Hämorrhoiden: Spülen ist besser als Klopapier

Hämorrhoiden sind wichtig, können aber auch stören. Ein Fachmann erklärt die Ursachen - und wie Ärzte helfen können.

Sieht größer aus, als es ist - das Proktoskop hilft Dr. Jakub Lutonsky, die Hämorrhoiden zu behandeln. Als erster Arzt in Sachsen wendet er eine neue OP-Methode an.

Von Stephanie Wesely

Wenn es am Po juckt und brennt oder gar blutet, wird das peinlichst verschwiegen: Hämorrhoiden sind ein Tabuthema. Dabei ist etwa jeder Zweite betroffen. "Hämorrhoiden sind ein wichtiger Teil unseres Verdauungstrakts. Sie werden erst dann zum Problem, wenn sich die Blutgefäße darin vergrößern", sagt Dr. Jakub Lutonsky. Er ist Proktologe - ein Spezialist für Enddarmerkrankungen - und leitet den Bereich Viszeralchirurgie am Bergarbeiterkrankenhaus Schneeberg (Erzgebirge). "Normalgroße Hämorrhoiden sind Schwellkörper, die den Darmausgang abdichten."

Die Ursachen: Vergrößerte Hämorrhoiden entstehen meist durch zu viel Druck von oben, zum Beispiel durch Schwangerschaft und Geburt oder Übergewicht, aber besonders durch zu starkes Pressen beim Stuhlgang. Zu harter Stuhl lässt die Hämorrhoiden außerdem einreißen - es blutet. "Falsche Ernährung mit zu wenig Ballaststoffen und Bewegungsmangel fördern die Verstopfung." Damit nicht genug: "Wie wir in der westlichen Welt auf der Toilette sitzen, ist völlig unnatürlich", sagt der Arzt. Mit rechtwinklig aufgestellten Beinen könne sich der Darm nicht vollständig entleeren. Außerdem dauere die "Sitzung" bei den meisten viel zu lange, weil sie lesen oder abgelenkt sind.

Sind die Hämorrhoiden bereits vergrößert, ist der Darmausgang nicht mehr dicht. Schleimhautabsonderungen gelangen nach außen. "Das Sekret ist aggressiv und reizt die zarte Analhaut", sagt der Proktologe. Es juckt und brennt. Manchmal bildet sich ein Ekzem. "Zudem wird mit der empfindsamen Haut auch viel zu ruppig umgegangen." Wird sie mit Toilettenpapier malträtiert, kann sie sich entzünden. Lutonsky: "Als Proktologe würde ich Klopapier verbieten." Am schlimmsten seien aber die Feuchttücher. Sie steckten voller Chemie und reizten die Haut zusätzlich.

Die Behandlungsmöglichkeiten: "Die Patienten gehen meist viel zu spät zum Arzt. Manche doktern 20Jahre lang mit Salben und Zäpfchen herum", sagt Jakub Lutonsky. Doch die Salben betäuben nur - verkleinert werden die Hämorrhoiden damit nicht.

Wer sich überwindet und zu einem niedergelassenen Proktologen geht, muss keine schmerzhafte Behandlung befürchten. "Nerven gibt es im Darminneren nicht", sagt Lutonsky. Ambulant tätige Proktologen wenden zwei OP-Methoden an - das Veröden und das Abschnüren der Hämorrhoiden. Sie kommen ohne Narkose aus. Der Patient sitzt dazu in einem Behandlungsstuhl. Mit einem Proktoskop - einem gut daumendicken, röhrenförmigen Instrument - wird untersucht, ob es sich um behandlungsbedürftige Hämorrhoiden handelt. Wenn ja, werden sie durch Spritzen eines Mittels verödet. "Das Mittel löst eine kleine Entzündung im Gewebe aus, die Blutgefäße verkleben und die Ausstülpung bildet sich zurück." Der Proktologe kann aber auch einen Gummiring anbringen, der die Blutzufuhr abschnürt. Allerdings müsse bei beiden Verfahren jede vergrößerte Hämorrhoide in einer eigenständigen Sitzung behandelt werden.

"Das ist oft langwierig", so Lutonsky. "Die Methoden sind auch uneffektiv, weil sich die Hämorrhoiden wieder neu bilden können." Studien belegen, dass nach der Verödung bei rund 70 Prozent der Patienten innerhalb von drei Jahren die Hämorrhoiden wiederkommen. Bei den Gummiringen sei die Rezidivrate nicht ganz so hoch. Sie liege bei 30 bis 50 Prozent innerhalb von fünf Jahren.

Ein neues Verfahren: "HPS Plus Mural" heißt die minimalinvasive Komplexbehandlung der Hämorrhoiden, die in Sachsen einmalig ist. "Das Bergarbeiterkrankenhaus will damit Kompetenzzentrum der Proktologie werden", sagt der Arzt.

Im Unterschied zu den beiden ambulanten Verfahren werde die überschüssige Schleimhaut nicht abgetrennt, sondern im Proktoskop fixiert und mit einer speziellen Technik nach oben ins Darminnere vernäht - die Darminnenhaut wird praktisch geliftet. Das drosselt die Blutzufuhr. Der Körper stößt Gewebe mit zu wenig Durchblutung von selbst ab. Eine Vernarbung entsteht. Dieses straffere Gewebe verhindere auch, dass sich die Hämorrhoiden wieder vergrößern. In einer Sitzung könnten alle Schleimhautvorfälle auf einmal behandelt werden. "Das geht aber nur stationär. Die Patienten bleiben meist zwei Tage bei uns, weil sie eine Narkose bekommen", so der Proktologe.

Nach der OP spürt der Patient, dass sich der Darmausgang wieder richtig verschließt. "Die Darmschleimhaut schwillt anfangs etwas an. Manche nehmen auch eine Art Stuhldrang wahr. In zwei Wochen klingt das aber ab." Etwa zwei bis drei Monate brauche es, bis der Körper das überschüssige Gewebe abstößt. "Danach sieht der Darm wieder wie neu aus", sagt Lutonsky. Diese Behandlung wird von den gesetzlichen Kassen übernommen. Versicherte benötigten eine stationäre Einweisung vom Hausarzt oder vom Darmspezialisten.

Die Vorbeugung: Der wichtigste Schritt vor und nach der Behandlung ist es, für weichen Stuhl zu sorgen, um eine erneute Vergrößerung der Hämorrhoiden zu verhindern. "Dabei helfen viel Flüssigkeit, ballaststoffreiche Kost und viel Bewegung." Den Toilettengang schiebt man besser auch nicht lange auf, sondern gibt dem Drang schnell nach, um unnötiges Pressen zu vermeiden.

Dann gelte es, eine gesündere Toilettenposition einzunehmen. Der Darm entleert sich in einer Hockposition einfacher und besser. Die Oberschenkel drücken dabei leicht auf den Bauch. Auf den heutigen Toiletten lässt sich solch eine Hockposition erreichen, indem man eine Fußbank oder einen speziellen Toilettenhocker nutzt und die Füße beim Stuhlgang daraufstellt.

"Danach wird der Darmausgang sanft mit Wasser gereinigt. Mit dem Handtuch wird nur trockengetupft, nicht gerubbelt." Viele Häuslebauer schaffen sich ein Bidet oder gleich ein Dusch-WC an. "Das ist eine Wohltat für den Po", sagt Lutonsky.

Am 19. September beantworten Proktologen aus Sachsen Fragen am Lesertelefon. Per E-Mail können Sie sie jetzt schon stellen unter telefonforum@redaktion-nutzwerk.de

1Kommentare
👍1👎0 tauchnix 07.09.2018 Bedauerlicherweise finden sich in dem Artikel 2 Fehler.
Das genannte Verfahren von Herrn MUDr. Jablonsky wird schon seit vielen Jahren in verschiedenen Kliniken in Sachsen angewendet.
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