Jetzt gegen Grippe impfen lassen?

Sachsen meldet die ersten Erkrankungen. Auch wenn sie nicht 100 Prozent schützt, raten Experten zur Impfung.

Sie kommt plötzlich, bleibt lange und kann sehr gefährlich werden: Eine richtige Grippe ist etwas ganz anderes als eine Erkältung, auch wenn Letztere manchmal "grippaler Infekt" heißt. "Die Influenza ist in Europa die Infektionskrankheit mit den meisten Todesfällen", so Professor Gerd Fätkenheuer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Im Grippewinter 2017/2018 laut Robert-Koch-Institut allein in Deutschland mehr als 25.000 Menschen an der Krankheit. Zwar war die Influenza im vergangenen Jahr nicht ganz so schlimm. Auf die leichte Schulter nehmen sollte man sie aber nie. Die Grippesaison hat in Sachsen schon wieder begonnen. Bislang wurden 58 Erkrankte gemeldet, von denen 13 ins Krankenhaus mussten. Tobias Hanraths fasst wichtige Fragen zusammen.

Wer sollte sich impfen lassen?

Die Ständige Impfkommission empfiehlt: Impfen lassen sollten sich alle ab 60 Jahre, alle Bewohner von Alters- und Pflegeheimen, Schwangere ab dem vierten Monat und alle mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung wie Menschen mit Herzproblemen. Hinzu kommen alle, die Risikopersonen betreuen oder mit ihnen im Haushalt leben sowie Menschen mit bestimmten Berufen, medizinisches Personal etwa.

Was ist mit den anderen?

Die sollten sich ebenfalls impfen lassen. "Ich persönlich würde grundsätzlich immer empfehlen, sich impfen zu lassen", sagt Präsident Fätkenheuer. "Nicht nur, weil damit das Risiko einer eigenen Ansteckung sinkt, sondern auch, weil es so besseren Schutz für alle gibt."

Wer sollte sich nicht impfen lassen?

Kaum jemand. Aufpassen müssen laut Impfkommission alle, die eine Allergie gegen Bestandteile des Impfstoffs haben, Hühnereiweiß etwa. Sie sollten vor der Impfung mit ihrem Arzt sprechen. Auch wer akut und schwer krank ist, mit mehr als 38,5 Grad Fieber zum Beispiel, sollte auf den Piks erst einmal verzichten, ihn dann aber zügig nachholen. Eine leichte Erkältung ist aber noch kein Hinderungsgrund.

Welcher Zeitpunkt ist der richtige?

"Der November ist eine gute Impfzeit. Gemessen am Verlauf der vergangenen Grippewellen ist es in Deutschland sogar die ideale Zeit", sagt Fätkenheuer. Ihren Höhepunkt erreicht eine Grippewelle in der Regel erst nach Neujahr. So lange sollte man aber nicht warten. Denn nach der Impfung dauert es etwa 14 Tage, bis der Impfschutz richtig wirkt. "Grundsätzlich ist es aber auch im Januar oder Februar sinnvoll, sich impfen zu lassen."

Gibt es Risiken?

"Grundsätzlich ist die Grippeschutzimpfung ungefährlich", sagt Fätkenheuer. Nebenwirkungen gebe es abseits von Lappalien keine. "Natürlich kann es sein, dass die Einstichstelle schmerzt und gerötet ist. Und es kann auch sein, dass man am nächsten Tag ein gewisses Unwohlsein empfindet - mehr ist es aber auch nicht."

Dürfen sich Schwangere impfen lassen?

Sie können nicht nur, sie sollten sogar, sagt Michael Wojcinski, Impf-Experte beim Berufsverband der Frauenärzte. Schwangere haben nicht nur eine höhere Infektionsgefahr. Einmal angesteckt, erwischt sie die Influenza oft heftiger. Auch die Gefahr von Komplikationen ist höher. Wichtig ist, dass sich auch das Umfeld der Schwangeren impfen lässt, allen voran der Partner. Stillende Mütter können und sollten sich ebenfalls impfen lassen. Die Impfkommission empfiehlt eine Impfung für Schwangere erst im zweiten Trimester.

Ist Influenza in der Schwangerschaft für das Kind gefährlich?

Ja. Erstens, weil durch hohes Fieber das Risiko von Früh- und Fehlgeburten steigt. Und zweitens, weil es damit die Gefahr von Versorgungsstörungen gibt, Sauerstoffmangel etwa. Umgekehrt profitieren Kinder von einer Impfung in der Schwangerschaft, sagt Wojcinski: Durch Leih-Antikörper, den sogenannten Nestschutz, seien sie in den ersten Lebensmonaten besser vor einer Influenza geschützt.

Sollte ich meine Kinder impfen lassen?

Die Impfkommission empfiehlt das nicht grundsätzlich beziehungsweise nur bei gesundheitlicher Gefährdung durch andere Krankheiten. Nach Ansicht der Experten spricht aber sonst nichts dagegen. Möglich ist die Influenza-Impfung ab einem Alter von sechs Monaten. Kinder erhalten in der Regel dieselbe Dosis wie Erwachsene. Alternativ gibt es einen anderen Impfstoff, der als Nasenspray verabreicht wird - etwa für Kinder mit Angst vor Spritzen.

Schützt die Impfung immer?

Nein. "Die Grippeschutzimpfung wirkt nicht zu hundert Prozent, nicht mal annähernd", sagt Fätkenheuer. Weil sich der Virus ständig ändert, kann es sein, dass der Impfstoff nicht mehr richtig zum Erreger passt. Deshalb wirkt die Impfung von Saison zu Saison mal mehr und mal weniger. Unter Idealbedingungen liegt die Schutzwirkung laut Robert-Koch-Institut bei etwa 80 Prozent. "Selbst mit 50 Prozent Wirkung wäre der Effekt für den Schutz der Bevölkerung aber riesig."

Wie oft muss ich mich impfen lassen?

Nur einmal, aber das jedes Jahr. Zum einen, weil der Impfschutz mit der Zeit nachlässt: Die Immunität hält sechs bis zwölf Monate an. Außerdem ist das Influenzavirus sehr wandlungsfähig, damit ändert sich auch die Zusammensetzung des Impfstoffs ständig. Wer jedes Jahr zur Impfung geht, baut aber einen gewissen Basisschutz auf, so Fätkenheuer. Er ist also über die Wirkung des Impfstoffs hinaus besser gegen die Influenza gewappnet. (dpa/rnw)

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