Die Zusatzleistungen der Kassen im Vergleich

Die Beiträge nähern sich immer mehr an. Umso mehr lohnt sich der Blick auf Angebote, die es nicht für alle gibt.

Mehr als 95 Prozent der Leistungen sind gesetzlich geregelt und deshalb überall gleich. Dazu gehören etwa die freie Arztwahl und eine Reihe von kostenlosen Vorsorgeuntersuchungen. Dieser Leistungskatalog wird regelmäßig erweitert. Wir haben die Angebote verglichen, die die Kassen freiwillig offerieren.

Service: Alle befragten Kassen bieten eine umfangreiche Beratung am Telefon und im Internet an. Wer lieber den persönlichen Kontakt sucht, sollte auf die Zahl der Geschäftsstellen achten. Das mit Abstand dichteste Netz bietet die AOK Plus, gefolgt von IKK classic und Barmer.

Impfungen: Schutzimpfungen, die in der sogenannten Schutzimpfungsrichtlinie aufgeführt sind, sind für gesetzlich Versicherte kostenlos. Für eine Reihe von Krankheiten wie Typhus und Cholera, die im Ausland verbreitet sind, gilt diese Regelung nicht. Unsere Übersicht zeigt aber, dass sich alle Krankenkassen auch hier großzügig zeigen.

Alternative Medizin: Globuli und Osteopathie auf Kassenkosten? Noch vor einigen Jahren war das undenkbar. Inzwischen zahlen viele Kassen aber auch für alternative Behandlungen und Arzneimittel - die einen mehr, die anderen weniger. Voraussetzung ist in der Regel ein Rezept eines anderen Arztes. Osteopathen benötigen eine von der Kasse anerkannte Qualifikation.

Gesundheitskurse: Bewegung, Entspannung, Ernährung: In speziellen Gesundheitskursen lernt man, wie man seinen Alltag gesünder gestalten kann. Alle Kassen übernehmen die Kosten für zwei Kurse pro Kalenderjahr. Ein Vergleich lohnt sich trotzdem. Denn manche Kassen begrenzen den Zuschuss auf eine bestimmte Summe.

Zahnbehandlungen: Gesunde Zähne sind bares Geld wert. Deshalb lohnt sich der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt. Versicherte können sich auf diese Weise zudem einen höheren Zuschuss sichern, falls irgendwann mal Zahnersatz nötig wird. Grundsätzlich übernehmen gesetzliche Krankenkassen lediglich etwa die Hälfte der Kosten für die Regelversorgung, bei einem über fünf oder zehn Jahre geführten Bonusheft 60 bzw. 65 Prozent. Einige Kassen erhöhen den Zuschuss auf bis zu 100 Prozent, allerdings ist das an Bedingungen wie einen Wahltarif (AOK Plus), Zusatzversicherungen (Barmer, TK) oder ausgewählte Zahnärzte (DAK) geknüpft. Unterschiedliche Konditionen gelten auch beim Zuschuss zur Professionellen Zahnreinigung.

Früherkennung: Vorsorgeuntersuchungen spielen für die gesunde Entwicklung von Kindern eine wichtige Rolle. Doch nicht alle Untersuchungen sind kostenlos. Dazu gehören der Grundschulcheck U10 und der Schülercheck U11, bei denen es vor allem um Entwicklungs- und Verhaltensstörungen geht, sowie die Jugendvorsorge J2, die unter anderem der Beratung in der Pubertät dient. Die von uns befragten Kassen übernehmen dafür die Kosten auf freiwilliger Basis.

Junge Familien: In den vergangenen Jahren haben viele Kassen ihre Angebote für Schwangere und junge Paare ausgeweitet. Dazu gehören beispielsweise die Kostenübernahme für eine Hebammen-Rufbereitschaft und die Teilnahme von Angehörigen an einem Geburtsvorbereitungskurs. Die Höhe der Zuschüsse ist allerdings von Kasse zu Kasse verschieden. Das Gleiche trifft auf die künstliche Befruchtung zu.

Online-Angebote: Die Patientenquittung anschauen, Bonuspunkte sammeln, zum Nichtraucher werden: Das Internet bietet schier unbegrenzte Möglichkeiten. Unsere Tabelle zeigt nur eine kleine Auswahl an Apps und Online-Kursen, die die Krankenkassen ihren Versicherten anbieten. Wer sich dafür interessiert, sollte unbedingt bei seiner Kasse nachfragen.

Spezielle Versorgungsangebote: Wer chronisch krank ist, profitiert von einer möglichst engmaschigen Beobachtung und Behandlung bei Spezialisten. Krankenkassen fördern dies mit Extra-Programmen (Disease-ManagementProgramme/DMP). Auch hier zeigt unsere Tabelle nur eine Auswahl der Erkrankungen.

Die Bonusprogramme im Vergleich

Wer selbst für seine Gesundheit sorgt, wird von den Kassen belohnt. Doch bei den Prämien gibt es große Unterschiede.

AOK Plus: Die größte Krankenkasse in Sachsen und Thüringen bietet auch den höchsten Bonusbetrag. Bis zu 310 Euro können sich Versicherte pro Jahr zurückholen - allerdings nur, wenn sie die entsprechende Bonus-App nutzen. Mit dem Bonusheft und über die Online-Filiale ist die maximale jährliche Geldprämie auf 130 Euro begrenzt. Eine Besonderheit bei der AOK Plus ist, dass auch soziales Engagement honoriert wird, etwa eine Blut- oder Plasmaspende. Das Prinzip: Die Versicherten sammeln Bonuspunkte und können diese in Geld umwandeln. 100 Bonuspunkte entsprechen einem Euro. Die Teilnahme an der Professionellen Zahnreinigung (PZR) wird beispielsweise mit 500 Punkten honoriert, die Knochenmarktypisierung mit 2000 und die Mitgliedschaft im Fitnessclub sogar mit 3000 Punkten. Allein mit der Bonus-App sind 18.000 Punkte im Jahr drin. Dafür muss man allerdings sehr aktiv sein.

Barmer: Bei der Barmer sind die Bonusprogramme nach Altersgruppen gestaffelt. Je 150 Punkte gibt es unter anderem für Blutspenden, die Betätigung im Fitnessstudio wird mit 200 Punkten belohnt und die Einhaltung eines normalen BMI mit 100 Punkten. Der Nachweis erfolgt entweder mit Bonusheft, -karte oder -App. Pro Kalenderjahr können Versicherte bis zu 1500 Punkte in Geld- oder Sachprämien eintauschen. 500 Bonuspunkte entsprechen 30 Euro. Wer die gleiche Zahl an Punkten für eine Gesundheitsleistung (z. B. Akupunktur) einsetzt, erhält dafür sogar einen Gegenwert von 50 Euro.

DAK: Die DAK belohnt beispielsweise Yoga-Kurse und Schutzimpfungen. Die Teilnahme ist nur über das Internet möglich. Und erst nach Registrierung erfahren Versicherte, wofür es wie viele Punkte gibt. Die Prämie kann man sich auszahlen lassen oder für Gesundheitsleistungen einsetzen. Dann gibt es noch einen Zuschuss von 20 Prozent.

IKK classic: Die Kasse macht es ihren Versicherten leicht. Für vier bzw. drei nachgewiesene Aktivitäten pro Jahr gibt es 100 (Erwachsene) bzw. 60 Euro (U16) aufs Konto. Anerkannt wird neuerdings u.a. auch die Einhaltung eines altersspezifischen BMI. Wer den Bonus für Gesundheitsleistungen verwendet, bekommt sogar 150 Euro Prämie.

Knappschaft: 70 Euro fürs Training im Fitnessstudio, das Doppelte, wer auch noch in einem Sportverein angemeldet ist: Der Aktivbonus der Knappschaft ist eine echte Motivation. Als maximalen Bonus nennt die Kasse 270 Euro und schränkt zugleich ein, dies sei "eine theoretische Summe, die aber praktisch erreicht werden kann". Eine Besonderheit ist der Familienbonus junior von bis 500 Euro, der aber erst zum 18. Geburtstag ausgezahlt wird.

Techniker: Punkte sammeln funktioniert bei der TK sowohl mit Bonusheft als auch online und per App. Belohnt wird u. a. die Teilnahme an Gesundheitskursen, die man auch online absolvieren kann. Ab 1000 Punkten kann man den Bonus einlösen - entweder 30 Euro bar oder 60 Euro als sogenannte Gesundheitsdividende, die man dann für diverse Leistungen verwenden kann Den maximalen Bonus gibt die TK mit 265 Euro an - auch dies ist aber nur eine theoretische Größe.

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