Der Garten der Zukunft

Am Julius-Kühn-Institut in Pillnitz wird an resistenten Sorten geforscht - Trockenstress ist aber nur ein Phänomen

Äpfel, die zu klein abfallen, vertrocknete Blätter, weniger Ertrag - dieser Sommer hat Obstbäumen und -sträuchern zugesetzt. Für die Forscher am Julius-Kühn-Institut in Dresden-Pillnitz ist die Trockenresistenz von Obstbäumen aber nur eine von vielen Eigenschaften, die sie im Blick haben. Professor Henryk Flachowsky, kommissarischer Institutsleiter, erklärt im Gespräch mit Gabriele Fleischer, warum ein klimagerechter Gartenumbau trotzdem schwierig ist.

Welche Rolle spielt lange Trockenheit bei Ihren Forschungen?

Wir forschen an Sorten mit anderen Blüh- und Reifezeiten, Toleranz gegenüber Sonnenbrand und Trockenstressverträglichkeit. Pauschal lässt sich aber keine Empfehlung geben. Der Klimawandel kann in verschiedenen Regionen ganz unterschiedlich ausfallen. Trockenheit ist nur ein Phänomen. Obstbauer und Gärtner müssen mit unterschiedlichen Problemen fertig werden.

Das heißt, Gärtner können sich bei Pflanzungen kaum auf heiße Sommer einstellen?

Zumindest nicht beim Anbau. Um die Auswirkungen einer extremen Klimasituation auf Obstarten und -sorten bewerten zu können, müssten über mehrere Jahre solche Bedingungen herrschen. Das heißt, ein sehr trockener und heißer Sommer reicht nicht. Zudem ist es bei Pflanzen ein Unterschied, ob es im April und Mai oder wie jetzt im Juli und August trocken ist.

Worauf legen Sie bei den Forschungen dann vor allem Wert?

An die heimischen Obstsorten gestellte Anforderungen können sich schnell ändern. Deshalb versucht man in der Züchtung, viele Eigenschaften im Blick zu behalten. Neue Sorten müssen dabei überall ausreichend gut abschneiden, auch weniger anfällig gegenüber Schädlingen sein und gute Erträge liefern. Ein Zuchtprogramm, welches ausschließlich auf Trockenstresstoleranz ausgerichtet ist, ist daher nicht sinnvoll. Verhältnisse wie in der Sahara werden wir hier auf absehbare Zeit wohl eher nicht bekommen.

Gibt es überhaupt Obstsorten, die weniger anfällig gegen Trockenheit sind?

In trockeneren Ländern gibt es die. Diese Sorten haben aber meist andere Probleme, die dann auftreten, wenn sie unter unseren Klimabedingungen angebaut werden. So fehlt ihnen oft die Winterhärte.

Sollten Hobbygärtner hierzulande nicht mehr auf exotische Sorten wie Kiwis setzen, die ja in diesem Sommer gut gedeihen?

Unsere Gärten leben von Vielfalt, und sicher hat der eine oder andere Gärtner auch Freude an Exoten, die ja bei Wärme tatsächlich gut wachsen, aber wie andere Pflanzen auch Wasser benötigen. Doch unsere Obstarten sind im Allgemeinen sehr gut an das Klima hier gewöhnt, auch wenn es mal länger trocken und heiß ist. Vor allem Obstbäume sind langlebige Kulturen, die einen solchen Sommer gut verkraften. Bereits im nächsten Jahr können sie wieder eine bessere Qualität liefern. Deshalb denke ich, dass man eher über Pflegemaßnahmen nachdenken sollte, als nach jedem Witterungsereignis den Garten umzustrukturieren.

Was heißt das?

Ein fachgerechter Schnitt und regelmäßige Pflege führen zu einem einwandfreien Zustand der Bäume. Dazu gehört es, Baumscheiben von Jungbäumen frei zu halten, eine ausreichende Wasserversorgung zu sichern und bei einem sehr starken Behang die Anzahl der Früchte zu reduzieren. Gesunde und gut entwickelte Bäume haben es immer leichter, mit schwierigen Bedingungen fertig zu werden. Bei Neupflanzungen sollte auf die Wahl von Sorte und Unterlage geachtet werden. Nicht alle Sorten, die man bei Discountern beziehen kann, sind für Haus- und Kleingarten geeignet. Es gibt viele lokal angepasste Sorten sowie Neuzüchtungen, die für den Hobbyanbau besser geeignet sind. Hier lohnt sich der Weg in eine der sächsischen Baumschulen oder zu spezialisierten Pflanzenmärkten, die dazu auch beraten.

Haben Sie schon neue Obstsorten gezüchtet, die sich für Kleingärten eignen und resistenter sind?

Das Züchtungsprogramm des Instituts zielt vorwiegend auf den Erwerbsobstbau ab. Dennoch haben wir eine Reihe von Sorten gezüchtet, die wir auch für den Haus- und Kleingarten empfehlen. Aus unserer Re-Serie (Re steht für Resistenz) für Äpfel gibt es robuste Sorten wie ,Joachim Gauck', ,Rea Juice', ,Recolor' und ,Rekarda' für den Hausgarten. Auch bei Süßkirschen (zum Beispiel ,Habunt', ,Swing') und Sauerkirschen (wie ,Boas', ,Jachim') züchten wir Sorten, die wir für den Hausgarten empfehlen. Zu bekommen sind sie in verschiedenen Baumschulen.

Trockenheit bedeutet möglicherweise mehr Schädlinge. Verbinden Sie bei Forschungen Trocken- und Schädlingsresistenzen?

Das kann man so nicht sagen. Manche Schaderreger profitieren vom trockenen Klima wie der Apfelmehltau, andere wie der Apfelschorf nicht. Generell konzentrieren wir uns in der Züchtung auf Widerstandsfähigkeit gegenüber vielen Krankheiten. Dann sind wir auch für ein breites Spektrum an Witterungsbedingungen gewappnet. Die Forschung zur Resistenz gegenüber Schädlingsbefall ist dabei eine unserer wichtigsten Aufgaben. So könnte im Erwerbsobstbau perspektivisch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eingedämmt werden.

 

Pillnitzer Apfeltag 

 

Fachleute des Julius-Kühn-Institutes und des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie stellen sich zum Apfeltag am 6. Oktober, 10 bis 17 Uhr, an der Lohmener Straße in Pillnitz vor.

Es gibt Informationen zu Apfel- und Birnensorten, Führungen im Versuchsfeld, Sortenbestimmung, Verkostung, Pflanzenschutzberatung.

www.julius-kuehn.de

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