Wie die Hitze außerhalb der eigenen vier Wände bleibt

Die Verbraucherzentrale Sachsen erklärt bei Gebäude-Checks, wie die Hitze draußen bleibt - oft mit einfachen Mitteln.

Wärmeberaterin Angelika Baumgardt hält ein Infrarotmessgerät an die Dachschräge. Bei etwas mehr als 43 Grad stoppt die Anzeige. Familie Skovgaard-Sörensen leidet wie viele Menschen in Sachsen unter der Dauerhitze. "25 bis 27 Grad sind in Wohnräumen zumutbar", sagt Baumgardt. Oft sei es mehr. Eigentlich führt sie für die Verbraucherzentrale Sachsen Energieberatungen durch. In diesen Tagen wird sie jedoch oft gerufen, um in Häusern und Wohnungen nach Schwachstellen zu suchen, die die Wärme reinlassen. Frank Skovgaard-Sörensen zum Beispiel möchte sein 1994 gebautes Haus im mittelsächsischen Tuttendorf entsprechend sanieren.
 

Dachbereich: Der Spitzboden im Haus gleicht einer Sauna. Er ist nicht gedämmt. Die Hitze kann ungehindert eindringen. "Deshalb können sich solche Bereiche auf bis zu 80 Grad aufheizen", sagt Beraterin Baumgardt. Zwar wohnt die Familie hier nicht, sondern nutzt den Raum lediglich zum Abstellen. "Damit die Wärme aber nicht in die Wohnbereiche kommt, sollte die obere Geschossdecke gedämmt sein", so Baumgard. Frank Skovgaard-Sörensen hat bereits in den Dachschrägen zu den Wohnräumen und auf der oberen Geschossdecke eine 22 Zentimeter dicke Mineralfaserdämmung nachgerüstet. "Das ist gut", sagt Baumgardt. "So sinken die Temperaturen in den Räumen darunter."

Die Beraterin empfiehlt dort, wo es möglich ist, für das Dach Dämmstoffe mit hoher Wärmespeicherfähigkeit wie Holzweichfaserplatten oder Zellulosedämmung. "Die geben die Wärme deutlich langsamer an den Raum ab und sind deshalb für den sommerlichen Wärmeschutz günstiger als Mineralfasermatten."

Außenwand: Die Frage, ob eine Außenwanddämmung sinnvoll ist, war für Frank Skovgaard-Sörensen kurz vor den anstehenden Putzarbeiten die wichtigste. Angelika Baumgardt bestätigt: "Wenn die Fassade ohnehin verputzt werden muss, sollte die Dämmung mitgemacht werden. Sie verhindert nicht nur das Entweichen der Wärme im Winter, sondern eben auch das Eindringen der Hitze im Sommer. Dafür gibt es verschiedene Materialien, die je nach Hausbeschaffenheit ausgewählt werden." Ein hervorragender Hitzeschutz sei der große Dachüberstand über einem Balkon im Obergeschoss. Der halte die Wärme ab.

Südfenster: Schwachpunkt auch im Tuttendorfer Haus ist ein fehlender Sonnenschutz für die Dachfenster wie Rollläden oder Jalousien. Da das Schlafzimmer der Eltern und das Zimmer von Tochter Hanna auf der Südseite liegen, sorgen die ungeschützten Fenster für steigende Temperaturen innen, je höher die Sonne steht. "Wichtig ist es, diese Jalousien von außen anzubringen. Um bis zu 75 Prozent reduziert das die Sonneneinstrahlung", sagt Baumgardt. Im Sanierungsplan der Familie ist das mit aufgenommen. Dort, wo Außenschutz nicht angebracht werden kann, helfen helle und reflektierende Rollos auf der Innenseite, so die Beraterin. Immerhin um 25 Prozent würde die Sonneneinstrahlung so noch gesenkt. Lässt die Wärme ein entspanntes Schlafen nicht zu, könnten feuchte Tücher vor den Fenstern Linderung schaffen. Der Trocknungsvorgang entzieht der Luft Wärme und kühlt sie ab. Allerdings sei dafür eine Luftzirkulation nötig, da es sonst im Raum unangenehm feucht werden kann. "Wenn das Thermometer wie diese Woche erwartet bis fast 40 Grad steigt, helfen kurzzeitig weiße Tücher, die außen vor die Fenster gehängt werden", sagt die Beraterin. Auch Sonnenschutzfolien und Sonnenschutzverglasungen bieten einen wirksamen Hitzeschutz, verdunkeln aber die Räume.

Auf der Treppe zum Erdgeschoss kommt merklich kühlere Luft entgegen. Und das bei Außentemperaturen von über 30 Grad. "Der Einbau von Fenstern mit Dreifachwärmeschutzverglasung hat Entspannung gebracht", sagt der Hausherr. "Eine gute Lösung", lobt Angelika Baumgardt. Denn im Vergleich zur Zwei-Scheiben-Isolierverglasung gelangten etwa 40 Prozent weniger Sonnenenergie ins Innere. Die neuen Fenster bestehen aus drei Scheiben, die mit einer hauchdünnen unsichtbaren Metallschicht überzogen und deren Zwischenräume mit Edelgas gefüllt sind. "Aber eine Markise auf der Südseite im Terrassenbereich wäre noch wesentlich wirkungsvoller. Sie schirmt die Fensterflächen von vornherein vor der Sonnenstrahlung ab." Einen guten Schutz würden auch Laubbäume und Sträucher an der Südseite bieten. In Tuttendorf steht ein hoher Baum auf dem Grundstück, allerdings zu weit von der Südterrasse entfernt.
 

Energiequellen: Ein Klimagerät, so die Energieberaterin, sollte nur im äußersten Notfall angeschafft werden, denn es gehört zu den größten Stromfressern im Haushalt. "Es kostet leicht mehr als 100 Euro im Jahr", sagt Baumgardt. Wer vielleicht aus gesundheitlichen Gründen dennoch ein Klimagerät nutzen will, sollte ein Gerät mit einer möglichst hohen Energieeffizienzklasse wählen. "Die Effizienzklasse ist Teil des Energielabels und steht auf jedem Gerät. Fest eingebaute Splitgeräte sind dabei energieeffizienter als mobile Monoblockgeräte", so die Beraterin. Die beste Effizienzklasse ist A+++. Monoblockgeräte seien in der Regel drei Klassen schlechter. Besser sei es, wenn nötig einen Ventilator zu nutzen. "Der verbraucht viel weniger Strom und ist so umweltfreundlicher", sagt Baumgardt.

Familie Skovgaard-Sörensen versucht, solche Geräte gar nicht zu nutzen. Dafür sind dem Hausherren Hinweise auf unnötige Wärmequellen wichtig: "Es reicht schon, einige Gewohnheiten zu ändern." So hat die Familie die meisten, aber noch nicht alle Glühlampen gegen LED getauscht. Der Kaffee sollte in eine Thermoskanne gefüllt und die Wärmeplatte ausgeschaltet werden. Wäschetrockner, zweiter Kühlschrank und Toaster müssten zu Hitzezeiten nicht unnötig in Betrieb gehen.

Fazit: Familie Skovgaard-Sörensen möchte nach den Empfehlungen von Angelika Baumgardt das Gebäude mit einer Wärmedämmung ausstatten: "Investitionen in Wärme- und Hitzeschutz sind langfristig gesehen meist lohnenswert, auch wenn mindestens einige 1000 Euro dafür nötig sind", sagt die Beraterin. Sie helfen, Kosten für Kühlung und Heizung zu sparen. Durch Eigenleistungen ließen sich die Aus-gaben senken. In den nächsten Wochen erhält die Familie den Checkbericht. Dann werden sich Skovgaard-Sörensens einen Sachverständigen der Kreditanstalt für Wiederaufbau bestellen, um dort angebotene Fördermöglichkeiten prüfen zu lassen.

Ein Gebäude-Check der Verbraucherzentrale Sachsen für Haus- und Wohnungseigentümer sowie Vermieter kostet 20 Euro, Beratungen bei der Verbraucherzentrale fünf Euro pro 30 bis 40 Minuten. Für Mieter gibt es einen Basis-Check für 10 Euro. Dabei werden Strom-, Wärmeverbrauch und Elektrogeräteausstattung überprüft. In Sachsen arbeiten 18 Energieberater an 54 Standorten.

www.verbraucherzentrale-sachsen.de

Fördermöglichkeiten unter www.kfw.de

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