislaufschwäche, Atemnot, Bewusstseinseinschränkungen oder Bewusstlosigkeit nach einem Insektenstich sollte der Notarzt gerufen werden. Insektengifte könnten für Allergiker auch tödliche Folgen haben, warnt Bauer.

Wie kommt es zu allergischen Reaktionen?

In Deutschland sollen laut Stiftung Warentest bis zu 2,5 Millionen Menschen heftig auf Insektengift reagieren. Verursacht werden die allergischen Reaktionen durch Eiweißbestandteile im Gift. Sie führen dazu, dass der Körper Histamin freisetzt und das Immunsystem zu überschießenden Reaktionen veranlasst.

Wer ist betroffen?

"Unter Insektengiftallergikern sind auch viele Menschen, die nicht allergisch vorbelastet sind", erklärt Professor Randolf Brehler, Allergologe am Uniklinikum Münster auf der Internetseite www.test.de. Kinder seien selten betroffen, das Risiko steige mit dem Alter. Eine Allergie auf Bienen- und Wespengift kann nur bei Menschen entstehen, die mindestens einmal gestochen wurden - die allergische Reaktion tritt frühestens beim zweiten Stich auf.

Wie hält man stechende Insekten vom Kaffeetisch fern?

Wespen sind an Nahrungsmitteln interessiert, die sie verwerten können. Das sind Kohlenhydrate in Form von Zucker und Proteinen, die sie sich gern von Wurstscheiben holen. "Man sollte den Wespen möglichst keinen Anreiz bieten, also keine süßen Leckereien draußen bereitstellen. Komposthaufen so umheben, dass das Obst ganz unten liegt und nicht oben präsentiert wird. Mülleimer sollte man immer abdecken, so dass da gar nicht erst eine Futterstelle entsteht", sagt Biologin Melanie von Orlow. Hornissen haben es dagegen eher auf andere Insekten abgesehen, sagt Michael Hopf. Befinden sich ihre Nester in der Nähe von Menschen, empfiehlt er Fliegengitter an den Fenstern.

Darf ich die Nester von Insekten einfach entfernen?

Bei Hornissen lautet die Antwort nein. Dazu ist eine Genehmigung der jeweiligen Unteren Naturschutzbehörde nötig. Die Mitarbeiter prüfen vor Ort, ob es eine Gefahr für Menschen gibt, erklärt Michael Hopf. Das sei beispielsweise der Fall, wenn sich das Nest in einem Rollokasten direkt vor einem Fenster befindet. Anders verhält es sich dagegen, wenn sich das Nest im Hohlraum eines Baumes im Garten befindet. Dann werden die Bewohner oft davon überzeugt, das Nest bis zum Ende der Saison dort zu belassen.

Wie verhält es sich bei Nestern von Wespen?

Hier braucht es zwar keine Genehmigung von der Unteren Naturschutzbehörde, dennoch dürften auch Wespennester nicht einfach entfernt werden, erklärt Michael Hopf. Denn auch Wespen hätten eine wichtige ökologische Bedeutung, fressen Blattläuse und Aas, sagt Hopf. Es braucht einen wichtigen Grund für die Entfernung von Wespennestern wie eine unmittelbare Gefährdung von Kindern. Egal ob Wespe oder Hornisse, die Nester selbst entfernen, davon rät der Mitarbeiter der Naturschutzbehörde ab. Dabei seien schon die schlimmsten Unfälle passiert. Deshalb sei es immer besser, eine Schädlingsbekämfungsfirma zu rufen. (mit dpa)

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