Wer ersatzlos auf wichtige Jodlieferanten verzichtet, riskiert mit der Zeit einen Jodmangel.
Wer ersatzlos auf wichtige Jodlieferanten verzichtet, riskiert mit der Zeit einen Jodmangel. Bild: Christin Klose/dpa-tmn
Gesundheit
Warum ausreichend Jod für die Gesundheit wichtig ist

Müdigkeit, frieren, brüchige Nägel: Solche Symptome können auf Jodmangel hindeuten. Warum der Körper Jod braucht und wie man einen Mangel erkennt.

Bonn/ Stuttgart.

Schluckbeschwerden oder Heiserkeit können auf einen Jodmangel hindeuten. Auch ein empfindlicher Hals kann ein deutliches Warnzeichen für eine Jodmangelstörung sein – dann werden etwa Halstücher und Rollkragenpullis als drückend empfunden, erklärt Professor Markus Essler, Experte beim Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN).

Warum braucht der Körper Jod?

Jod ist ein lebenswichtiges Spurenelement. Die Schilddrüse braucht dringend Jod, um Hormone zu bilden. Diese Schilddrüsenhormone steuern laut BDN unter anderem den Energiestoffwechsel, die Körpertemperatur, das Immunsystem sowie Prozesse im Gehirn. Da der Körper Jod nicht selbst bilden kann, muss er das Spurenelement über die Nahrung aufnehmen.

Bekommt der Körper dauerhaft zu wenig Jod, kann dadurch etwa die Leistungsfähigkeit sinken. Zudem kann sich die Schilddrüse vergrößern, also Knoten oder sogar einen Kropf bilden, erklärt Essler. 

"Besonders gefährlich ist ein Jodmangel jedoch für Ungeborene und Kleinkinder", so Essler, der auch Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Bonn ist. Kommt es in dieser Phase zu einer Unterversorgung, könne dies "das Risiko für spätere Einschränkungen der intellektuellen Fähigkeiten und der Feinmotorik" erhöhen.

Welche Lebensmittel enthalten viel Jod?

Milch und Milchprodukte, Eier, Meeresfisch und Meeresfrüchte sind eine wichtige Jodquelle. Seefische mit hohem Jodgehalt sind laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) etwa Kabeljau oder Seelachs und bei den Meeresfrüchten etwa Muscheln und Garnelen. Pflanzliche Lebensmittel wie Getreide, Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte sind in der Regel hingegen jodarm. 

Übrigens: Zwar haben Algen oft einen hohen Jodgehalt. Insbesondere Kombu gilt als besonders jodreich. Da der Wert in der Regel jedoch nicht ausgewiesen ist und stark schwanken kann, rät unter anderem die Verbraucherzentrale Bayern davon als Jodquelle ab: "Beim Verzehr einzelner Algenprodukte droht eine überhöhte Jodaufnahme und damit ein erhebliches Gesundheitsrisiko."

Wer sollte besonders auf seine Jodzufuhr achten?

Wer sich vegan ernährt und daher auf Lebensmittel mit einem hohen Jodgehalt verzichtet, sollte laut BDN besonders darauf achten, ausreichend Jod zu sich zu nehmen. Auch Schwangere, Stillende und Kinder über 13 Jahren seien gut beraten, zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung 150 µg Jod pro Tag einzunehmen. Zumal die natürlichen Jodgehalte heimischer Lebensmittel in der Regel nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. 

Um einen Mangel vorzubeugen, sollte man laut BDN täglich konsequent jodiertes Speisesalz verwenden. Alternativ könne man laut BDN Kaliumjodid-Tabletten einnehmen oder Jodtropfen in vegane Produkte zusetzen - am besten in Absprache mit seinem Arzt. 

Welche jodierten Salze sind besonders empfehlenswert?

Die Zeitschrift "Öko-Test" (Ausgabe 02/2026) hat kürzlich jodierte Speisesalze untersucht. Diese lagen preislich weit auseinander - mit 0,29 Euro und 19,45 Euro pro 500 Gramm. Von den getesteten 20 Produkten bekamen nur fünf die Bewertung "sehr gut", weil sie keine unerwünschten Stoffe enthielten. Darunter waren zwei besonders günstige Salze: 

  • Alnatura Meersalz mit Jod feinkörnig für 0,99 Euro pro 500 Gramm
  • Saphir Meersalz jodiert für 0,75 Euro pro 500 Gramm

Ein Salz bekam die Note "befriedigend" - da waren die Arsen-Werte erhöht. Dieses giftige Halbmetall steht im Verdacht in anorganischer Form schon in geringen Mengen Tumore auszulösen, schreibt Öko-Test. Die restlichen 14 Produkte schnitten mit der Note "gut" ab. Sie wurden abgewertet, weil sie Natriumferrocyanid enthielten. Diese Rieselhilfe sorgt dafür das Salz nicht verklumpt. Sie ist an der Kennzeichnung "E 535" erkennbar. In Tierversuchen habe sie laut Öko-Test in größeren Mengen zu Nierenschäden geführt.

Welche Jod-Mengen empfehlen Experten?

Wer sich an empfohlenen Referenzwerten orientieren will, findet bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung diese Angaben:

  • 80 µg Jod pro Tag für Säuglinge unter 12 Monate
  • 90 µg Jod pro Tag für Kinder bis unter 7 Jahren
  • 120 µg Jod pro Tag für Kinder bis unter 13 Jahren
  • 150 µg Jod pro Tag für Jugendliche und Erwachsene

Da Schwangere und Stillende einen erhöhten Jod-Bedarf haben, liegen die Referenzwerte hier bei 220 µg Jod pro Tag beziehungsweise für Stillende bei 230 µg Jod pro Tag.

Als Orientierung schreibt die DGE: Der Jodgehalt in Deutschland liegt bei 15 bis 25 mg Jod pro Kilogramm Salz. Ein gehäufter Teelöffel Jodsalz enthält demnach nur etwa 100 µg Jod. (dpa)

© Copyright dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH
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