Was bringt die E-Patientenakte?

Weitere Kassen haben am Dienstag ein eigenes digitales Angebot verkündet - Ein Überblick über den aktuellen Stand

Alle wollen das eine, und jeder macht das seine: So lässt sich der gegenwärtige Stand beim Thema Elektronische Gesundheitsakte zusammenfassen. Am Dienstag kündigten weitere Krankenkassen ein eigenes Projekt an. Ein Überblick.

Was versteht man unter einer Elektronischen Patientenakte?

Eine OP im Krankenhaus, ein Besuch beim Zahnarzt, das Rezept vom Hausarzt - alles wird im deutschen Gesundheitswesen penibel dokumentiert. Doch niemand hat einen vollständigen Überblick. Die Elektronische Patientenakte soll das ändern. Auf der Datenbank sollen alle Gesundheitsdaten der Versicherten gespeichert und von den Leistungserbringern - Ärzte, Zahnärzte, Apotheken, Pflegeeinrichtungen - abgerufen werden können.

Welchen Nutzen erhofft man sich davon?

Die Befürworter der Elektronischen Patientenakte erhoffen sich vor allem Zeitgewinn und weniger Aufwand. So hätten Ärzte schnell alle relevanten Daten zur Hand, könnten sich einen Überblick über Vorerkrankungen verschaffen und bei der Verschreibung von Medikamenten Wechselwirkungen vermeiden. Patienten würden mithilfe der Akte Klarheit über alle erfassten Gesundheitsdaten erhalten. Krankenkassen erhoffen sich durch die elektronische Erfassung und Weitergabe von Überweisungsscheinen und Rezepten weniger Aufwand und damit geringere Kosten.

Wer hat Zugriff auf die Elektronische Patientenakte?

Ähnlich wie bei der Elektronischen Gesundheitskarte soll bei der Patientenakte das Zwei-Schlüssel-Prinzip gelten. Das heißt: Arzt und Patient dürfen nur gemeinsam auf die Daten zugreifen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hält das aber für falsch. Stattdessen sollte es sowohl Patienten und Ärzten erlaubt sein, auch allein Daten einzustellen und einzusehen - beispielsweise aus Gesundheits-Apps bzw. aus Befunden.

Dürfen Patienten der Speicherung von Daten widersprechen?

Prinzipiell ja. Der Patient hat aus Datenschutzgründen die alleinige Verfügungsgewalt über seine Elektronische Akte. Allerdings sehen Experten diese Lösung inzwischen als technisch überholt an. Außerdem werde damit der Sinn der Akte infrage gestellt. Denn wenn bestimmte Informationen fehlen, müssten Ärzte wie bisher per Telefon oder Post mit ihren Kollegen kommunizieren. Auch Doppeluntersuchungen wären dann wieder an der Tagesordnung.

Wer kann die Elektronische Patientenakte bereits nutzen?

Laut E-Health-Gesetz soll die Einführung der Akte bis Ende 2019 auf freiwilliger Basis erfolgen. Im Koalitionsvertrag wird ein verbindlicher Termin bis 2021 angestrebt. Vor allem die gesetzlichen Krankenkassen drücken aber aufs Tempo. Die AOK hat im November 2017 in Mecklenburg-Vorpommern ein Pilotprojekt gestartet, Anfang dieses Jahres folgte ein weiteres in Berlin. Die TK kündigte im April 2018 einen "digitalen Datensafe" als Handy-App an. Zunächst ist ein Test geplant, der bundesweite Start soll noch in diesem Jahr erfolgen. Am Dienstag stellten gleich mehrere gesetzliche und private Krankenkassen eine gemeinsame App namens "Vivy" vor. Versicherte von Allianz, DAK, Bahn BKK, IKK Classic, Barmenia, Gothaer und die Süddeutsche Krankenversicherung sollen damit Befunde, Laborwerte und Notfalldaten speichern und abrufen können. Die Barmer lehnt eine eigene Lösung bisher ab. "Die Elektronische Patientenakte ist nur dann sinnvoll, wenn sie flächendeckend und systemübergreifend genutzt werden kann", sagt Landesgeschäftsführer Fabian Magerl. Barmer-Versicherte können stattdessen eine Gesundheitsmanager-App nutzen, neuerdings auch mit Überblick über Vorsorgeuntersuchungen.

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