Vierfach-Impfung gegen Grippe auch 2018 nicht für alle kostenlos

Nach der schweren Erkrankungswelle in der vergangenen Saison zahlen die Krankenkassen jetzt häufiger den Vierfach-Impfstoff. Garantiert wird er aber nur Risikogruppen.

Dresden.

Ab sofort können sich die Sachsen wieder gegen Grippe impfen lassen. Hausärzte, Arbeitsmediziner und Gesundheitsämter bieten die Impfung an. Neu ist in diesem Jahr, dass alle Krankenkassen die Kosten für den wirkungsvolleren vierfachen Impfstoff übernehmen müssen, wenn die Patienten zu den festgelegten Risikogruppen gehören. Der Vierfach-Impfstoff enthält zwei Influenza A- und zwei B-Komponenten.

Die Risikogruppen sind in der Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut beschrieben. Zu den Risikogruppen zählen zum Beispiel Personen über 60 Jahre, Schwangere und chronisch Kranke - etwa mit Diabetes, Asthma, Herzleiden oder Immunschwäche. Hinzu kommen Bewohner von Alters- und Pflegeheimen sowie Personen, die mit diesen Risikogruppen zusammenleben oder sie pflegen.

Damit bleiben von der verpflichtenden Erstattung der Vierfach-Schutzimpfung in der Regel jene Menschen ausgeschlossen, die im zurückliegenden Winter besonders stark von Grippe betroffen waren: Die 35- bis 59-Jährigen machten mit 38 Prozent den größten Anteil der Erkrankten aus. Der Vorsitzende der Sächsischen Impfkommission, Dietmar Beier, kann diese Einschränkung nicht nachvollziehen: "Wir empfehlen den Grippeschutz allen Gesunden ab siebten Lebensmonat."

Wie im letzten Winter unterscheidet sich somit die Empfehlung der Sachsen erneut von der bundesweiten Impfkommission. Zu einem großen Streit will es Beier in diesem Jahr aber nicht kommen lassen. "Ich weiß, dass die Stiko die Impfung irgendwann ebenso wie wir empfehlen wird", sagte er der "Freien Presse". Denn Sachsen sei kein Exot. Die Impfung für alle ab siebenten Lebensmonat gehöre in vielen Ländern zum Standard, so Beier.

Der Gemeinsame Bundesausschuss verweist darauf, dass zahlreiche gesetzliche Krankenkassen den Vierfach-Impfschutz auch für Versicherte anbieten, die nicht zu den Risikogruppen zählen. Eine entsprechende freiwillige Leistung haben beispielsweise die AOK Plus, die IKK classic, die TK und die KKH beschlossen. Sie zahlen die Impfung ab dem siebten Lebensmonat. Die Barmer zahlt für Kinder zwischen sieben Monaten und sieben Jahren sowie für alle Erwachsenen über 50, die DAK Gesundheit nur für über 50-Jährige und die Knappschaft erst ab 60.

Die Zusammensetzung des neuen Impfstoffs wurde durch die Weltgesundheitsorganisation bereits im Februar festgelegt. Nachdem im letzten Winter die Dreifach-Impfung floppte, hofft man diesmal auf eine bessere Wirksamkeit.

Die vergangene Grippesaison war die schwerste seit vielen Jahren. In Sachsen gab es 176 Todesfälle, mehr als doppelt so viele wie in der Saison zuvor. Fast 50.000 Menschen erkrankten. Bundesweit starben von rund 335.000 Grippekranken 1674. Stationär mussten rund 60.000 Menschen behandelt werden. Es kam sogar zu Notständen in Krankenhäusern, weil nicht alle Patienten versorgt werden konnten. "Einen hundertprozentigen Schutz wird es gegen Grippe nicht geben. Dazu sind die Viren zu wandlungsfähig", sagt Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts.

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2Kommentare
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  • 7
    0
    Hankman
    01.10.2018

    Wenn ich das richtig verstehe, hat man uns im Frühjahr belogen. Da hieß es noch, es werde in der folgenden Saison für alle den Vierfach-Impfstoff geben (d. h. die Kassen würden das dann auch bezahlen). Nun lese ich, dass wieder nur die bekannten Risikogruppen betroffen sind - mit der einzigen Verbesserung, dass für ausnahmslos alle Risikogruppen nun der Vierfach-Impfstoff erstattet wird. Für alle anderen, die keiner solchen Gruppe angehören, bleibt wieder die Hintertür offen, dass sie auch mit dem Dreifach-Impfstoff abgespeist werden können, falls ihre Krankenkasse das Geld für das teurere Serum sparen will. Offenbar wollte man den Krankenkassen und der Pharmaindustrie nicht allzu sehr wehtun. Denn dies scheint ja in unserem Gesundheitssystem wichtiger zu sein als Sicherheit für die Patienten.

    Noch mal zur Erinnerung: Dass die Grippewelle 2017/2018 so dramatisch verlief und so viele betroffen waren, hatte maßgeblich auch mit diesem Sparwahn zu tun. Ein großer Teil der Erkrankten hatte halt eine Virus-Variante, vor der
    nur der Vierfach-Impfstoff geschützt hätte. Und erkrankt sind eben keineswegs nur Menschen aus Risikogruppen - im Gegenteil. Alle, die zuvor der Meinung waren, der Dreifach-Impfstoff würde schon ausreichen, und er sei nun mal billiger, sind mitverantwortlich dafür, dass es zu so einer ausgeprägten Grippewelle und zu so vielen Todesopfern kam. Ich hätte deshalb gedacht, dass es ab sofort keine Hintertüren mehr geben würde und dass in so einem reichen, satten Land mit einem System von Krankenkassen, das viele Milliarden bewegt und dabei sehr gut verdient, das Geld für den jeweils besten Impfstoff da ist. Doch es ist offenbar nicht so. Den gesetzlich Versicherten bleibt also nur, zu fragen, ob die eigene Krankenkasse die besser Impfung bezahlt - und falls nicht, schleunigst zu einer anderen Kasse zu wechseln, die dabei nicht knausert.

  • 8
    5
    saxon1965
    01.10.2018

    Doktert ruhig weiter an den Symptomen rum, dass hält die Pharmaindustrie am laufen. Wir werden das schon alles bezahlen.
    Ursachen abstellen, wo möglich gesündere Lebensmittel, alternative Medizin mit weniger Antibiotika u. ä. m., sind ja für diese "Gesundheits"politik kontraproduktiv.
    P.S.: Jeder provokanten Meinung wohnt auch ein wenig Wahrheit inne.
    "Bundesweit starben von rund 335.000 Grippekranken 1674."
    Jährlich sterben ungefähr 121.000 Menschen am Rauchen und 15.000 Menschen am Alkohol. Der Unterschied ist nur, dass der Staat fleißig an beiden Drogen mitverdient.



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