Vorzeitiges Ernteglück

Kein Regen, aber süße Früchte und besondere Gemüsesorten. Gartendoktor Katrin Keiner zeigt, wie das geht.

Überall hadern Kleingärtner jetzt mit vertrocknetem Rasen, vorzeitig abfallendem Obst und zu kleinen Früchten. Selbst Gartendoktor Katrin Keiner ist davon betroffen. Insofern ist die Fachberaterin im Stadtverband Dresdner Gartenfreunde überrascht, als sie den Kleingarten von Antje Krüger betritt. Krüger, die seit 20 Jahren fast jede freie Minute im Garten verbringt, zeigt ihr einen prall gefüllten Erntekorb - mit Kartoffeln, Tomaten, Porree, Dill, Mirabellen, Mais, Rosmarin, Gurken, Pfirsichen und Äpfeln.

Ihr Rezept? Viel gießen - jeden Abend bis zu zwei Stunden -, Bäume als Schattenspender und kein unbepflanzter Fleck. Antje Krüger hat Glück mit dem Gießwasser. Leere Regenfässer oder teures Wasser aus der Leitung sind für sie kein Problem. In ihrer Gartenanlage in Dresden fließt Wasser aus dem Brunnen.

Ganz spurlos ist die Hitze aber auch an Krügers Garten nicht vorbeigegangen. Wie überall hat bei ihr die Ernte einen Monat früher als sonst begonnen. Vieles ist schon abgeerntet. Jetzt reifen noch Quitten, Aroniabeeren und Äpfel. Tomaten, Kohlrabi, Gurken, Kürbisse und Zucchini wachsen bis in den Herbst hinein nach. Der Ertrag ist wegen der anhaltenden Trockenheit bei vielen Obst- und Gemüsesorten aber auch in Krügers Parzelle geringer. Andere Gärtner haben noch mehr Einbußen: "Viele ernten ein Viertel bis 50 Prozent weniger als in normalen Jahren", sagt Gartendoktor Keiner, die für die "Freie Presse" monatlich am Beispiel eines Gartens erklärt, was zu tun ist.

Ärgerliche Pilzkrankheiten: Auf Blättern von Zucchini und Kürbis zeigt sich bei Antje Krüger Echter Mehltau. "Diese Pilzkrankheit hat sich derzeit besonders in den Gärten ausgebreitet. Denn Echter Mehltau entfaltet sich am besten bei warmem und trockenem Wetter", sagt Keiner. Befallene Pflanzenteile sollten entfernt und im Müll entsorgt werden. Vorbeugend mit zugelassenen chemischen Mitteln zu spritzen, kommt für Veganerin Krüger nicht in Frage. Für ihre Eigenversorgung bis in den Herbst hinein bevorzugt sie ökologische Nahrungsmittel. Sie verwendet nur biologischen Dünger. Der Mehltau ist für die Hobbygärtnerin jetzt zur Erntezeit aber kein Problem. "So lange Obst und Gemüse gesund sind, kann man es auch essen", ergänzt Katrin Keiner.

Süßere Früchte: Doch der viele Sonnenschein hat auch gärtnerische Vorzüge. So wachsen exotische Früchte wie Kiwis besonders gut. Und selbst wenn viele Strauchbeeren kleiner geerntet werden, so sind sie süßer. "Der Zuckeranteil ist durch die Sonnenwärme sehr hoch. Das schmeckt man in diesem Jahr auch am Wein deutlich", sagt Keiner. Dessen Lese steht bei Antje Krüger ebenfalls schon an. Vorsorglich hat sie bereits vor Wochen die Trauben mit luftdurchlässigen Organza-Säckchen vor unliebsamem Tierbesuch geschützt.

Besondere Sorten: Antje Krüger ist immer auf der Suche nach neuen Sorten. Etwa 30 Sorten Gemüse und ebenso viel Obst hat sie angebaut. Der "grüne Heinrich" zum Beispiel bereichert den Speiseplan der Veganerin. Die noch nicht blühenden jungen Pflanzen werden wie Spinat verwendet. Mindestens vier weitere Spinatsorten finden sich in der Parzelle. Baumspinat Magenta zum Beispiel. Zwischen Sträuchern und Bäumen zeigt die Gärtnerin auf das Urgemüse Roter Meier. Es wird seit dem frühen Mittelalter in unseren Breiten als Blattgemüse kultiviert. "Ich esse die Blätter klein geschnitten als Salat oder gedünstet wie Spinat", sagt sie. Dabei bekommt sie gleich noch eine Portion Vitamin C, Eisen und Kalzium. Zum Urgemüse gesellt sich Urobst. Länglich und rot hängen die Kornelkirschen am Strauch. Antje Krüger kocht daraus Marmelade. Auch bei den Kartoffeln mag es die Gärtnerin exotisch. Aus ihrem Erntekorb holt sie eine Mayan Twilight hervor. Außen rötlich mit gelben Flecken, innen sehr gelbfleischig, hat die Kartoffel einen leichten Marzipan-Geschmack. Die Sorte ist perfekt für Berufstätige, da sie zu den schnellkochenden zählt. Gut abgebürstet lassen sie sich auch roh geschnitten zu Bratkartoffeln verarbeiten. "Jetzt zeige ich Ihnen noch meine Stepover-Zucht", sagt Krüger. Bitte was? Kaum zu glauben, aber als Beeteinfassung hat sie Äpfel als Spalierobst gezogen. Und dass die Gärtnerin mit einer Giftpflanze im Gewächshaus Schädlinge vertreibt, ist ebenso ungewöhnlich.

Richtige Nachbarn: Bei aller Vielfalt - die Pflanzungen im Garten haben System. Denn nicht jede Pflanze verträgt sich mit jeder. Und wird mehrmals auf der gleichen Stelle die gleiche Art angebaut, wird der Boden müdeund hemmt so den Wuchs. "Nährstoffmangel lässt sich dann selbst mit Dünger nicht ausgleichen", sagt Keiner. "Um eine Fruchtfolge einzuhalten, hilft ein Bepflanzungsplan, aber es geht auch nach der Krüger-Methode", so Keiner. "Ich verschiebe das Gemüse um jeweils 25 Zentimeter in der Reihe und bestelle die Reihen abwechselnd mit Spinat, der nach der Ernte als Gründung und Mulch dient", sagt Antje Krüger. Das schützt gleich gegen Trockenheit.

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