Öffentliches Klo - igitt!?

Ob man sich auf die Brille setzt oder lieber darüber hockt, das ist egal. Denn die Bazillen lauern an ganz anderer Stelle.

Öffentliche Toiletten sind nicht immer ein Ort der Freude. Sie trotzdem aufzusuchen, bleibt einem manchmal allerdings einfach nicht erspart. Fast jeder hat eine spezielle Taktik entwickelt, um im Notfall nicht mit der Klobrille in Kontakt zu kommen. Doch ob man sich hockt, nur seitlich hinsetzt oder die Umrandung flächendeckend mit Klopapier auslegt, macht kaum einen Unterschied. Zumindest nicht mikrobiell. Denn die Klobrille ist viel weniger verdächtig als angenommen.

"Bei nicht sichtbarer Verschmutzung einer Toilette ist die Brille nicht mehr kontaminiert als alles andere", sagt Harald Uerlings, Leiter des Chemnitzer Gesundheitsamtes. Selbst wenn der Vornutzer Durchfall hatte, ist das Ansteckungsrisiko nicht sehr groß. Das liegt an der Haut. Ist sie unverletzt, wirkt sie wie eine natürliche Barriere, über die die Erreger nicht eindringen können.

Gefährlicher wird es, wenn der Durchfallgeplagte nach Beendigung seines Geschäftes die Tür öffnet und den Wasserhahn berührt. Laborproben beweisen, dass die Hauptansteckungsgefahr nicht auf dem WC selbst lauert. Es sind vielmehr Toilettendrücker und Klinken, die mit Bakterien, Viren oder Pilzen belastet sind. "Wasserhähne sind viel gefährlicher als die Klobrillen", bestätigt Hygieneforscher Michael Pietsch von der Uni Mainz.

Sind sie verunreinigt, und der Nachnutzer berührt sie, können Krankheitserreger über eine Schmierinfektion an Hände und im ungünstigen Fall in Mund und Verdauungstrakt gelangen. Dann ist es bis zur Infektionskrankheit nicht mehr weit, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Sie liefert gleich ein paar Tipps, wie man sich dagegen schützen kann: Den Wasserhahn in öffentlichen Einrichtungen nach dem Händewaschen mit einem Papierhandtuch schließen und die Türklinke mit dem Ellenbogen öffnen.

Eine bequemere Variante bieten die modernen Sanitäranlagen mit automatischen WC-Spülungen, Seifenspendern, Wasserhähnen und Handtrocknern. Trotzdem gilt auch dort: So wenig anfassen wie nötig und die Hände so gründlich waschen wie möglich. "Ein einfaches Abspülen genügt nicht, um Infektionen vorzubeugen", mahnt Uerlings. Wichtig ist, dass keine Stelle ausgelassen wird. Handflächen, Finger und Nägel müssen richtig nass sein und gründlich mit Flüssigseife eingeschäumt und abgespült werden. Danach trocknet man sie mit einem Papierhandtuch, unter Gebläse oder mit einem Handtuchspender ordentlich ab, auch zwischen den Fingern.

Generell schätzt Uerlings die Gefahr, dass man sich auf öffentlichen Toiletten eine Krankheit einfängt, als nicht größer oder kleiner ein als auf dem eigenen stillen Örtchen. Bei hygienegerechter Nutzung sei die Übertragung einer Infektion so gut wie ausgeschlossen. "Es versteht sich von selbst, dass man sie im Falle einer offensichtlichen Verschmutzung auf Reisen oder an Rastplätzen nicht benutzen sollte", sagt er.

Auch Frauen, die aufgrund des Körperbaus mehr Kontakt zur Klobrille haben als Männer, müssten sich nicht allzu viele Gedanken machen. Er kenne keine Daten, die einen Zusammenhang zwischen der Benutzung öffentlicher Toiletten und häufigen Blasenentzündungen oder Pilzerkrankungen nachweisen, sagt Hygieneforscher Pietsch. Für eine Infektion müsste die Harnröhre Kontakt zur Klobrille haben. Das sei anatomisch aber gar nicht möglich.

Dass saubere Toiletten, ordentliche Waschbecken und gefüllte Seifenspender das Kaufverhalten positiv beeinflussen, ist bei vielen Händlern und Gastronomen angekommen. Ekelt sich der Gast, kommt er nicht wieder. An vielen öffentlichen Toiletten hängen deshalb Reinigungs- und Desinfektionspläne aus, an denen man ablesen kann, wann zum letzten Mal geputzt wurde. Manche Einrichtungen leisten sich Personal, dass sich offensichtlich nach jeder Benutzung um die Sauberkeit kümmert. Zum Beispiel das Chemnitz-Center. Dort wird einmal täglich der Zustand der Toiletten auf einem unangekündigten Rundgang überprüft, wie Kai Richter vom Centermanagement sagt.

Regelmäßige Kontrollen sowie Hygienechecks müssen auch die Franchisenehmer von Sanifair über sich ergehen lassen. Sie kümmern sich um die Sanitäranlagen auf insgesamt neun Tank & Rast Raststätten und Tankstellen an sächsischen Autobahnen. Dabei wird geprüft, inwieweit sensible Berührungspunkte wie Toilettensitze und Wickelauflagen für Babys mit Keimen belastet sind.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...