Sachsen bei Krebsvorsorge spitze

Eine neue Studie zeigt vor allem bei der Darmspiegelung Nachholebedarf. Zudem klären Ärzte noch zu wenig auf.

Rechtzeitig erkannt, ist Krebs besser behandelbar oder kann sogar geheilt werden. Doch nicht alle nutzen die kostenlosen Vorsorgeangebote der Krankenkassen. So haben im Zeitraum zwischen 2007 und 2016 bundesweit nur 61 Prozent der Frauen die Früherkennungsuntersuchung auf Brustkrebs genutzt. In Sachsen, wo seit 2007 zum Mammografie-Screening eingeladen wird, waren es mit 69 Prozent etwas mehr. Das geht aus einer am Montag vorgestellten Studie des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen (Wido) hervor. Mindestens zwei von 1000 Frauen, die regelmäßig das Mammografie-Screening zur Brustkrebsfrüherkennung nutzen, werden durch die frühe Erkennung des Tumors vorm Krebstod bewahrt, hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen ermittelt. "Den Früherkennungstest auf Gebärmutterhalskrebs nahm bundesweit nur etwa jede zweite Frau wahr", sagt Christian Günster, Leiter des Bereichs Qualitäts- und Versorgungsforschung des Wido. Auch hier seien die Sachsen mit 66 Prozent Teilnahme gesundheitsbewusster. Ab 2020 sollen Frauen im Freistaat erstmals persönlich zur Untersuchung auf Gebärmutterhalskrebs eingeladen werden.

Nachholbedarf gibt es für Männer und Frauen in Sachsen bei der Darmkrebsvorsorge. Fast jeder Vierte hat zwischen 2007 und 2016 keine Früherkennungsuntersuchung in Anspruch genommen. Dabei stehen mit der Darmspiegelung, einem Stuhltest sowie Beratung durch den Arzt drei Untersuchungsmöglichkeiten zur Auswahl. Deutschlandweit beteiligten sich 78 Prozent der Anspruchsberechtigten daran. "Die meisten Screenings werden im Rentenalter, zwischen 65 und 74 Jahren wahrgenommen", sagt Hannelore Strobel, Sprecherin der AOK Plus. Ab Juli werden Versicherte persönlich zum Darmkrebscheck eingeladen. Deutschlandweit erkrankten 2016 mehr als 500.000 Menschen neu an Krebs - 30.000 davon in Sachsen. Etwa zwei Drittel überleben länger als fünf Jahre, geht aus dem aktuellen Krebsregister hervor.

Ob sich mit den persönlichen Einladungen die Teilnahme an der Krebsvorsorge erhöht, hängt auch von der Qualität der Aufklärung ab. Wie die Befragung von mehr als 2000 AOK-Versicherten ergab, bekam nur die Hälfte der Teilnehmer Informationen über den Nutzen der Untersuchung. Von möglichen Nachteilen erfuhren mehr als 75 Prozent nichts. 51 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer gaben an, sich vor allem im Internet zu informieren. 45 Prozent beim Hausarzt. "Die Ergebnisse zeigen, dass die Voraussetzungen für eine informierte Entscheidung noch nicht überall gegeben sind", sagt der Mitautor der Studie, Professor Norbert Schmacke von der Uni Bremen. "Ärzte dürfen Fragen und Bedenken ihrer Patienten, zum Beispiel zu möglichen Fehlalarmen durch falschpositive Befunde, nicht wegwischen."

Einzig beim Brustkrebs gibt es seit 2018 eine wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfe, die das Pro und Kontra anhand von Studien abbildet. Daraufhin lehnten 21 Prozent der Frauen das Screening ab. 15 Prozent gaben an, Angst vor Untersuchung oder Ergebnis zu haben.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
1Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 0
    0
    Eichelhäher65
    12.03.2019

    Es stimmt, die wahrheitsgemäße Information ist hier alles. Ich habe nahezu alle Krebsvorsorgeuntersuchungen, die für mich in Frage kommen, genutzt. Die Angst vorher ist das Schlimmste und das müsste nicht sein, wenn die Ärzte sich mehr Zeit nehmen würden um konkret über Ablauf und etwaige Unannehmlichkeiten, die ja gar nicht so schlimm sind, wie man denkt, aufzuklären. Und die Leute müssen persönlich angeschrieben werden. Dabei muss diese Aufklärung gleich mit erfolgen, sonst legen sie das Schreiben weg. Sicher kann etwas übersehen werden oder leider auch mal falscher Alarm sein, aber das alles ist doch gar nichts gegen eine unentdeckte Krebserkrankung für die es möglicherweise zu spät ist.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...