Läuse-Alarm - was hilft und was nicht

In Sachsens Schulen sind nach den Ferien die Blutsauger unterwegs. Nicht alle Mittel sind wirksam.

Sie sind lästig, eklig und ziemlich nervig. Und sie waren schon nach der letzten Sommerferienwoche wieder da: In vielen sächsischen Schulen und Kitas sind im August Läuse gemeldet worden. "Ich finde es ärgerlich, dass das schon wieder losgeht", sagt Petra Müller aus Dresden. In der Grundschule ihrer beiden Söhne hatte es bis kurz vor den Ferien regelmäßig Läusealarm gegeben. Trotzdem lassen manche Eltern ihre befallenen Kinder nicht zu Hause - was bei den anderen für Ärger sorgt. Denn erlaubt ist das nicht.

"Läuse werden den Infektionskrankheiten gleichgestellt, wenn sie bei Kindern in Gemeinschaftseinrichtungen auftreten", sagt Katja Naumann vom Sächsischen Sozialministerium. Fängt man sie sich ein, muss man den Befall melden und zu Hause bleiben - und zwar solange eine Weiterverbreitung der Läuse möglich ist. Das bedeutet: Erst am Tag nach Behandlungsbeginn mit einem Anti-Läusemittel kann das Kind wieder in seine Einrichtung. Ein ärztliches Attest ist nicht nötig.

"Jeweils nach den Ferien ist ein leichter Anstieg zu erkennen sowie in den Wintermonaten", so Lydia Hering vom Gesundheitsamt in Dresden. In der Landeshauptstadt sind in diesem Jahr bislang 1025 Fälle gemeldet worden, 2015 waren es insgesamt 1702. Das Chemnitzer Gesundheitsamt hat 2016 bislang 233 Fälle registriert. 2015 waren es lediglich zwölf. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass die Schwankungen nichts Außergewöhnliches sind. 2014 lagen 405 gemeldete Fälle vor, 2012 nur 48.

Nach der Erstbehandlung sterben die lebenden Läuse, die Larven in den Eiern bleiben aber verschont. Deshalb ist spätestens am neunten Tag nach der Diagnose eine Nachfolgebehandlung nötig. Nur so erwischt man später geschlüpfte Tiere. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt zusätzlich, die Haare mehrfach nass, am besten mit Pflegespülung, mit einem engzinkigen Läusekamm auszukämmen.

Die Parasiten suchen sich vor allem Zwei- bis Elfjährige als Wirte aus, Erwachsene nur sehr selten. Warum manche Menschen häufiger betroffen sind als andere, ist unbekannt. Haarfarbe und Haarlänge spielen dabei keine Rolle. "Lediglich in Haaren unter zwei Zentimeter Länge haben die Kopfläuse Schwierigkeiten", sagt Jan Krüger von der Deutschen Pediculosis Gesellschaft. Auch mit mangelnder Sauberkeit hat der Befall nichts zu tun. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sollen Läuse frisch gewaschenes Haar sogar bevorzugen. Normalerweise geht mit dem Befall ein starker Juckreiz einher, der auch den Schlaf beeinträchtigen kann. Aber es gibt auch beschwerdefreie Fälle. Manchmal werden Läuse erst entdeckt, wenn beim Kämmen ein Tier herausfällt. Kleine rote Pünktchen auf der Kopfhaut oder Rötungen im Nackenbereich und hinter den Ohren können Hinweise auf die Blutsauger sein.

Es gibt einige Mittel, um die Parasiten wieder loszuwerden. Die Stiftung Warentest hatte 2008 die Insektizide in Goldgeist forte und Infecto Pedicul als "geeignet" gegen Läuse eingestuft. In der Wirksamkeit etwas weniger gut belegt sind die Läuse-Erstickungsmittel EtoPril und Jacutin Pedicul Fluid mit dem Wirkstoff Dimeticon.

Hausmittel sind in ihrer Wirksamkeit hingegen unzuverlässig. Noch nicht zu haben ist der Plasmaläusekamm, den Forscher des Frauenhofer-Institutes Göttingen entwickelt und Ende 2015 vorgestellt hatten. "Die Technologie ist da, aber für die Weiterentwicklung fehlt noch ein Partner in der Industrie", so Sprecherin Sandra Yoshizawa.

www.bzga.de/infomaterialien/ kopflaeuse-was-tun/

Schuppen oder Nissen?

Schuppen sind weißlich, unregelmäßig begrenzt und lassen sich leicht abstreifen. Nissen sind ovale, transparente bis bräunliche Eier und nicht größer als ein Sandkorn. Mit bloßem Auge sind sie gerade noch zu erkennen.

Junge Läuse schlüpfen nach maximal zehn Tagen. Nach einer Woche sind sie geschlechtsreif und legen Eier - bis zu 100 in ihren 30 Lebenstagen.

Innerhalb der ersten Lebensstunde muss eine Laus Menschenblut trinken. Sonst verdurstet sie. Länger als zwei Tage können sie nicht ohne Wirt auskommen. Eine Übertragung über Bettwäsche, Kuscheltiere oder Kleidung ist unwahrscheinlich.

Sie fliegen und springen nicht, sie klettern. Ein Zusammenstecken der Köpfe reicht für eine Infektion. (rnw)

Quelle: www.kopflaus.ch

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