Die Männerzone

Es herrschen haarige Zeiten: Männer tragen wieder Bart, gehen in Salons und experimentieren munter drauf los.

Die warme Kompresse mit Zitronenduft könnte in die Irre führen. Doch es ist keine Frau, die sich hier einer Wellnessbehandlung unterzieht. Und es geht auch nicht um Haut-, sondern Bartpflege. "Die Feuchtigkeit macht die Haare weich, sie quellen auf und lassen sich besser schneiden." Hans Giljana, Barbier in der Dresdner Neustadt, nimmt das Tuch vom vollen Rauschebart seines Kunden. Mit einem Haarschneider stutzt er Länge und Volumen, legt die Oberlippe frei. Dann kommt das zum Einsatz, was man gemeinhin mit einem Barbier verbindet: Pinsel, Schaum und Rasiermesser.Lautlos lässt Giljana die hauchdünne Edelstahlklinge über Hals und Kehlkopf gleiten. Manchen Kunden ist das unangenehm, aber die meisten können entspannen. "Aus Hygienegründen wird die Klinge nach jeder Rasur gewechselt", erklärt der Barbier und säubert geschickt die Konturen. Zum Abschluss gibt es eine Massage mit Bartbutter und eine Wolke italienisches Rasierwasser aus dem Zerstäuber. Der Kunde zahlt 25 Euro und verlässt zufrieden den Salon.

Bärte sind im Trend. Und zwar "in unzähligen Formen und Varianten und quer durch alle gesellschaftlichen Schichten", weiß Jörn Lüdecke. Der Obermeister der Chemnitzer Friseurinnung trägt selbst einen Vollbart und tut es damit vielen Chemnitzern gleich. "Vor zwei Jahren schwappte die Bartwelle zu uns. Da trugen ihn besonders die Hipster", sagt er. Sie haben den Weg für das gepflegte Gesichtshaar geebnet.

Seither gibt es deutlich mehr Bartträger. Ob Student oder Manager: Mann trägt Bart. Europaweit sollen die Bärtigen sogar in der Überzahl sein. Nach einer Markterhebung des Rasiererherstellers Braun lassen 54 Prozent der Männer das Haar an Kinn und Wangen sprießen. Jeder Dritte von ihnen hat sich für den klassisch gestutzten Vollbart entschieden. Kristina Höfler, Ausbildungsleiterin der Friseurinnung in Dresden, bestätigt das. Dresdner Männer lassen das Gesichtshaar am liebsten als Dreitagebart oder Vollbart stehen, der an den Schläfen jedoch schmal gehalten ist und zum Ende hin entweder spitz zuläuft oder breit geschnitten wird. Sie kombinieren ihn mit langen, zum Dutt hochgesteckten Haaren, einer Glatze oder akkurat gescheitelten Kurzhaarfrisuren.Auch der Moustache, der Schnurrbart, erlebt eine Renaissance und verziert nicht mehr nur die Gesichter der Generation 60+. "Die Männer werden experimentierfreudiger und zwirbeln die Bartenden jetzt auch gern", weiß Barbier Giljana. In Chemnitz, so Bartträger Lüdecke, wagen sich Mutige vereinzelt sogar an die ausgefallenen Backenbärte heran. "Es muss immer mal eine Stilveränderung geben. Koteletten oder ein Schnauzbart wären zum Ausprobieren eine logische Konsequenz, wenn man sich von seinem Vollbart verabschiedet", meint er.

Der Bart ist Ausdruck eines Lebensgefühls, und als solcher darf er auch etwas kosten. Die Industrie ist längst auf den Trend aufgesprungen und vermarktet spezielle Shampoos, Spülungen, Öle, Pomaden, Trimmer und Bürsten. In den größeren Städten etablieren sich immer mehr Barbershops, die sich ausschließlich um Kopf- und Barthaare des Mannes kümmern. Ihre Zahl befand sich noch vor zwei Jahren laut Branchenaussage deutschlandweit im einstelligen Bereich. Inzwischen gibt es über 300 Salons. Manche bieten zur Bartpflege erlesene Whiskys, andere Massagen - alle traditionellen Barbierstuben aber einen frauenfreien Raum.Männer genießen es, in Salons zu gehen, in denen ausschließlich Geschlechtsgenossen frisiert werden. "Sie wollen nicht reden - und wenn, dann über Männerthemen. Frauen schwatzen hingegen gern. Keiner von beiden findet die gemeinsamen Salons richtig gut", weiß Kristina Höfler. Das hält auch Hans Giljana in seiner Barbierstube so. "Frauen haben hier keinen Zutritt. Der Barbersalon ist traditionell ein Rückzugsort für Männer", sagt er kategorisch. Mit Diskriminierung habe das nichts zu tun. "Wir Männer brauchen einfach eine Nische für uns und hin und wieder unsere Ruhe", sagt er. Giljana betreibt seinen Salon seit zwei Jahren. Inzwischen lassen sich 200 Männer regelmäßig von ihm frisieren. Manche kommen sogar ausschließlich zur Nassrasur.

Es gibt weitere Regeln, die Mann im Barbershop beachten sollte. Es wird geduzt. Auf dem Frisierstuhl ist jeder gleich - und auch der Barbier hat sein Recht. Wer ihn unfreundlich behandelt, kann gleich wieder gehen. "Ich vergebe keine Termine. Wer kommen möchte, muss Zeit mitbringen", sagt Giljana. Die braucht man nicht nur auf dem Wartesofa. Die ganze Rasurprozedur kann bis zu einer Stunde dauern, Kompresse inklusive.

Bartpflegetipps vom Profi

Öl oder Butter? Föhn oder Luft? Barbier Hans Giljana weiß, was Bärten gut tut. Redakteurin Susanne Plecher hat ihn auch gefragt, wo man die Konturen richtig ansetzt.

"Freie Presse": Herr Giljana, muss der Bart täglich gepflegt werden?

Hans Giljana: Unbedingt. Wer einen Bart trägt, muss ihn pflegen, damit er in Form bleibt, sich gut anfühlt und angenehm riecht. Ganz wichtig ist die Reinigung, um Schmutz und Hautschuppen aus den Haaren zu bekommen. Es gibt spezielle Bart-Shampoos, aber ein normales Haarpflegeshampoo tut es meistens auch. Nach dem Waschen wird der Bart trockengerubbelt. Zur Pflege empfehle ich Bartöl oder Bartbutter. Die wird vor dem Einmassieren leicht in den Händen angewärmt, damit sich die ätherischen Öle besser entfalten können. Danach wird der Bart gekämmt oder gebürstet und feucht in Form gebracht. Wer Zeit hat, trocknet den Bart mit Föhn und Bürste oder Kamm. Wenn es schnell gehen soll, lässt man die Haare lufttrocknen.

Was bewirken Öl oder Butter?

Sie machen die Haare geschmeidig, geben dem Bart einen gepflegten, natürlichen Glanz und spenden Feuchtigkeit. Pre-Shave Öle bilden eine Art Schutzbarriere für die Haut. Sie beugen Hautirritationen vor.

Macht das nicht der Rasierschaum?

Nein. Rasierschaum hat nur die eine Funktion, das Barthaar durch seine alkalische Wirkung zu erweichen, um es besser schneiden zu können. Je stärker das Haar, um so gründlicher muss der Schaum eingearbeitet werden, auch die Einwirkzeit verlängert sich entsprechend. Der beste Zeitpunkt für eine Rasur ist nach dem Duschen oder Baden, weil der Wasserdampf das Barthaar schon ein wenig aufgeweicht hat.

Kann man etwas gegen die kleinen Wunden tun, die man sich manchmal beim Rasieren zufügt?

Trotz aller Vorsicht kommt es hin und wieder zu kleinen Schnitten, meist durch Hautunebenheiten oder Pusteln. Kein Grund zur Panik. Ich verwende in dem Fall einen Alaunstift. Der wirkt desinfizierend und adstringierend, dadurch schließt er die Poren schnell und stillt die Blutung.

Wo setzt man am besten mit den Konturen an?

Welche Kontur man sich erschafft, hängt von der gewünschten Bartform ab. So gibt es Kinnbärte, die man schmal und nicht breiter als das Kinn werden lässt oder Backenbärte, die vom Ohr nach vorn breiter werden. Dort bleibt aber der Kinnbereich frei. Bei einem Vollbart ist es wichtig, dass man nicht genau auf Gesichtskante rasiert, sondern die Konturlinie erst unterhalb des Kinns setzt. Meist rasiert man sich unterhalb des Jochbeins von Oberkante Ohr zu den Mundwinkeln die obere Kontur.

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2Kommentare
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  • 2
    2
    Pixelghost
    08.10.2016

    Das ist jetzt nicht wahr, oder? Da schreibt die FP einen Artikel über Bartpflege und was kommt?

    Politscheiße.

    Typisch Korl-Morx-Stodt.

  • 1
    0
    Pragmatiker
    08.10.2016

    Tolle Einheitsgesichter, egal wohin man schaut. Auch den Muezzin wird's sicher freuen.



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