Wirklich gute Pflegeheime sind bald besser erkennbar

Qualitäts-Kriterien sollen die geschönten Noten ablösen und die mehr als 1000 Heime in Sachsen vergleichbar machen. Jetzt steht der Starttermin fest.

Chemnitz.

Immer mehr Sachsen benötigen einen Heimplatz. Wurden im Jahr 2007 etwa 41.200 Frauen und Männer in Pflegeheimen betreut, waren es laut Statistischem Landesamt zehn Jahre später schon knapp 51.000. Tendenz steigend.

Doch viele fürchten, im Alter nicht das passende Pflegeheim zu finden. "Denn Qualitätsmängel sind bisher für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen nicht gut zu erkennen", sagt Diana Arnold vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) in Sachsen. Ein neues bundesweites Prüfsystem soll deshalb künftig die Orientierung bei der Heimwahl erleichtern. Es wird im November die umstrittenen Pflegenoten ablösen. Diese Noten, die es seit Einführung des sogenannten Pflege-TÜVs 2009 gibt, zeigen immer nur ein Gesamtbild. Einzelne gute Bewertungen können mangelhafte ausgleichen und damit vertuschen. Zudem beziehen sich die Bewertungen vor allem auf Dokumentationen in den Heimen und nicht auf die wirklichen Zustände.

So erhielten auch die meisten der vergangenes Jahr vom MDK im Auftrag der Pflegekassen geprüften mehr als 900 Pflegeheime in Sachsen gute bis sehr gute Noten. Fachverbände und Heimbewohner kritisieren seit Jahren, dass die Realität anders aussieht.

Laut dem neuen, im Auftrag von Pflegekassen und Leistungserbringern ausgearbeiteten Konzept soll künftig die tatsächliche Lebens- und Versorgungssituation besser bewertet werden. Geplant sind detaillierte Informationen aus verschiedenen Bereichen, die anhand von zehn Indikatoren gemessen werden - darunter Schutz vor gesundheitlichen Schäden wie Gewichtsverlust und Sturzfolgen sowie Erhalt der Selbstständigkeit.

Die Heime sollen alle Bewohner nach diesen einheitlichen Indikatoren erfassen. Der MDK prüft dann vor Ort die Plausibilität dieser Angaben und bei Stichproben vor allem die tatsächliche Versorgungsqualität. Die ersten Auswertungen nach dem neuen Prüfsystem sollen im Frühjahr 2020 vorliegen. Erst dann haben Pflegebedürftige und ihre Angehörigen auch die Möglichkeit, die Heime besser beurteilen zu können. "In welcher Form die Qualitätsbewertung veröffentlicht wird, steht allerdings noch nicht fest", so Diana Arnold.

Der Sozialverband VdK Sachsen hofft, dass künftig Risikokriterien stärker in die Beurteilung einfließen. "Damit wird sichergestellt, dass wichtige pflegerische Aspekte wie die Vermeidung von Druckgeschwüren mehr berücksichtigt werden als beispielsweise ein gut lesbarer Speiseplan", sagt Geschäftsführer Ralph Beckert. Durch die neue Bewertung erwartet er auch Rückschlüsse auf die personelle Besetzung und zusätzliche Angebote wie Begleitdienste in den einzelnen Einrichtungen.

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, bezweifelt, dass das neue Modell eine rasche Orientierung und Bewertung ermöglicht. "Es braucht eine Vergleichbarkeit anhand von Noten. Wer bei so wichtigen Kriterien wie Schmerztherapie, Wundversorgung oder Medikamentengabe durchfällt, darf nur Note 6 bekommen."

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