Wie geht mein Blutdruck runter?

Ärzte und Apotheker beantworten Fragen zu sinnvollen Medikamenten-Kombinationen und alternativen Verfahren

Einer Studie der Barmer zufolge hat jeder dritte Sachse Bluthochdruck. Übergewicht, Rauchen und Bewegungsmangel gelten als Hauptursachen. Hinzu kommen genetische Faktoren. Die meisten wollen von ihren Medikamenten loskommen. Aber wie? Das rieten Ärzte und Apotheker beim "Freie Presse"-Telefonforum. Stephanie Wesely hat die wichtigsten Antworten notiert.

Wie merkt man Bluthochdruck? Können Schwindel, Kopfschmerzen oder ein rotes Gesicht darauf hinweisen?

Das Gefährliche am Bluthochdruck ist, dass man ihn anfangs nicht spürt. Klarheit bringt nur eine Messung. Ein stark gerötetes Gesicht, verbunden mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Luftnot und Schwindel kann auf eine akute hypertensive Krise oder gar einen hypertensiven Notfall hinweisen. Hierbei kommt es zu einem plötzlichen, sprunghaften Anstieg des Blutdrucks. Eine hypertensive Krise bedarf sofortiger ärztlicher Behandlung, um nicht in einen hypertensiven Notfall zu entgleisen, der einen lebensbedrohlichen Zustand darstellt.

Welcher Blutdruckwert ist wichtiger - der untere oder der obere? Mein oberer liegt immer unter 130, der untere aber selten unter 90 oder 100. Gibt es Medikamente nur für den unteren Wert?

Wichtig sind beide, aber die Medikamente wirken in erster Linie auf den oberen Wert. Der untere ist schlechter einzustellen. Er wird bei Medikamenteneinnahme aber mit reguliert. Die Gefäßspannung als Ursache des Bluthochdrucks lässt sich auch durch gesunden Lebensstil beeinflussen.

Seit meiner Jugend habe ich Bluthochdruck, komme auch mit Medikamenten nicht auf normale Werte. Nun kann ich meinen Blutdruck gar nicht mehr selbst messen, weil ich schon Panik beim Aufpumpen des Gerätes bekomme. Auch Langzeitmessungen oder Messungen beim Arzt setzen mich enorm unter Stress. Was kann ich da tun?

Es gibt neue Dauermessgeräte, die ohne Aufpumpen auskommen. Gemessen wird an der Fingerkuppe. Diese Messgeräte gibt es in speziellen Bluthochdruckzentren wie in der Uniklinik Dresden.

Schon viele Monate vor dem Rückruf von Valsartan habe ich das Medikament eigenmächtig abgesetzt. Mein Blutdruck ist mit 118/86 eigentlich normal. Ich traue mich nicht, meinem Arzt vom Absetzen des Mittels zu erzählen.

Sie sollten Ihrem Arzt reinen Wein einschenken, denn er muss ja die Fakten kennen, um Sie ordentlich behandeln zu können. Wenn Sie ihm das Absetzen verheimlichen, zieht er womöglich die falschen Schlüsse, und das kann gefährlich sein, wenn Ihre Werte wieder steigen sollten.

Hilft das Blutspenden gegen Bluthochdruck?

Das Ablassen einer bestimmten Blutmenge kann kurzfristig den Blutdruck senken. Doch die Wirkung hält nur kurze Zeit an, auf Dauer ist dies nicht geeignet und auch nicht anzuraten.

Mein Blutdruck ist nach dem Aufstehen immer hoch (175/90), tagsüber aber normal. Ich bin sportlich, schlank, Nichtraucher und 76 Jahre alt. Mein Arzt verschrieb mir wegen des Morgenhochdrucks einen Betablocker. Seitdem bin ich weniger belastbar, schwitze und kann kaum noch Sport treiben. Soll ich das Mittel weiternehmen?

Betablocker sind nicht mehr die Blutdrucksenker der ersten Wahl. Sie sollten mit Ihrem Arzt einen Wechsel besprechen. Hilfreich gegen morgendlichen Hochdruck ist es auch, das Medikament sehr früh, zum Beispiel fünf Uhr, zu nehmen. Diese Änderung sollten Sie aber mit Ihrem Hausarzt besprechen.

Ich nehme seit Jahren Amlodipin und Candesartan. Das reicht jetzt nicht mehr. Doch den Betablocker vertrage ich nicht, habe schon den vierten probiert und immer Schwindel und Muskelschmerzen. Was kann ich tun?

Die Betablocker sind nicht die einzigen Medikamente, die zusätzlich zu Ihren Präparaten gegeben werden können. Empfehlenswert wären zum Beispiel wassertreibende Mittel, sogenannte Diuretika.

Meine Blutdruckwerte sind trotz Valsartan und Betablocker nicht in der Norm. Wegen einer Zahnwurzelentzündung bekam ich Antibiotika. Damit sank mein Blutdruck. Kann das sein, dass Antibiotika den Blutdruck senken?

Eine solche Wirkung von Antibiotika ist uns nicht bekannt. Die Senkung kann krankheitsbedingt aufgetreten sein. Solche Schwankungen bei Infekten sind häufig.

Während der großen Hitzeperiode ging mein Blutdruck runter, sodass ich meine Medikamentendosis eigenmächtig halbiert habe. Muss ich sie jetzt wieder erhöhen, wenn es kühler wird?

Blutdruckwerte schwanken mit den Jahreszeiten, das ist richtig. Sie sollten die Dosis, auf die sie eingestellt wurden, langsam wieder erreichen. Wenn Sie unsicher sind, besprechen Sie das mit Ihrem Hausarzt.

Ich bin 83 Jahre alt. Mein Blutdruck schwankt zwischen 146 und 137/75, wenn ich selbst messe. Beim Arzt habe ich 155/80. Ich soll Medikamente einnehmen, was ich aber nicht möchte. Wie hoch darf der Blutdruck bei Über-80-Jährigen sein?

Um Ihre Blutdrucksituation richtig einschätzen zu können, sollten Sie entweder eine Langzeitmessung machen lassen oder selbst ein Tagesprofil erstellen, bei dem Sie sechs- bis achtmal am Tag im ausgeruhten Zustand messen. Die höheren Werte beim Arzt sind mit der Aufregung zu erklären. Solange Sie unter 150/90 bleiben, können Sie mit über 80 auf Tabletten verzichten.

Gegen meinen Bluthochdruck nehme ich verschiedenste Medikamente. Nun habe ich noch einen Herzschrittmacher bekommen. Seitdem sind die Werte wieder höher. Kann das irgendwie zusammenhängen?

Nein. Ein Herzschrittmacher beeinflusst nur die Herzfrequenz, also den Pulsschlag, den Sie auf Ihrem Messgerät ablesen.

Mein Mann nimmt schon viele Jahre Valsartan, was jetzt zurückgerufen wurde. Kann er schon Schäden davongetragen haben? Wie finde ich das heraus?

Dafür gibt es keine speziellen Untersuchungen. Es ist auch noch nicht sicher nachgewiesen, dass diese Verunreinigung Krebs auslösen kann. Der Verdacht darauf reicht schon für einen Rückruf. Ob Sie Ihr Medikament umstellen sollten, erfahren Sie beim Arzt oder in der Apotheke.

Mein Mann nimmt seit einigen Monaten Benazepril ein. Seitdem vergisst er viel, auch Dinge, mit denen er sonst täglich umging. Ist mit dem Medikament alles in Ordnung?

Ja. Benazepril ist ein gut untersuchter Blutdrucksenker und hat keinen Einfluss auf die Merkfähigkeit. Eine zufällig gleichzeitig aufgetretene Gedächtnisschwäche kann andere Ursachen haben.

Meine Frau hatte jahrelang Bluthochdruck, trotz Medikamenten. Seit ein paar Monaten trinkt sie viermal am Tag eine einprozentige Salzlösung aus einem speziellen Salz, das 84 Elemente enthält, nicht wie unser Kochsalz nur zwei. Die Werte sind normal. Sollte man das nicht eher empfehlen?

Ob Schüsslersalze oder andere Salzarten gegen Bluthochdruck helfen, dafür gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen. Kochsalz ist für den Bluthochdruck sogar schädlich.

Mein Blutdruck war nur leicht erhöht. Mit bioaktivem Coenzym Q10 habe ich ihn um zehn Millimeter Hg senken können. Beim Arzt werde ich dafür nur belächelt. Warum eigentlich?

Das Coenzym Q 10 ist kein Blutdruckmedikament, es reguliert das Zellwachstum. Wir haben aber beobachtet, dass Menschen, die solche Ergänzungen nehmen, gleichzeitig auch gesünder leben - sich also mehr bewegen und salzärmer essen. Diese Lebensstiländerung hat möglicherweise die Blutdrucksenkung veranlasst.

Erhöht Kaffee den Blutdruck?

Eine neue Studie hat jetzt gezeigt, dass zwei Tassen Kaffee am Tag keinen Einfluss auf den Blutdruck haben. Erst ab mehr als fünf Tassen täglich, kann er steigen. Im Kaffee wirkt dabei das Koffein, koffeinfreier Kaffee könnte also eine Alternative sein.

 

Unsere Blutdruckspezialisten a m Lesertelefon  waren Andreas Fischer, Apotheker; Professor Christian Hugo und Dr. Simon Parmentier, alle Uniklinik Dresden.


 

Wichtige Medikamente 

 

Gegen Bluthochdruck sind Hunderte von Medikamenten zugelassen. Die Stiftung Warentest hat in einem Ratgeber alle wichtigen bewertet.

Testtabellen geben einen Überblick zu Wirkungen und Nebenwirkungen.

Das Buch "Medikamente im Test - Bluthochdruck" kostet 19,90 Euro und ist zu bestellen unter www.test.de

Weitere Informationen gibt es unter www.hochdruckliga.de

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...