Wenig Ausbeute

Gartendoktor Katrin Keiner erklärt am Beispiel einer Sparte in Geringswalde, wie der Kleingarten wieder zu Leben erwacht.

Überall im Garten von Jörg Walther sind Spuren der heißen und trockenen Wochen zu sehen. Verdörrte Äste hängen von Sträuchern, der Boden ist trotz der letzten Regengüsse kaum feucht. Die Ernte von Obst und Gemüse fällt magerer aus. SZ-Gartendoktor Katrin Keiner ist bei ihrem Besuch im Kleingartenverein Teichrose in Geringswalde dennoch überzeugt: Bei richtiger Pflege wird die 500 Quadratmeter-Parzelle im nächsten Jahr wieder erblühen.

Größtes Problem in Walthers Garten ist fehlendes Gießwasser. Einen Brunnen gibt es nicht, für den benachbarten Teich gilt ein Pumpverbot, für das Wasser aus der Leitung gilt Sparsamkeit. Dem Kleingärtner bleiben nur Wasserfässer. Überall in der Anlage werden deshalb vorbeugend zusätzliche Behälter aufgestellt, um Nass von oben zu sammeln. "Aber anhaltender Trockenheit lässt sich auch anders entgegenwirken", sagt Katrin Keiner.

Der richtige Boden: "Lehmboden wie im Garten von Jörg Walther ist gut, weil er Feuchtigkeit hält. Aber diesen Sommer ist alles anders", sagt Frau Gartendoktor. Auch der Boden bei Walthers ist hart. Der Kleingärtner muss sich eine größere Hacke besorgen, um zu schauen, ob überhaupt Kartoffeln gewachsen sind.

"Um den Boden zu verbessern, sollte unter Lehm- oder Tonböden Sand, unter sandige Böden Lehm gemischt werden", sagt Keiner. 20 bis 30 Zentimeter tief sei dafür umzugraben. Jetzt im beginnenden Herbst könne auch Kompost, Pferde- oder Stallmist eingearbeitet werden. "Gründung um die Pflanzen hält die Erde länger feucht", so die Fachberaterin im Stadtverband Dresdner Gartenfreunde. Dafür würden sich Gelbsenf, Klee, Raps, Sonnenblumen, Phacelia, Kresse, Spinat, Feldsalat und Gartenmelde eignen. Leichte Sandböden vertragen Betonit. Das ist ein Steinmehl aus fein gemahlenem Ton. "So werden die Böden bindiger, speichern besser Wasser und Nährstoffe", sagt Keiner. Rosen und Obstgehölze würden auf solchen Böden besser gedeihen. Eine preiswertere Alternative ist Katzenstreu aus reinem Betonit. Keiner empfiehlt Jörg Walther für die nächste Saison, Mulch zu den Pflanzen zu geben und sie so vor dem Austrocknen zu schützen. Stroh- und Grasschnitt seien dafür gut. Ein angenehmer Nebeneffekt: Das Unkraut wächst nicht so schnell.

Die andere Pflanzenwahl: Zudem rät Frau Gartendoktor, hitzeempfindliche Pflanzen unter Schattenspendern wie Obstbäumen zu platzieren. Mancherorts hätte sie schon gesehen wie Regen- oder Sonnenschirme über Pflanzen gespannt wurden. Bei den Blumen seien Kleingärtner mit naturnahen und angepassten Pflanzen, die besser mit Trockenheit zurechtkommen, auf der sicheren Seite. Dazu gehören Sonnenblumen, Malven, Kornblumen, Lavendel und Kugeldisteln.

Aber am Ende zähle bei allen Pflanzungen gute Pflege. Deshalb will Jörg Walther in den nächsten Wochen zunächst mit dem Aufräumen in seinem Garten beginnen: Verwelktes abschneiden, vertrocknete Pflanzen ausgraben und Beete neu anlegen. Auch wenn er über andere Pflanzen nachdenkt, so möchte sich Walther doch in der nächsten Gartensaison wieder über blühende Phlox, Hibiskus, Yuka-Palmen oder Gelenkblumen freuen - sowie über eine gute Gemüse- und Obsternte. Diesmal muss er sich mit weniger begnügen. Zucchini sind gewachsen, auch ein paar Tomaten und Kräuter. Der Apfelbaum trägt einige pralle Früchte. Auch bei den Brombeeren verhinderte die Trockenheit eine optimale Ernte. Selbst die Kiwis, die man als wärmeliebende Pflanze kennt, tragen in Walthers Garten kaum Früchte. "Es ist ein Trugschluss, dass sie wenig Wasser benötigen", sagt Keiner. Deutlich sind an den Blättern Verbrennungen zu sehen. Nur dort, wo der große Kirschbaum seine Zweige schützend darüber deckt, sind die Blätter kaum geschädigt. Dass die wenigen Kiwis so klein sind, hat aber nichts mit der Trockenheit zu tun. "Das sind Mini-Kiwis (Actinidia arguta)", sagt Keiner. Die werden nur wenig größer als Stachelbeeren, können mit Schale gegessen werden, sind aromatischer und süßer als ihre großen Schwestern sowie extrem winterhart - also bestens geeignet für einen mitteldeutschen Kleingarten.

Die intensive Pflege: Eine Rankhilfe ist für die Kiwi-Kletterpflanze nötig. Schließlich kann sie einige Meter in die Höhe und je nach Erziehung in die Breite wachsen. Ausreichend Humus im Boden, regelmäßiges Düngen mit Kompost oder Hornspänen fördern Wachstum und Blüte. Trotzdem wird sich Walther, der nach der Ernte der wenigen Früchte verbrannte Blätter abschneidet, Gedanken machen müssen, wie er künftig auch den Kiwis ausreichend Wasser geben kann. Und damit die Obstbäume nächstes Jahr wieder besser tragen, steht bei Walthers ein fachgerechter Schnitt an. Katrin Keiner zeigt dem Kleingärtner, wie er die Wasserschosser, also hochwachsende Triebe, ausbrechen kann, ohne den übrigen Ast zu zerstören. "Die Früchte brauchen zum Wachsen Kraft. Ein zugewucherter Baum ohne Durchlüftung ist da nicht förderlich", sagt sie.

Der Rasen benötigt jetzt eine intensive Herbstpflege. "Da kaum ein grüner Teppich in den Gärten den Sommer überlebt hat, muss neu gesät werden", sagt Keiner. Gleichmäßige Bewässerung und Dünger würden den Rasen fit machen. Frau Gartendoktor empfiehlt für den letzten Schnitt vor der Winterpause eine Länge von etwa fünf Zentimetern. Viel Arbeit für den Kleingärtner in Geringswalde. Aber nächstes Jahr soll ja alles wieder blühen.

Zum Abschluss der Gartensaison gibt es am 17. Oktober, 14 bis 16 Uhr ein Telefonforum mit Gartendoktor Katrin Keiner, Gartenbaumeisterin Helma Bartholomay und dem ehemaligen Pillnitzer Gartenmeister Wolfgang Friebel.


 

Gartentipps im September 

 

Raupen des Apfel- und Pflaumenwicklers suchen sich ein Überwinterungsquartier unter Obstbaumrinde. Dagegen können breite Streifen aus Wellpappe mit der gerillten Seite nach innen gefaltet und um die Stämme gebunden werden. Die Tiere kriechen in die Rillen und werden mit der Pappe abgesammelt.

Kontrollieren Sie festgebundene Triebe und Stämme und lockern oder entfernen Sie die Befestigung. Oft hat das Holz so an Umfang zugenommen, dass die Fixierung Druckstellen an der Rinde hinterlassen hat. Jetzt können Radieschen, Schnittsalat und Spinat gesät werden. Feldsalat f sät man bis 20. September. Pflanzzeit ist auch für Knoblauch, Rhabarber und mehrjährige Kräuter.

Zur Vermehrung von Lilien sind die Brutzwiebeln abzunehmen und zwei bis vier Zentimeter in die Erde zu setzen. Bodendecker wie Frauenmantel und Elfenblume sollten geteilt und zurückgeschnitten werden. In Blumenbeeten werden nur Samenstände von Pflanzen, die sich nicht aussäen sollen und kranke Teile entfernt. Der Rest dient Nützlingen im Winter.

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