Mundschutz Marke Eigenbau

Not macht erfinderisch: Weil die Masken knapp sind, veröffentlicht die Stadt Essen praktische Nähanleitungen.

Seit Donnerstag müssen alle Menschen in Tschechien in der Öffentlichkeit vorsorglich eine Mund- und Nasenbedeckung tragen. Grund: Das Nachbarland hat den Notstand ausgerufen. In Deutschland gibt es so eine Pflicht zwar noch nicht. Doch der Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, sieht darin durchaus Vorteile, wie er in einem seiner täglichen Podcasts sagte. Müsste aus gesellschaftlichem Druck heraus jeder eine Maske tragen, sei zu erwarten, dass eine Infektionsausbreitung - allerdings nur im Nahbereich - etwas verringert werde. "Doch viele denken immer noch, man schützt sich selbst mit der Maske. In Wirklichkeit schützt man aber andere." Bei feuchter Aussprache könne auch ein einfacher Mundschutz das Verbreiten von groben Tröpfchen abhalten. Das Einatmen eines mittelgroßen Aerosols werde damit aber wahrscheinlich nicht verhindert, so der Virologe.

Doch ganz gleich, ob der Schutz nun sinnvoll ist oder nicht: Es gibt derzeit schlichtweg keinen mehr zu kaufen. Apotheken informieren bereits per Aushang über das Problem. Zu möglichen Neulieferungen machen sie keine Angaben. Für dubiose Anbieter ist das ein gutes Geschäft, wie Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen betont. Meist müsse der Kunde in Vorauskasse gehen. Dann sei das Geld weg, doch die Ware werde nie geliefert oder habe eine minderwertige Qualität. Sie mahnt, nicht auf solche Angebote hereinzufallen.

In Tschechien nähen sich derzeit viele Bürger die Masken selbst. Die Regierung in Prag hat sogar beschlossen, dass Läden, die textile Stoffe verkaufen, von den angeordneten Geschäftsschließungen ausgenommen werden. Die Verkehrsbetriebe in Prag hätten angeordnet, dass nur noch Menschen mit einer Mund- und Nasenbedeckung in Straßenbahnen, Busse und U-Bahnen einsteigen dürfen.

Die Stadt Essen greift einem möglichen Beschluss für Deutschland schon mal vor und veröffentlicht Anleitungen, wie ein Behelfsmundschutz auch selbst hergestellt werden kann. Die Begründung: "Etwa jeder dritte Pflegebedürftige wird zu Hause von Angehörigen versorgt. Diese alten und abwehrschwachen Menschen gilt es besonders zu schützen. Deshalb haben wir uns zu dieser Aktion entschlossen", sagt Silke Lenz, Sprecherin der Stadt Essen.

Aus kochfestem Baumwollstoff und Basteldraht soll der Schutz in kürzester Zeit fertig sein, selbst bei geringen Nähkenntnissen. Jeder, der mit Risikopersonen in Kontakt komme, solle ihn tragen, sagt sie, um die Verbreitung von möglicherweise infektiösen Tröpfchen zu vermeiden. Nach jedem Tragen soll die Maske bei 90 Grad in der Waschmaschine gewaschen oder auf dem Herd in einem Wasserbad fünf Minuten ausgekocht werden. Ein komplett selbst gefertigter Mundschutz dürfe aber nur eigenverantwortlich genutzt werden. Für die Wirksamkeit garantiert also niemand.

Doch wann braucht man einen Mundschutz? Sowohl Weltgesundheitsorganisation als auch Robert-Koch-Institut mahnen, dass durch die Masken ein falsches Sicherheitsgefühl entsteht und andere Hygienemaßnahmen eher vernachlässigt werden. Hinzu komme, dass nach zehn Minuten der Schutz durchfeuchtet ist und damit sogar eine zusätzliche Infektionsquelle darstellt. Die Institutionen kritisieren die vielen Offerten im Netz, wonach Atemschutz aus Staubsaugerbeuteln, Kaffeefiltern oder Küchenkrepp hergestellt werden soll. Mit einer Ausnahme: Wer selbst infiziert ist, solle diesen Schutz tragen, um andere nicht zu gefährden. "Anstelle eines Einweg-Mundschutzes tut es aber auch ein Schal oder ein Tuch - alles, was die Tröpfchenverbreitung verhindert", so Peter Walger, Hygienearzt und Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene.

Mundschutz selbst nähen - so geht's 

Als Material eignet sich luftdurchlässiger, kochfester Baumwollstoff, zum Beispiel eine Stoffwindel, ein T-Shirt oder ein leichtes Baumwolltuch. Um die Luftdurchlässigkeit zu prüfen, faltet man es doppelt und hält es dicht über Mund und Nase. Funktioniert das Ein- und Ausatmen, ist das Material geeignet.

Außerdem werden ein dünner, biegsamer Draht (Basteldraht oder Klemmdraht von Gefrierbeuteln) sowie jeweils zwei Stoffstreifen (Wäscheband) in 90 und 17 cm Länge benötigt. Zugeschnitten wird ein 17 x 34 cm großes Stofftuch. Das faltet man über die kurze Seite, sodass es doppelt liegt.

 

In das Stofftuch werden drei gleichmäßig verteilte, etwa 1,3 cm tiefe Falten gelegt und gebügelt. Die mindestens 2 cm breiten Bänder legt man über die lange Kante zusammen und bügelt den Bruch, damit sie sich leichter annähen lassen.

Die kurzen Stoffstreifen dienen der Kantenverstärkung am oberen und unteren Ende des Mundschutzes. Vor dem Nähen oben den Draht einlegen, feststecken und bügeln.

Danach werden die langen Bänder, mit denen der Mundschutz im Nacken und hinter dem Kopf zusammengebunden wird, unter Beibehaltung der Falten an den oben und unten eingefassten Stoff angenäht.

 

Nun werden nur noch die langen Bänder zur besseren Haltbarkeit doppelt genäht. Nach jedem Tragen ist ein neuer Schutz nötig.

Eine ausführliche Anleitung gibt es im Internet unter: www.freiepresse.de/mundschutz


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